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Davide und Bettina

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Hans Peter
Danuser

Hans Peter Danuser und Amelie-Claire von Platen sind im Engadin zu Hause und zeigen uns ihren Blickwinkel. Was bewegt Land und Leute? Wo ist das Engadin stark und wo hinkt es einzelnen Mitbewerbern hinterher? Und was geschieht auf politischer Bühne? Der Blog «Engadin direkt» berichtet persönlich und authentisch.

Das ist keine Romeo-und-Julia-Geschichte. Davide und Bettina haben nichts miteinander, kennen sich aber und teilen zwei Leidenschaften. Beiden sind passionierte Gastgeber und beide sind typische Vertreter der Regionen Engadin und Comersee mit all ihren Eigenheiten und Gegensätzen: 1800 m ü. M. und 200 m ü. M., Landes- und Sprachgrenze, differierende Kulturen, Mentalitäten und so weiter.

Davide führt seit vier Jahren das Zelt-Restaurant „La Tenda“ in Surlej, an der Marathon Piste bei Silvaplana: vom 1. Dezember bis 1. April, jeweils von 10 bis 22 Uhr durchgehend geöffnet, innen für 30 Gäste, draussen für 50. Davide führt das Lokal mit drei tüchtigen Landsleuten, fokussiert seine Karte auf wenige, aber gefragte Spezialitäten und ist bei Gästen wie Einheimischen Kult. Deko, Ambiente, Speisen und Weine sind italienisch. Davide spricht fliessend Schweizer Dialekt und serviert mit Gusto auch würziges Käse-Fondue. Wenn unser Alphorn Ensemble in der Marathon Woche vor seinem Ristorante beim Nachlanglauf im Wechsel mit den Champferer Plumpen-Trägern aufspielt, zählt der folgende Ausklang im «La Tenda» zu den Winter-Highlights.

Davide ist in Colico am obersten Comersee aufgewachsen, hat im Restaurant Cascade in St. Moritz und im Hotel Misani in Celerina gearbeitet und die letzten 15 Jahre das Restaurant Cavallino im Hafen von Varenna als Pächter geführt.

Damit kommen wir zu Bettina. Wer mit Fähre oder Linienschiff von Bellagio, Cadenabbia oder Menaggio her Richtung Varenna fährt, kann auf den Terrassen der eng gebauten Häuser bald einen Hotelnamen entziffern: «Albergo Milano». Wenig später landet die Fähre dann direkt vor Davides «Cavallino».

Das kleine, aber äusserst feine Boutique Hotel «Milano» gehört der St. Moritzerin Bettina Schmidt, die vor 40 Jahren als «Heidi» auf einem legendären Plakat für St. Moritz Werbung gemacht hat. Das Bild ging damals um die Welt und ist zurzeit in der St. Moritz Design Gallery unten beim Ausgang Richtung See als Plakat in Weltformat ausgestellt. Es hat von all den präsentierten Sujets dieser prachtvollen Ausstellung mit Abstand die höchsten Auflagen erzielt.

Bettina Schmidt war damals in der fünften Primarklasse und sprang als einheimisches Mädchen für die Wienerin Katja Pollentin ein, die 1977 in der 26-teiligen TV-Serie das Heidi gespielt hatte und heute in Lech ein super Hotel führt. Bettina absolvierte später die Hotelfachschule Lausanne und machte bei Hilton International Karriere, wo sie auch ihren Mann kennenlernte. Zusammen kauften sie dann vor 18 Jahren das «Milano». Es kommt mit seinen 16 Zimmern von März bis November auf gut 80 Prozent Auslastung und hat mit dem Restaurant «La Vista» ein Feinschmeckerlokal, das seinem Namen gerecht wird. «booking.com» bewertete das Milano zurzeit mit 8,9 Punkten.

Bettina und Davide stehen mit ihren Lebenswegen und Leistungen für zahlreiche tüchtige Landsleute beidseits der Grenze dieser etwas abgelegenen, von Natur und Tradition aber begnadeten Regionen. Es ist an der Zeit, dass gerade die Bündner, die der Gegend zwischen Mailand und Venedig während Jahrzehnten wirtschaftlich und politisch sehr verbunden waren, sich der aktuellen Reize und Attraktionen dieser Region entsinnen und sie als Ferien- und Ausflugziele wählen. Statt – wie mittlerweile üblich – stundenlang in exotische Länder zu jetten.