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Wie St. Moritz gegen Genf und London die Inder gewann

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MARCO HARTMANN
Hans Peter
Danuser

Hans Peter Danuser und Amelie-Claire von Platen sind im Engadin zu Hause und zeigen uns ihren Blickwinkel. Was bewegt Land und Leute? Wo ist das Engadin stark und wo hinkt es einzelnen Mitbewerbern hinterher? Und was geschieht auf politischer Bühne? Der Blog «Engadin direkt» berichtet persönlich und authentisch.

Wie kann ein Dorf mit knapp 5000 Einwohnern auf 1856 m ü.M. den Wettbewerb um eine indische Mega-Party gegen die UNO-Stadt Genf und die Weltstadt London gewinnen? Es gibt mehrere Gründe dafür.

Einer ist die erfolgreiche Strategie und Unterstützung von St. Moritz und Partnern vor Ort in Indien. Wie komplex und «anders» die Situation dort war und ist, schildert der Oberwalliser Bernhard Imhasly in seinem Blog «Journal 21/imhasly». Er war über 20 Jahre lang NZZ-Korrespondent in Delhi und wohnt immer noch in Indien. Wer seinen Kommentar über die Hintergründe der Protagonisten des indischen Festes in St. Moritz liest, erfährt, welch andere Welt und Kultur dieses 1,3-Milliarden-Volk ist und versteht auch den St. Moritzer Gemeindepräsidenten Christian Jott Jenny, der klar festhält, dass die lokale Behörde keine Moralinstanz ist und sein kann. Wie ein St. Moritzer Gast sein Geld verdient und in St. Moritz ausgibt, ist seine Sache, so lange er sich im Rahmen der hiesigen Gesetze und Regeln verhält.

Weitere Erfolgsgründe sind die Marke und das touristischen Angebot von St. Moritz im schönsten Hochtal der Welt: Traumhafte Winterlandschaft in der Sonne der Alpensüdseite, der gefrorene See mit den majestätischen «Badrutt’s Palace»-, «Kulm»- und «Carlton»-Hotels darüber – der buchstäbliche «Festsaal der Alpen» auf dem glitzerndem Dach Europas. Die Zeltstadt der White-Turf-, Polo- und Cricket-Anlässe samt polierter Eisbahn auf dem See, das prickelnde Champagner-Klima – was haben Genf und London diesem Wintertraum Ende Februar entgegenzusetzen? Sicherer sind sie nicht, und im Engadin liegt der Flughafen viel näher bei den Hotels als in den Städten …

Der dritte, entscheidende Grund für den St. Moritzer Erfolg ist persönlich, emotional und hat einen Namen: Hans Wiedemann, Erbe, Eigentümer und Patron des «Badrutt’s Palace»-Hotels. Seine Frau Martha ist Inderin, und die Familie Ambani gehört seit Jahren zu den Stammgästen und Freunden des «Palace». Und die Wiedemanns pflegen solche Beziehungen sorgfältig und mit Herzblut Hans und Martha haben ihre Stammgäste, deren Family-Offices und Residenzen Jahrzehnte lang rund um die Welt besucht und ihnen dort die Referenz erwiesen.

Zufällig habe ich Hans gelegentlich auf den Flughäfen von Singapore oder Hong Kong getroffen, stets aufgestellt und voller Elan. Er gehört zu den seltenen Menschen, die ich nie habe jammern hören. Und auch seine Begeisterung für indisch-britische Sportarten wie Cricket und Polo kommt bei den asiatischen Gästen perfekt rüber. Die Wiedemanns machen bei solchen Ausmachungen oft den Unterschied zu starken Mitbewerbern im In- und Ausland. Und sie werden bei der Umsetzung solcher «Kisten» von ihren Hotelkollegen in St. Moritz Dorf und Bad samt Nachbargemeinden hervorragend unterstützt. Das trifft auch bei weiteren Leistungsträgern zu: Bergbahnen, Bauamt, Polizei, aber auch Transportunternehmen, privat wie öffentlich, RhB, etc.

Dass die Vorab-Kommunikation lokal wie regional besser sein muss, hat diese Party mit 850 Gästen und gegen 600 zusätzlichen Mitarbeitern gezeigt. Sonst aber war der Anlass grossartig und auch für St. Moritzer Verhältnisse eine neue Dimension. Ich habe in meinen 40 Engadiner Jahren viele Outdoor-Attraktionen erlebt. Aber das von den Indern organisierte Feuerwerk auf dem gefrorenen St. Moritzer See war einfach gigantisch – und das fantasievolle, absolut lautlose Drohnenballett am Vorabend ebenfalls.

Dank der weltweiten Kommunikation dieser Party ist St. Moritz für die kommenden Jahre in diesen Kreisen wieder DER «Place to be», und wir tun gut daran, diese Angebots-Nische weiter zu pflegen und auszubauen. Im Gegensatz zum WEF in Davos stehen hier kein Stacheldraht und kein Sicherheits-Regiment mit Polizei und Militär. Die Teilnehmer wälzen hier keine Weltprobleme, sondern feiern, festen, geniessen und pflegen Familie und Freundschaft. Der Kontakt mit der Bevölkerung ist zwar da, aber in distanziertem Rahmen. «Zum Gaffen ist man sich zu fein», schreibt Ruth Spitzenpfeil in der «Südostschweiz» zu Recht (25. Februar). Auch das ist eine Stärke der Engadiner.

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