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Kleines Land, grosse Wirkung

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OLIVIA ITEM
Hans Peter
Danuser

Hans Peter Danuser und Amelie-Claire von Platen sind im Engadin zu Hause und zeigen uns ihren Blickwinkel. Was bewegt Land und Leute? Wo ist das Engadin stark und wo hinkt es einzelnen Mitbewerbern hinterher? Und was geschieht auf politischer Bühne? Der Blog «Engadin direkt» berichtet persönlich und authentisch.

Die Schweiz ist kleiner als Bayern, hat weniger Einwohner als die Lombardei, keinen Anschluss ans Meer, dafür fast 50 Viertausender, die dem Verkehr im Weg stehen und ausser Wasser keine Rohstoffe liefern. So beginnt das Bulletin «Idee Suisse» der Credit Suisse (3/2018), das älteste und eines der besten Bankmagazine der Welt. Es ist in den CS-Niederlassungen gratis erhältlich und einen Umweg wert.

Die Redaktion präsentiert grosse (Rotes Kreuz) und kleinere Ideen aus dem «kleinen Land», die das Leben und die Welt verbessern: keine Malaria mehr, sauberes Wasser, besser hören, Pazifik mit Atlantik verbinden und Brücken schlagen. Wer weiss heute schon, dass acht Brücken, welche Manhattan mit den Nachbarufern verbinden, vom Schaffhauser Othmar A. Ammann stammen und der Bündner «Herr der Brücken» Christian Menn das grossartige Symbol von Boston, die Zakim Bridge gebaut hat (2003).

Köbi Gantenbein nimmt den Faden auf und zeigt, wie und warum Schweizer Architekten für die Welt bauen. Nicht erste heute. «Schweizer Architektur ist seit dem Barock ein Exportschlager», titelt er seinen Beitrag. Mehrere Gründe führt er diesen Erfolg auf: Wir bauen gut und wir sprechen gern darüber – von Francesco Borromini im 17. Jahrhundert über die ETH bis zu Botta, Herzog & de Meuron und Gigon/Guyer von heute.

Schweizer Architekten haben ein Flair für Design und die Fähigkeit, einem Haus Gesicht und Form zu geben. Beispiel Peter Zumthor. Schweizer Architekten liefern im Ausland selten «Gebrauchsarchitektur», wie sie 95 Prozent des Baugeschehens ausmachen, sondern bedeutende Häuser, nahe an Macht und Herrlichkeit, oft in hochkarätig besetzten Architektenwettbewerben gewonnen. Etwa das Olympia-Stadion in Peking, die Elbphilharmonie in Hamburg oder andere Exquisiten für Rathäuser, Universitäten, Kirchen und Fürsten.

Ob Tunnel, Brücken oder Seilbahn, die Schweizer Ingenieure können gut konstruieren. Und hier haut mich Gantenbeins Beispiel aus den Socken, und Freude herrscht: Während Le Corbusier und seine berühmten Schweizer Berufskollegen ihre Projekte meist für wichtige Bauherren in bekannten Städten realisier(t)en, gibt es auch solche, die für arme, vergessene Menschen bauen, meist in völlig unbekannten Regionen. Beispiel Toni «El Suizo». Der Pontresiner baut mit Überschussmaterial Hängebrücken für Fussgänger, Velo- und Töfffahrer, zusammen mit den direkt betroffenen Einheimischen. In 13 Ländern Lateinamerikas und Asiens hat er auf diese Weise bislang 780 Brücken gebaut – für «Menschen, die weit draussen leben». Sie finden so den Weg zu Spitälern, Schulen und Märkten, insgesamt einige Millionen Menschen täglich, für die das Leben dank Tonis Brücken einfacher und ihre Welt etwas besser geworden ist.

Toni Rüttimann 2015.
MARCO HARTMANN

Es ist das erste Mal, dass ich Toni «El Suizo» in so prominenter Gesellschaft der berühmten Schweizer Architekten finde, und er hat es wahrlich verdient! Er hat mit seinen funktionalen Brücken noch keinen Architekturpreis gewonnen, aber mit seinem unentgeltlichen Einsatz und der Qualität seiner Brücken viel zur Verbesserung der Lebensqualität ihrer Benutzer beigetragen. Ein Kompliment an Köbi Gantenbein, den Chefredaktor und Herausgeber von «Hochparterre», der Zeitschrift für Architektur aus Zürich, dass er Toni «El Suizo» auf diese Weise gewürdigt hat!

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