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Wann wart Ihr das letzte Mal auf der Rigi?

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Hans Peter
Danuser

Hans Peter Danuser und Amelie-Claire von Platen sind im Engadin zu Hause und zeigen uns ihren Blickwinkel. Was bewegt Land und Leute? Wo ist das Engadin stark und wo hinkt es einzelnen Mitbewerbern hinterher? Und was geschieht auf politischer Bühne? Der Blog «Engadin direkt» berichtet persönlich und authentisch.

Die Rigi ist der beliebteste Ausflugsberg der Schweiz. 850‘000 Gäste beförderte die Rigi Bahnen AG letztes Jahr, 60 Prozent davon kamen aus der Schweiz. Ich habe die «Königin der Berge» wie viele Landsleute auf einer Schulreise kennengelernt, in den 1960er-Jahren, mit Übernachtung im «Roten Schuh» an der Axenstrassen samt Ausflug mit der ersten Bergbahn der Welt (1871) auf Rigi Kulm hinauf. Unser Lehrer hatte uns literarisch auf das Reiseziel vorbereit mit Marc Twain: «Sonnenaufgang», Johann Wolfgang von Goethe: «Ringsum die Herrlichkeit der Welt!» und Gottfried Keller: «Trinkt, oh Augen, was die Wimper hält, vom goldenen Überfluss der Welt!».

Etwa zehn Jahre später wanderte ich die Rigi in der ganzen Länge von Kulm bis nach Seewen ab, dann wurde ich Kurdirektor in St. Moritz und hatte keine Zeit mehr für «auswärtige Hügel». Der Bernina verdrängte gewissermassen die Rigi aus dem Blickfeld.

Diesen Herbst, gut 40 Jahre später, führte mich ein Jubiläum unseres Berufsverbandes wieder auf die Rigi – und ich fand eine neue Welt vor. Das Berg- und Hügelmassiv erhebt sich zwischen Vierwaldstätter-, Zuger- und Lauerzersee bis knapp über 1800 m ü.M. und ist für die Schweiz das, was Muottas Muragl für das Oberengadin ist: die Aussichtsterrasse. Die 360-Grad-Rundsicht ab Rigi Kulm erfasst 13 Seen und alle Schweizer Kantone ausser Genf und Basel Stadt. Die Rigi Bahnen AG ist rentabel und vermarktet die kompakte Region weltweit mit stetig steigendem Erfolg insbesondere auch in Asien und Amerika.

CEO ist mein ehemaliger Berufskollege von Interlaken, Stefan Otz, der die Zügel der Marke und Region Rigi straff in der Hand hält – trotz heterogenen Stakeholdern wie zwei Kantonen, neun Gemeinden, diversen lokalen Tourismusorganisationen, etc. Die Kasse stimmt und namhafte Investoren haben die Fin-Siècle-Paläste des Booms vor gut 100 Jahren durch moderne Betriebe ersetzt, die sich gut ergänzen vom Spa- bis zum Kräuter-Hotel.

Ich wohnte im Hotel «Rigi Kaltbad» und habe mehrmals richtig gestaunt. 260 Franken für eine Einzelperson im Doppelzimmer mit Frühstück ist ein stolzer Preis für ein ***+Hotel im November. Es war es aber wert: Das Haus ist gut gebaut und geführt. Das Spa (by Mario Botta) ist Spitze. Das Wetter war schön, warm mit grossartiger Rund- und Gipfelsicht samt Sonne über endlosem Nebelmeer – das macht jeden Gast dort oben zum Glückspilz. Statt in den Nebel zu tauchen und in Willisau bei 10 Grad Celsius Trübsal zu blasen, spazierte ich auf den ebenen Kaltbad- und Felsenwegen in der warmen Herbstsonne durch die Farbenpracht der Laubbäume und genoss das phänomenale Panorama von Glarner Alpen bis zu den Berner Viertausendern.

Entsprechend war das Hotel ausgebucht, und alle waren froh, in einem gastlichen Haus ein schönes Zimmer zu haben. «Unten grau, oben blau – von oben ist der Nebel schöner», titelte Oliver Berger jüngst träf in der «Südostschweiz», als er schilderte, wie dicke Nebeldecken Gäste in die Höhe treiben. Genau das ist eine Nische, und Kernkompetenz dieses Hotels und der Rigi-Region, und sie wird gerade im Winter virtuos und kompetent bewirtschaftet. Mit fähigen Chefs, freundlichen Angestellten und Einheimischen, solider Infrastruktur und 365 Tagen Betrieb im Jahr. Fazit: Die Rigi ist gut aufgestellt und wird in den nächstem Jahren noch von sich reden machen.