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Wie wird eine Ehe schön?

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Hans Peter
Danuser

Hans Peter Danuser und Amelie-Claire von Platen sind im Engadin zu Hause und zeigen uns ihren Blickwinkel. Was bewegt Land und Leute? Wo ist das Engadin stark und wo hinkt es einzelnen Mitbewerbern hinterher? Und was geschieht auf politischer Bühne? Der Blog «Engadin direkt» berichtet persönlich und authentisch.

«Peter Schneider, wie wir eine Ehe schön?» fragt die Autorin Barbara Lukesch den bekannten Züricher Psychoanalytiker und Kolumnisten im Titel ihres gemeinsamen Buches. Sie führen zusammen «Gespräche über Partnerschaft und Liebe», die sich keinesfalls auf die klassische Ehe beschränken. Ihr Buch hat es in sich und ist alles andere als ein weiterer Ratgeber zum komplexen Thema.

Barbar Lukesch weiss, dass es eine erlernbare Kunst ist, eine schöne Ehe zu führen. Sie stellt Peter Schneider die träfen Fragen über alles, was für eine gute Partnerschaft wichtig ist: Geld, Haushalt, Sexualität, Streit, Gleichberechtigung, Vertrauen, Kinder, Liebe und Respekt, aber auch Empathie, Grosszügigkeit und Humor. Schneiders Antworten sind kompetent, einleuchtend und oft witzig, stets unkompliziert, cool und ganz ohne Akademiker-Kauderwelsch. Alle paar Seiten kann ich spontan über seine Ein- und Ansichten loslachen, entsprechend locker und zügig lesen sich die 220 Seiten.

Der Pfeffer liegt bei den beiden Autoren, die sich in Werdegang, Wertigkeiten und Persönlichkeit perfekt ergänzen. Beide sind gut sechzig, gegen dreissig Jahre verheiratet, mit jeweils erwachsenem Kind und damit glaubwürdig zum Thema. Und beide können schreiben, bringen die Sache rasch auf den Punkt. Schneiders Antworten sind gelegentlich salopp und würzig, wie wir sie von seinen regelmässigen Titelglossen der Sonntagszeitung her gewöhnt sind. Dank seiner fachlichen Kompetenz und Sprachgewalt kann er sich diesen Slang leisten und punktet damit viel eher als mit langfädigem Expertenbrei.

Faszinierend ist natürlich der permanente Vergleich der Aussagen und Überzeugungen der beiden Autoren mit den eigenen Erfahrungen und Credos. Ich bin zwar einige Jahre älter, aber genauso Babyboomer wie Lukesch und Schneider, mit denen ich entsprechend ähnliche Situationen und Gegebenheiten in der Schweiz der letzten Jahrzehnte erlebt habe: gegen 45 Jahre in schönen Ehejahren, mit drei bitteren «à la Carte» Jahren dazwischen, die mir den Wert einer guten Partnerschaften  gegenüber dem Single-Dasein klar machten, was natürlich bei jedem ganz individuell ausfällt.

Verblüffend ist, wie stark die Ansichten der Autoren mit meinen eigenen übereinstimmen. Die beiden denken über schöne, langfristige Partnerschaften sehr pragmatisch, Vernunft- und Resultat-orientiert. Das lässt die wilde und feurige Startzeit einer Partnerschaft mit all ihren Gefühlswallungen nicht unberücksichtigt, aber letztlich gilt es, sich kompromissbereit und kulant «durchzuwursteln», wenn eine Beziehung Krisen, Routine und Gefahren auf Dauer überstehen und gut bleiben soll.

Dieser Pragmatismus schlägt auch bei der letzten Frage durch, die Barbara Lukesch ganz überraschend noch anfügt: «Was tun, wenn man plötzlich wieder allein im Leben steht und einen neue Partnerschaft sucht? Kann man dem Glück auf die Sprünge helfen?» Sofort merkt der Leser, dass der schlagfertige Tausendsassa Schneider diese Situation persönlich nicht (mehr) kennt und entsprechend zögernd analysiert. Schlussendlich empfiehlt er das, was ich kürzlich einem guten Freund in solcher Situation nahegelegt habe: aktiv werden, unter die Leute gehen und einige Prioritäten beachten:

Bei wem fühle ich mich rundum wohl? Gefällt sie mir, stimmt die Chemie? Hat sie Hirn, Herz und Humor? Das sind im positiven Fall gute Gründe, sich für einander Zeit zu nehmen, zusammen zu leben, sich zu mögen – und gern zu haben.

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