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Blog: Danuser von Platen - Zeitzeichen

Der Napoleonturm

Ottenberg
E. KELLER, ERMATINGEN
Hans Peter
Danuser

Hans Peter Danuser und Amelie-Claire von Platen sind ein ungewöhnliches Paar. Und doch so ähnlich, wenn es darum geht, Sachen anzupacken. Ihr Blog-Motto ist den auch: «Der eine wartet, bis die Zeit sich wandelt, der andere packt sie an und handelt.»

Napoleon III.  war vor 150 Jahren Kaiser der Franzosen und zuvor im Exil im Kanton Thurgau ansässig. Das war eine bewegte und für «Mostindien» auch wirtschaftlich interessante Zeit, zog der prominente und spendable Exilant doch viele weitere Adlige an den Bodensee, die dort Villen und Schlösser bauten.

Letztes Jahr eröffneten die Thurgauer auf der Anhöhe südlich des Untersees bei Wäldi unweit der Landesgrenze bei Kreuzlingen/Konstanz einen Napoleonturm, dessen Besuch sich in jeder Hinsicht lohnt. Clarissa von Platen stellt ihn im aktuellen Bodensee-Magazin 2/2018 vor:

«Ab der 30. Stufe beginnt man zu zählen, ab der 100. hört man damit wieder auf, zu sehr nimmt der Aufstieg in diesem lichten Holzturm gefangen, zu stark sind die Sinneseindrücke durch Architektur und Material, durch die Wahrnehmung veränderter Blickwinkel, während sich die breite Wendeltreppe im Napoleonturm unaufhörlich höher hinaufschraubt, genau 208 Stufen bis über die Baumwipfel in eine Höhe von 36,40 Metern. Wer es gemächlich angehen will, verschnauft in den Rundgängen der zahlreichen Zwischenpodeste, liest die illustrierten Tafeln zur Geschichte des Turms und der umliegenden Landschaft und erreicht die Aussichtsplattform entspannt, um dann einen Rundblick zu geniessen, der den Atem raubt.

Zu Füßen liegt der Bodensee mit seinen drei Inseln und seinen sonnigen Ufern, die in sanften Wellen nach Norden und Osten auslaufen und den Kontrast bilden zu dem imposanten Bergpanorama, das sich scherenschnittgleich von den Allgäuer bis zu den Berner Alpen präsentiert. Dieser Standort ist einzigartig. Schon der junge Prinz Louis Napoleon, der zu jener Zeit im nahe gelegenen Schloss Arenenberg lebte, hatte sich in ihn verliebt und ließ 1829 einen 21 m hohen Turm auf dieser Anhöhe des Schweizer Seerückens bei Wäldi nahe Ermatingen errichten, um dort illustre Sommerfeste zu feiern. Der 360-Grad Rundumblick vom damaligen Holzturm „Belvedere“ entzückte die Partygäste des späteren Kaisers Napoleon III. seinerzeit ebenso wie die Besucher des neuen 'Napoleonturms', der im Sommer 2017 fertiggestellt und eingeweiht wurde. Er ist das […] Resultat einer privaten Initiative, das sich vollständig ohne kommunale Mittel, sondern ganz aus privatem Knowhow und Einzelspenden wie auch Sponsorengeldern finanziert hat und dem Nutzen der Allgemeinheit dient, der Zutritt ist kostenlos. 45 Minuten beträgt die durchschnittliche Verweilzeit auf dem Turm. […]»

Der Blick reicht weit über die Schweizer Grenzen und das «schwäbische Meer» hinaus. Der Napoleonturm ist in jedem Fall einen Umweg wert!