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Manifest

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Vincenzo
Todisco

Das Zusammenleben der Sprachen und Kulturen in Graubünden: Das ist das Thema der Kolumne «Convivenza», die wöchentlich in der «Südostschweiz» und der romanischen Tageszeitung «La Quotidiana» publiziert wird.

Kürzlich wurde eine vom Bundesamt für Kultur in Auftrag gegebene Studie veröffentlicht, in der die vom Kanton und den Sprachvereinigungen getroffenen Massnahmen zur Förderung der Minderheitensprachen in Graubünden bewertet werden. Die Institutionen kommen dabei nicht gut weg: Im Evaluationsbericht ist zu lesen, dass sie mehr tun müssten. Das Romanische läuft Gefahr, innerhalb der nächsten 50 Jahre zu verschwinden, das Italienische ist dem wachsenden Druck ausgesetzt, vom Deutschen marginalisiert zu werden. Ganz zu Recht wird also ein stärkeres Engagement der Institutionen gefordert.

Dies ist jedoch nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite steht die Frage, wie die Minderheiten ihre Sprache verwenden. Und hier reichen Unterstützung, Förderung und Subventionen nicht aus. Wenn dem so wäre, gehörte das Romanische zwar bald zu den meistgeförderten Sprachen, würde aber von niemandem mehr gesprochen.

Es hilft alles nichts: Sprache muss von unten gepflegt werden. Wir müssen sie sprechen und den kommenden Generationen vermitteln, wir müssen sie bewusst benutzen, sie lesen und schreiben, in ihr denken und träumen. Wir müssen dafür sorgen, dass die Verwendung dieser Sprachen eine dringende Notwendigkeit ist und nicht nur ein Alibi, wie wir es häufig bei öffentlichen Reden erleben, wo sie gerade einmal für das Grusswort gut genug zu sein scheinen. Wir müssen beharrlich sein und auch mal anecken, wir müssen einfordern, was uns zusteht. Wir dürfen nie aufgeben, sondern müssen die Sprache von innen heraus leben und Teil von ihr sein. Wir dürfen uns nicht dafür schämen, anders zu sein, sondern dieses Anderssein als Stärke sehen, wir müssen höflich, aber bestimmt anklagen und vornehm protestieren. Wir müssen die Sprache pflegen wie eine zarte Pflanze, sie hegen wie einen Garten, ganz so wie man eine Beziehung zu einem geliebten Menschen pflegt. Wir müssen unserer Sprache helfen zu wachsen, ihr gute Gründe zum Wachsen liefern, damit auch die Mehrheit ihre Bedeutung erkennt.

Und die Mehrheit ihrerseits muss damit aufhören, uns als störend zu betrachten, selbst dann, wenn wir stören. Sie darf nicht glauben, dass wir uns mit Almosen begnügen, sondern muss wissen, dass eine Gesellschaft daran gemessen wird, wie sie mit ihren Minderheiten umgeht. Am besten wäre es, wenn wir selbst aufhörten, uns als Minderheit zu betrachten, umso mehr im Fall des Italienischen, einer Sprache mit einer reichen Kultur, die zu den meiststudierten Sprachen der Welt gehört ‒ und ausgerechnet bei uns wollte man den Italienischunterricht verbieten!

Es sind unsere Sprachen, sie prägen unsere Identität, der Antrieb muss von unten ausgehen: die Stimme von Frauen, Männern und Kindern, die das Recht haben, sich in ihrer Sprache auszudrücken, sie zu lesen und zu schreiben, ohne als «cinkali» bezeichnet zu werden (was noch heute vorkommt, wobei man kein Ausländer sein muss, es genügt schon, aus Italienischbünden zu kommen). Um eine sprachliche Gleichbehandlung zu erreichen, die ihren Namen wert ist, müssen die Institutionen das Ihre tun. Die Sprachen leben und pflegen ‒ das liegt allein in unserer Hand.

Vincenzo Todisco ist Dozent an der Pädagogischen Hochschule Graubünden.

 

Manifesto

Recentemente è uscito uno studio commissionato dall’Ufficio federale della cultura in cui si valutano le misure adottate dal Cantone e dalle associazioni linguistiche per la promozione delle lingue minoritarie nei Grigioni. Le istituzioni non ne escono molto bene: nel rapporto si legge che dovrebbero fare di più. Il romancio infatti rischia di scomparire nel giro dei prossimi cinquant’anni, mentre l’italiano deve fare i conti con la pressione del tedesco che lo relega sempre più ai margini. Giusto quindi che si chieda un maggiore impegno da parte delle istituzioni.

Questo però è solo un lato della medaglia. Dall’altra parte c’è l’uso che le persone fanno della loro lingua. E lì non bastano il sostegno, la promozione, i sussidi. Altrimenti si rischia che il romancio sarà una tra le lingue più promosse, ma senza più nessuno che la parla.

È inutile, la lingua deve essere coltivata dal basso. Dobbiamo parlarla, trasmetterla alle nuove generazioni, dobbiamo usarla con consapevolezza, dobbiamo leggerla e scriverla, pensarla, sognarla, dobbiamo fare in modo che ci sia un’urgenza, che l’uso di queste lingue non si riduca a un alibi, come invece spesso succede nei discorsi pubblici, dove vengono pronunciate solo per dare i saluti. Dobbiamo insistere, spesso anche dare fastidio, dobbiamo pretendere quello che ci spetta, non dobbiamo rassegnarci, ma vivere la lingua dal di dentro, essere parte di essa, non dobbiamo vergognarci di essere diversi, anzi dobbiamo fare della diversità il nostro punto di forza, dobbiamo denunciare con garbo, protestare con stile, coltivare la lingua come si coltiva una pianta, un orto, come si cura una relazione affettiva, dobbiamo fare in modo che la nostra lingua possa crescere, che trovi delle ragioni per crescere, e che diventi un’urgenza per la stessa maggioranza.

E la maggioranza dal canto suo deve smetterla di considerarci un fastidio, anche quando diamo fastidio, non può pensare che ci accontenteremo delle elemosine, dovrà capire che il grado di una società si misura anche dal modo in cui la maggioranza tratta le minoranze. Ancora meglio quindi se noi stessi smetteremo di considerarci delle minoranze, a maggior ragione nel caso dell’italiano che è una lingua di vasta cultura, una delle più studiate al mondo (e proprio da noi se ne voleva vietare l’insegnamento!).

Queste sono le nostre lingue, forgiano la nostra identità, questa è la spinta che deve venire dal basso, la voce di donne, uomini e bambini che hanno il diritto di esprimersi nella loro lingua, di leggerla e scriverla, senza che debba capitare di sentirsi chiamare cinkali (succede ancora, e non bisogna essere stranieri, basta provenire dal Grigioni italiano). Per realizzare tutto questo e giungere ad un trattamento veramente paritario delle lingue, le istituzioni devono fare il loro dovere, ma viverle e coltivarle, le nostre lingue, questo è compito nostro.

Vincenzo Todisco è docente presso l’Alta scuola pedagogica dei Grigioni.

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