Scheitert die Offensive, kommt es eher zu Gesprächen
Russlands Sommeroffensive bringt minimale Erfolge bei Verlusten, die höher sind als je in diesem Krieg. Das erhöht die Chance, dass Moskau irgendwann zu ernsthaften Gesprächen bereit sein wird.
Russlands Sommeroffensive bringt minimale Erfolge bei Verlusten, die höher sind als je in diesem Krieg. Das erhöht die Chance, dass Moskau irgendwann zu ernsthaften Gesprächen bereit sein wird.
Unter dem Namen Viktor Schewtschuk schreibt an dieser Stelle ein ukrainischer Offizier, Militärexperte und Politikwissenschaftler über den Verteidigungskrieg gegen Russland. Er drückt dabei seine persönliche Meinung aus, basierend auf allgemein zugänglichen Informationen.
Nach der Einnahme von Awdijiwka im Februar 2024 hofften die russischen Militärs auf ein schnelles Vorrücken. Sie glaubten, dass ihnen der Durchbruch in den offenen Raum ein schnelles Vorankommen ermöglichen würde.
Wegen der Unterbrechung der US-Militärlieferungen im selben Monat war das für die ukrainischen Verteidigungskräfte die beunruhigendste Zeit seit Beginn des grossen Krieges. Die ukrainische Drohnenindustrie und die mit Drohnen arbeitenden Militäreinheiten waren noch in der Anfangsphase ihrer Entwicklung.
Russische Generäle glaubten damals, dass Russland bei dem Tempo des Angriffs bis zum Frühjahr 2025, spätestens aber bis zum Sommer 2025, einen wichtigen operativen oder sogar strategischen Sieg erringen würde. Der Plan sah vor, vom Süden der Region Donezk aus nach Westen vorzustossen, die ukrainischen Kräfte abzuschneiden und den Fluss Dnipro zu erreichen.
Doch wie schon so oft unterschätzten die Russen die Stärke der Ukraine und scheiterten.
Der Höhepunkt des russischen Angriffs wurde im November 2024 erreicht. Im März und April des laufenden Jahres nahm das russische Militär seine Angriffe nach einem gewissen Rückgang wieder auf. Die Feuerkraft und die Zahl der täglichen Angriffe wurden erhöht. Vor allem die Luftangriffe auf die Zivilbevölkerung werden verstärkt. Auch heute nehmen die russischen Angriffe noch langsam zu.
Die aktuelle Lage sieht wie folgt aus.
- Den Russen ist es gelungen, die Ukrainer fast komplett aus den russischen Regionen Kursk und Belgorod zu vertreiben. Sie rücken langsam in die Nähe der logistisch wichtigen Stadt Kupiansk in der Region Charkiw vor.
- Der Angriff auf Pokrowsk ist ins Stocken geraten, aber die Russen haben südlich von Pokrowsk nahe der Grenze zur Region Dnipropetrowsk einige Gewinne erzielt. Die Russen können zudem Kräfte in den Wäldern der nördlichen Region Sumy sammeln.
- Nach zahlreichen Angriffen macht das russische Militär auch Fortschritte östlich von Pokrowsk. Es bewegt sich nach Norden in Richtung der Stadt Kostiantynivka. Um Kostiantynivka zu erreichen, müssten jedoch die Anhöhen überwunden werden.
- Die russischen Streitkräfte haben in der Region Saporischschja etwas Boden zurückgewonnen, den sie im Sommer 2023 verloren hatten. Sie bemühen sich, die Logistik für die etwa 60 km von Saporischschja entfernt liegende Stadt Orichiw abzuschneiden. Ihr Vorankommen in der Region Saporischschja bleibt aber langsam und aufgrund der Landschaft schwierig.
- Die ukrainischen Streitkräfte haben im Norden der Region Charkiw etwas Boden zurückgewonnen, und sie führen regelmässig taktische Gegenoffensiven nahe Pokrowsk durch.
Das langsame russische Vorrücken hat einen enormen Preis. Laut dem britischen Verteidigungsministerium haben die Russen in den ersten vier Monaten dieses Jahres 160 000 Verluste (Tote und schwer Verwundete) erlitten. Dies ist die höchste Verlustrate seit Beginn des grossen Krieges. Im Frühjahrsfeldzug 2023 gewannen sie Bachmut, 2024 Avdiyivka und einige grössere Siedlungen. Derzeit erleiden sie hohe Verluste bei ihrem eigenen Sudscha, bei einigen Baumreihen auf den Feldern und kleineren Siedlungen. Sie rücken pro Tag sechs bis acht Quadratkilometer vor – erobern einen Fleck von zwei mal vier Kilometern auf einer mehr als tausend Kilometer langen Frontlinie. Während ihre relativen Gewinne abnehmen, nehmen ihre Verluste zu.
Die russische Angriffskampagne im Mai verläuft also schleppend. Diese Jahreszeit bietet trockenen, festen Boden, Deckung durch die Bäume und langes Tageslicht für Aktionen. Wenn nichts Aussergewöhnliches passiert, werden die ukrainischen Verteidigungskräfte in der Lage sein, Moskaus Sommeroffensive zu überstehen.
Sobald Russland die strategische Initiative verliert und seine Verluste nicht mehr ausgleichen kann, wird
es auch möglich sein, Moskaus Einschätzung der Kriegsaussichten zu ändern. Daher werden Gespräche über einen Waffenstillstand wahrscheinlicher.
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Hier wird von einem notabene…
Hier wird von einem notabene anonymen Schreiber (wo gibts denn sowas) Dickes behauptet.
Liebes Publikum, erinnern Sie sich noch, als in den letzten Jahren von Qualitätsmedien das "baldige Ableben" bzw. die "schwere Erkrankung" des Staatspräsidenten des grössten Landes der Erde uns "offenbart" wurde?
Bereits 2009 titelte der Tagi: «27’000 PR-Berater polieren Image der USA / Ein Chefredaktor beklagt den immensen Einfluss des amerikanischen Verteidigungsministeriums auf seine Journalisten. Jetzt ist ihm der Kragen geplatzt: Er enthüllt schier unglaubliche Fakten über die PR-Arbeit des Pentagons.»
Ich empfehle umsichtige, umfassende Information, das heisst "Alternative Medien", die heutzutage teils aus heutigen Journalisten, teils aus Profi-Journalisten damaliger Alter Schule bestehen, denen in "den Medien" die Arbeitsstelle gekündigt wurde, weil sie den Befehlsgehorsam nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren konnten. Ich würde sagen, dass sich das im Prinzip auch bei nicht wenigen Lesern äussert. Denn dass die "grossen Medien" Leserschaft verlieren, schreiben diese ja auch selbst.
Mein Brief aus dem Krieg:…
Mein Brief aus dem Krieg:
https://www.msn.com/de-ch/politik/regierung/un-hilfslieferungen-trotz-i…