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Frauen sind kein Mädchen für alles

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DENISE HUSTED / PIXABAY
Kristina
Schmid

Beginnt das Chaos jeden Tag von vorn, sagen wir: Herzlich Willkommen im Familienleben. Unser Alltag reiht verrückte, bunte, profane und ab und zu unfassbar perfekte Momente aneinander. Das Leben als Mama oder Papa ist eine aufregende Reise, auf die wir Euch nun mitnehmen. Ganz nach dem Motto: Unser Alltag ist ihre Kindheit.

Homeschooling, Kinderbetreuung und Job unter einen Hut kriegen – das ist nicht einfach. Gerade die Coronakrise hat viele Familien diesbezüglich an ihre Grenzen gebracht, gezeigt, wo denn überhaupt die Schwierigkeiten liegen. Und einmal mehr wurde in den meisten Familien deutlich, dass es eben immer noch die Frau ist, die in die Bresche springt, wenn es um Kind und Heim geht. Denn Frau ist es halt immer noch, die mehr Zeit Zuhause verbringt, als dass sie arbeitet. Kein Wunder, könnte man also sagen, dass es auch die Frauen und Mütter sind, die jeden Tag die sichtbare, aber unbezahlte Care-Arbeit verrichten ­– wie das Mittagessen oder das Zu-Bett-Bringen der Kinder. Doch auch die unsichtbare Arbeit Zuhause verrichten mehrheitlich die Frauen. Namentlich in ihrem Kopf.

In welcher Kiste sind die Badehosen verstaut? Wo liegt der Autoschlüssel? Wann muss das Kind zum Kinderarzt? Was wünscht sich die Schwägerin zum Geburtstag? Haben wir noch genug Shampoo?

Wer denkt an all diese Sachen? An die vielen Kleinigkeiten im Alltag, an die es eben auch zu denken gilt. «Wenn ich nicht daran denke, tut es keiner.» Dieser Satz fast das Dilemma vieler Mütter ganz gut zusammen. Was am Anfang als eine To-do-Liste im Kopf anfängt, kann schnell zur mentalen Belastung werden. Mental Load. Ein Thema, das mein Breistift-Kollege Oliver Fischer bereits in seinem Blog-Post zum Thema gemacht hat. Viele Frauen fühlen sich von ihren Männern zu wenig unterstützt, wohingegen Männer oft das Gefühl haben, es ihren Frauen sowieso nicht Recht machen zu können.

Tatsache ist, dass die meisten Frauen im Kopf haben, wann der nächste Termin beim Kinderarzt ansteht, in welcher Kiste die Weihnachtsdekoration liegt, und wann es Zeit wird, sie hervorzuholen. Tatsache ist, dass es meistens Frauen sind, die eine Notiz-App mit möglichen Ausflugszielen fürs Wochenende führen und die Ferien organisieren. Tatsache ist, dass es meistens Frauen sind, die für eine gemütliche Atmosphäre in der Wohnung sorgen, einen Strauss auf den Tisch stellen, im Herbst mit den Kindern Kastanien sammeln und in der Adventszeit einen Kranz basteln. Es sind oftmals die Frauen, die die sozialen Kontakte pflegen, Kuchen backen und Kindergeburtstage planen. Und irgendwo dazwischen ist es nun mal auch oft die Frau, die den Babysitter oder die Grosseltern organisiert, um Kinder zu hüten, damit Mann und Frau mal wieder auswärts essen oder ins Kino können. Und wer hat in Eurer Partnerschaft das letzte Familienalbum zusammengestellt?

Weil Frau keine Lust auf leere Shampooflaschen und auch nicht auf irgendwelche Diskussionen hat, übernimmt sie Hunderte von Mikroaufgaben. Doch genau das ist der grosse Fehler. Es ist vielleicht kein Problem, sich um das Shampoo zu kümmern. Aber es ist ein Problem, sich um alles kümmern zu müssen, was den Tagesablauf aufrecht, die Kinder gesund und zufrieden und die Vorratskammer gefüllt hält.

Nur: Die Frau fürs Leben ist kein Mädchen für alles, fasst etwa Laura Fröhlich das Problem in ihrem neusten Buch zum Thema zusammen. Warum also gelingt es den meisten Paaren so selten, die Last gleichmässig zu verteilen?

Es dürfte wohl eine Mischrechnung sein. Frauen haben einerseits oft hohe Ansprüche an sich selbst. Sie wollen liebevolle Mama, gute Hausfrau und erfolgreiche sowie moderne Geschäftsfrau sein. Gleichzeitig. Andererseits haben sich gewiss die wenigsten Männer bewusst dazu entschieden, die Familienorganisation ganz auf die Partnerin abzuwälzen. Vielmehr hat sie jede weitere Aufgabe, welche die Frau einfach übernommen hat, in die Ecke gedrängt. Will heissen: Frauen müssen nicht lernen, sich von Männern helfen zu lassen. Frauen müssen Männer einfach in die Pflicht nehmen. Nicht damit die Männer ein Familienalbum erstellen, um so etwa ihre Frauen zu entlasten. Sondern deshalb, weil sie das auch können. Wieso sollte das die Aufgabe einer Frau sein?

Von einer Aufteilung profitieren beide Partner. Männer wissen so besser, was sie zu tun haben, hören kein Genörgel mehr und sehen eine entspannte(re) Partnerin. Frauen lernen, sich um sich zu kümmern und Forderungen stellen zu dürfen. Win-Win, oder etwa nicht?

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Sie reihen sich 1:1 in die Schlange der Mamablog Kolumnistinnen bei Tagesanzeiger ein. Ehrlich gesagt immer die gleiche einseitig betrachtete Leier. Der Grossteil der Frauen arbeitet KEIN 100% Penusm. Dies meist schon VOR der Geburt des ersten Kindes. Freiwillig wohlgemerkt, weil die "Worklife-Balance" ach so wichtig ist. Gspürschmi... Nach der Geburt des ersten Kindes ist es nicht anders - ebenfalls Freiwillig. Ich jedenfalls kenne keinen bösen Mann, welcher der Frau das Arbeiten verbietet hat.
Ergo hat Frau mehr Freizeit! Aber halt, wir reden hier ja von unbezahlter Care arbeit - das feministische Keulenargument schlechthin! Nur: die Miete ist genaugleich hoch ob Frau nun 0% oder 100% arbeitet, die KK ebenfalls. Folgedessen wird dies von jemandem bezahlt. Da nicht viele Personen im Haushalt übrigbleiben fällt dies zu lasten des Mannes (welcher übrigens auch zum Militärdienst und länger arbeiten gesetzlich gezwungen wird!). Ich persönlich Betrachte die Famillie als Einheit, gegenüber dem Steueramt ist es ebenfalls so. Also: all die Rechnugen die der Mann bezahlt, bezahlt er mit dem Einkommen welches er erzielt - nennen wir es Famillieneinkommen.
Lange rede kurzer Sinn: es herrscht eine gerechte Aufteilung, Sie wollen es einfach nicht so sehen! Es ist eben nicht unbezahlte Care Arbeit, sondern eine Aufteilung der anfallenden Arbeit!

Ich drehe den Spiess sehr gerne um - was Sie hier betreiben ist eine diskriminierung der Männer!

Meine Güte. Was ist denn das für eine frustrierte, rückständige, patriarchale Sülze, die Sie da absondern Herr Zamboni. Ihre Frau möchte man nach diesen Zeilen nicht sein - und sie tut einem ehrlich leid.
Der einzige, der offensichtlich keine Ahnung von einem anderen Leben, als der eigenen winzigen Komfortzone hat, in der er es sich schön gemütlich und bequem eingerichtet hat, sind Sie. Was Sie nicht alles über den Grossteil der Frauen zu wissen glauben - man glaubt es kaum. Allein die Tatsache, dass sie alles, was nicht per Arbeitsvertrag geregelte Lohnarbeit ist, als Freizeit bezeichnen, zeigt, dass Sie, Herr Zamboni, leider komplett ahnungslos durchs Leben stolpern. Der Mann, der Arme, muss 100 Prozent Schwerstarbeit leisten, um Miete, KK und Essen zu bezahlen, während seine faule Frau ihre Freizeit daheim geniessen darf. Da ist es natürlich das gefälligst mindeste, dass sie ihm (oder Ihnen) das Essen warm auf den Tisch stellt, seine Kinder erzieht, sein versiffte Unterwäsche wäscht - und das alles gefällst auch in grösster Dankbarkeit darüber, dass er ihr ihr Leben so grosszügig finanziert. Sie behaupten vollmundig, sie würden die Familie als Einheit betrachten. Sorry, Sie sind blind. Das was sie da sehen ist keine Familie, das sind mehrere Menschen, die so etwas wie eine Zweckgemeinschaft bilden und ihre Leben zwar nebeneinander aber ganz sicher nicht miteinander verbringen.
Ehrlich: Sie tun mir leid. Mit allerfreundlichsten Grüssen von einem Mann, Ehemann, Vater, Partner, Wäschewascher, Koch, Windelwechsler, Ferienplaner, Einkäufer - kurz von einem Mann, der sein Leben mit seiner Familie teilt und es nicht an den Menschen im gleichen Haushalt vorbei lebt.