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Eisbrecher vor dem Interview

Eisbrecher vor dem Interview

Véronique
Ruppenthal
vor 6 Tagen in
PIXABAY

Im Blog «Anpfiff» berichten Journalistinnen und Journalisten jede zweite Woche aus der Südostschweiz-Sportredaktion.

«Was händ Sie hüt zum Zmorga gha?» Eine beliebte Frage von TV-Journalisten. Nicht etwa, um den kulinarischen Vorlieben der Interviewpartner medial auf den Grund zu gehen, sondern in erster Linie aus rein technischem Anlass: nämlich für den Tontest. Bevor ein Fernsehinterview aufgenommen wird, sollte nämlich das Mikrofon geprüft und der Ton richtig gepegelt werden. Und um den Protagonisten dafür testmässig zum Reden zu bringen, fragt so manche Journalistin eben gerne nach dem Inhalt dessen morgendlicher Mahlzeit. Oftmals wird durch diesen lockeren Frühstücks-Small-Talk auch gleich das noch vorhandene Eis gebrochen, damit die optimale Vertrauensbasis fürs anschliessende Interview vorhanden ist.

Die Frage nach dem Zmorge bringt aber für uns Sportjournalistinnen und Sportjournalisten auch immer wieder spannende Erkenntnisse «off the record». Die Bandbreite, wie sich Athletinnen und Athleten aus der Südostschweiz morgens verpflegen, scheint so vielfältig zu sein, wie die verschiedenen Sportarten, in denen sie sich bewegen. Da gibts zum Beispiel den grossen, kräftigen Mannschaftssportler, der neben dem obligaten Kaffee nach dem Aufstehen gar nichts runterbringt, und auf der anderen Seite die 20-jährige, schmächtige Athletin, die stolz von ihren drei Spiegeleiern berichtet. (Danke übrigens, dass du mir mit dieser Information das schlechte Gewissen genommen hast, wenn ich morgens auch mal Eier aufschlage.)

Klarer Renner ist aber das altbewährte Müesli. Ob mit Milch oder Joghurt, mit Früchten und Nüssen garniert oder nur die klassischen Flocken, steht es beim Grossteil der hiesigen Sporttreibenden morgens auf dem Frühstückstisch. Danach kommt erwartungsgemäss Brot mit Konfi oder Honig. Auch weit vorne im Ranking dieser weder quantitativen noch repräsentativen Erhebung liegt das Porridge. Aus eigener Erfahrung (auch ich habe mich nach einigen Interviews von diesem neumodischen Sportlerzmorge schlechthin inspirieren lassen) weiss ich, dass man mit über Nacht eingelegtem Haferbrei am Morgen enorm viel Zeit sparen kann. Zeit, die bestimmt auch ein Spitzensportler gerne für mehr Schlaf oder Training nutzt.

«Wie ein Kaiser» sollte man morgens bekanntlich essen. Kohlenhydrate, Proteine, Vitamine und Flüssigkeit enthält ein ausgewogenes Frühstück optimalerweise – nicht nur von Athleten übrigens. Es liefert wichtige Nährstoffe für den ganzen Tag und sorgt für mehr Leistungsfähigkeit. Bei der Wahl der optimalen Nahrungszufuhr am Morgen kommts bei Sportlerinnen und Sportlern aber natürlich auch auf Zeitpunkt und Art des Trainings an. Steht die erste moderate Einheit gleich am Morgen früh auf dem Programm, so habe ich erfahren, verzichtet so manch einer davor aufs grosse Essen (Nüchterntrainings trainieren den Fettstoffwechsel) und gönnt sich dafür im Anschluss dann ein reichhaltiges Zmorge, um die leeren Speicher wieder aufzufüllen.

Über richtig oder falsch respektive gute oder schlechte Frühstücksgewohnheiten wage ich nicht zu urteilen, dafür sind die individuellen Bedürfnisse und Vorlieben wohl zu unterschiedlich. Dennoch erörtere ich vor TV-Interviews mit meinen Gesprächspartnern nach wie vor gerne die Frühstücksfrage. Es nimmt mich eben halt doch Wunder, was bei den Sportstars aufgetischt wird. Auch wenn ich dabei vorgebe, dass ich nur den Ton testen will.

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