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Weil es schampar gut zusammenpasst!

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Jan
Zürcher

Im Blog «Anpfiff» berichten Journalistinnen und Journalisten jede zweite Woche aus der Südostschweiz-Sportredaktion.

Jan Zürcher* über Sport, Musik und  Sport mit Musik

Sport ist für mich eine grosse Leidenschaft, Musik eine andere. Umso besser, dass ich beide Faszinationen miteinander vereinen kann. Es ist wie Plus- und Minuspol, wie Bonnie und Clyde, wie Pommes und Ketchup. Es erstaunt deshalb nicht, dass sich mein privater Musikkonsum über die Jahre immer mehr an meine sportlichen Routinen angepasst hat. Oder, anders gesagt, meine Lieblingsrock- und Bluessongs ertönen in erster Linie dann, wenn ich mich draussen bewege. Sei es beim Joggen durch den Wald, beim Langlaufen in verschneiten Landschaften oder beim Biken hoch oben in den Bergen: Ich trage die Kopfhörer beim (Ausdauer-)Sport fast immer im Ohr. 

Im Internet kursieren die haarsträubendsten Theorien, wie Musik die Leistungsfähigkeit steigern könne, sogar von «legalem Doping» ist zu lesen. Da kommt mir unweigerlich der «Mozartboom» in den 90er-Jahren in den Sinn, als in vielen Teilen der USA (teilweise sogar gesetzlich angeordnet) schwangeren Frauen gratis eine Klassik-CD abgegeben wurden, da man der klassischen Musik intelligenzfördernde Effekte zuschrieb. Heute sind diese Erkenntnisse jedoch umstritten und da ich auf dem Gebiet der Sport- und Bewegungswissenschaften nicht bewandert bin, muss ich meine «Sport-Musik-Symbiose» wohl mit einem scheinbar bedeutungslosen Erlebnis belegen. 

Da joggte ich entlang des Rheinufers Richtung Bündner Herrschaft, die Beine waren auch schon frischer, meine heutige Verfassung weit weg vom Bestmöglichen und meine Motivation für die noch bevorstehenden Kilometer gering. Zum Glück spuckte meine «Running-Playlist» in diesem Moment den nächsten Track aus, einen Lieblingssong aus meiner Jugend – und plötzlich war ich gedanklich weg, irgendwo zwischen Fussball mit Kollegen am freien Mittwochnachmittag und einem Mädchenkuss an der Schule. Eine gedankliche Renaissance meiner Teenagerzeit, währendem mich Flipsydes Hit «Angel» für die nächsten 4:27 Minuten begleitete. Und anschliessend «Kids» der US-Band MGMT. Der Fall war klar, ich war in den 2000er meiner Musikliste gelandet. Der psychosomatische Effekt der Musik trug sofort dazu bei, dass ich (fast) keinen Gedanken mehr an meine müden Beine verschwenden würde. 

Ich jogge äusserst selten ohne Musik, es sei denn, wir joggen in Gruppen. Das wäre asozial. Im Umkehrschluss höre ich aber durchaus Musik, ohne zu joggen. Logisch, ich schnüre nicht gleich meine Laufschuhe und stürze mich in Sportklamotten, wenn ich im Radio Greendays «21 Guns» durch die Boxen dröhnen höre. Oder vielleicht doch noch eine kleine Runde im Quartier? Tja, einzelne Songs scheinen in mir eine Art klassische Konditionierung auszulösen, eine Reaktion, die der russische Physiologe Iwan P. Pawlow einst in Testversuchen an Hunden beobachten konnte. Dem Hund wurde Futter gereicht und gleichzeitig ein Glockenton ausgelöst. Nach einigen Wiederholungen reichte alleine schon der Glockenton, den Speichelfluss des Hundes zu fördern, was als konditionierte Reaktion bezeichnet wird. Ähnlich verhält es sich bei mir mit Sport und Musik. Europes grösster Hit «The Final Countdown» verbinde ich jedenfalls sofort mit dem SC Bern. Chelsea Dagger, die Torsirene der Chicago Blackhawks in der NHL, mit meinem Aufenthalt in der Millionenstadt. Und die 2000er-Hits neu mit Joggen.

*Jan Zürcher ist Sportredaktor bei TV Südostschweiz

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