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So angenehm unkompliziert

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Die Tampa Bay Lightning und die Buffalo Sabres geben sich während der Global Series auf dem Eis Saures.
KEYSTONE / KEYSTONE
Bernhard
Camenisch

Im Blog «Anpfiff» berichten Journalistinnen und Journalisten jede zweite Woche aus der Südostschweiz-Sportredaktion.

Bernhard Camenisch* über die Bodenständigkeit von Eishockeyspielern

Man stelle sich vor, es ist ein internationales Fussballspiel und die beiden Mannschaften, die sich auf dem Rasen bekämpfen, teilen sich davor und danach dasselbe Hotel. Man muss es sich tatsächlich vorstellen, denn so etwas gibt es nicht oder zumindest schon lange nicht mehr.

Dass genau dies im Eishockey vorkommt – und dies erst noch in der besten Liga der Welt – habe ich in der vergangenen Woche mit eigenen Augen gesehen. Anlässlich der NHL Global Series, bei der jedes Jahr Teams nach Europa entsendet werden, um dort Ligaspiele gegeneinander auszutragen, waren die Tampa Bay Lightning und die Buffalo Sabres in Stockholm. Die schwedische Metropole bietet auch an bester Lage diverse Unterkunftsmöglichkeiten, der dem Standard der Profis aus der National Hockey League gerecht wird.

Doch was passierte? Die Lightning und Sabres waren von Montag bis Sonntag im «Central Hotel» einquartiert. Ich weiss nicht, was sich dort drinnen abspielte. Ich kann mir vorstellen, dass das in den ersten Tagen noch ganz harmonisch war. Aber am Wochenende? In den Spielen am Freitag und Samstag ging es jedenfalls ordentlich zur Sache, Keilereien auf dem Eis und zwei verletzte Buffalo-Spieler inklusive. Was sich die Kontrahenten danach wohl in der Hotellobby oder im Lift zu sagen hatten?

Ungewöhnlich ist eine solche Hotel-Konstellation aber nicht. Es geht sogar noch extremer: An einer Weltmeisterschaft bringt der internationale Verband (IIHF) die acht Teams eines Spielorts häufig im gleichen Hotel unter. Zwischen den «Kleinen» und den mit NHL-Superstars gespickten Truppen wird dabei nicht unterschieden. Während mindestens zehn Tagen gehen dann gut 200 Profis, die sich auf dem Eis Saures geben, durch denselben Hoteleingang ein und aus. Das nenne ich mal unkompliziert!

Gleiches gilt für das Verhalten der Eishockeyspieler. Weil den allermeisten Starallüren fremd sind, ist es keine Seltenheit, dass man die Dollarmillionäre während einer WM durch die Strassen flanieren oder in öffentlichen Verkehrsmitteln, Einkaufszentren und Restaurants sieht – selbstverständlich ohne Begleitschutz. Gerade Nordamerikaner nutzen die Abstecher nach Europa auch gerne, um sich kulturell ein wenig weiterzubilden, vertreiben sich die freie Zeit etwa im Museum oder an historischen Stätten.

Zwar stehen die NHL-Profis nicht auf demselben Bekanntheitslevel wie Protagonisten anderer Sportarten, erkannt und angesprochen werden aber auch sie. Der Schwede Victor Hedman etwa fällt nur schon auf, weil er ein bärtiger Zwei-Meter-Hüne ist. Zudem ist er der derzeit wohl weltbeste Verteidiger. In seiner eishockeyverrückten Heimat gehört er in die Kategorie der Berühmtheiten. Als er nun mit seinen Tampa Bay Lightning in Stockholm war, war es auch für ihn eine Selbstverständlichkeit, sich zu Fuss im Stadtzentrum zu bewegen.

Diese Bodenständigkeit schätze ich an den Kufencracks. Wie ich aus eigener Erfahrung weiss, ist es eine angenehme Eigenschaft, die auch in ihrem Umgang mit den Medienvertretern zum Tragen kommt.

Bernhard Camenisch ist Sportredaktor

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