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VARlich gut

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Der VAR: Seit Anfang Saison auch in der Super League im Einsatz. KEYSTONE
Roman
Michel

Im Blog «Anpfiff» berichten Journalistinnen und Journalisten jede zweite Woche aus der Südostschweiz-Sportredaktion.

Sion-Präsident Christian Constantin sagte sich vor dem Start in die Super League sicher: «Der VAR ist unser bester Transfer der Saison». Das war am Donnerstag. 

Am Freitag hatte der Video Assistant Referee, oder eben VAR, seine Premiere. Ausgerechnet im Wallis – und er entschied erst noch gegen den FC Sion. Nach einer Intervention von Basel-Goalie Jonas Omlin entscheidet Schiedsrichter Sandro Schärer auf Elfmeter, formt dann mit seinen Händen ein Viereck, rennt an die Seitenlinie und revidiert seinen Entschluss wieder. Kein Penalty. Basel gewinnt mit 4:1. Neuzugang VAR stach aus Sion-Sicht genauso wenig wie Neuzugang Behrami. Zur Freude von Omlin: «#vargut, #varkeinpenalty» schrieb er auf Instagram. Teamkollege Fabian Frei nahm den Steilpass auf. «Varst super Jonas», sein Kommentar. Der offizielle Instagram-Account des FCB fragte beim Torhüter nach: «Wie wichtig var jetzt dieser Sieg?» Omlins Antwort: «sehr-varscheinlich wichtig.» Ja, für Wortspiele ist dieser VAR ein VARer Segen. 

Am Samstag hatte der VAR seinen nächsten Einsatz – und er versagte respektive VARsagte. St. Gallen gegen Luzern. Nach einer Viertelstunde und einer Aktion gegen den Ostschweizer Stürmer Axel Bakayoko zeigt Schiedsrichter Lionel Tschudi auf den Penaltypunkt. Der VAR schaltet sich auch hier ein – obwohl der Fall nicht eindeutig ist. Tschudi entscheidet sich um, nimmt den Elfmeter zurück. St. Gallen-Trainer Peter Zeidler sprach hinterher vom «Pech mit dem neuen Ding da, das sie eingeführt haben.» Den Namen wollte er nicht in den Mund nehmen. Ein bisschen wie bei Harry Potter und Voldemort, «er, dessen Name nicht genannt werden darf». VAR, der Böse. 

Am Sonntag var Ruhetag. Bei den beiden Partien Young Boys – Servette und Zürich – Lugano schaltete sich der Mann aus dem VAR-Raum in Volketswil nicht mehr ein. Die Ruhe währte nur bis am Montag. Aufgrund der Geschehnisse in St. Gallen sah sich der Schweizer Fussballverband (SFV) zu einer Stellungnahme bemüssigt – und fand zur Szene mit Bakayoko klare Worte. «Die Intervention des VAR hätte unterbleiben müssen», schreibt er. Fehlentscheid, St. Gallen wurde ein Penalty unterschlagen. Pikantes Detail: Vom ersten VARpatzer profitierte ausgerechnet Luzern, das sich bei der Abstimmung zur Einführung des technischen Hilfsmittels in der Super League seiner Stimme enthalten hatte. 

Was uns dieses Wochenende gezeigt hat: Der VAR, der eigentlich Diskussionen verhindern sollte, sorgte genau dafür, dass diskutiert wurde. Eigentlich gar nicht so schlecht – in einer Liga, in welcher es zuletzt wenig Diskussionsstoff gab. Zu einseitig das Rennen um den Meistertitel, zu bescheiden das Niveau. Statt über das wirkliche Geschehen auf dem Rasen streitet man sich am Stammtisch jetzt halt über den VAR. Der «Blick» hat auf diese Saison gar einen ehemaligen Präsidenten des Schiedsrichter-Verbands engagiert, der den Videobeweis regelmässig unter die Lupe nimmt. Quasi ein Überwacher des Schiedsrichter-Überwachers. 

Man kann vom VAR halten, was man will. Freuen sollte sich aber jeder Fussball-Zuschauer. Eine deutsche Studie besagt, dass die Nettospielzeit der vergangenen Saison im Vergleich zu den vorangegangenen Spielzeiten um beinahe zwei Minuten gestiegen ist. Heisst: Mehr Fussball fürs Geld im Stadion. VARlich gut. 

Roman Michel ist stellvertretender Leiter Sport. 

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