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Wenn man nur eine Nummer ist

Uhr
Remo
Blumenthal

Im Blog «Anpfiff» berichten Journalistinnen und Journalisten jede zweite Woche aus der Südostschweiz-Sportredaktion.

Eine der Personen, die mich in den letzten Jahren am meisten inspirierte, ist unser NHL-Star Nino Niederreiter. Seit dem NHL-Entry-Draft im 2010 und seinem NHL-Debüt im gleichen Jahr hat der Churer das erreicht, wovon andere ihr ganzes Leben lang nur träumen. Der 26-jährige Flügelstürmer ist nun Stammkraft bei den Carolina Hurricanes, feierte im 2013 die WM-Silber-medaille mit der Schweizer Nationalmannschaft und wiederholte diesen Erfolg im Frühling des vergangenen Jahres. Trotz dieser grossen Erfolge blieb der Churer stets bodenständig, aufrichtig und hilfsbereit. Von Starallüren will Niederreiter nichts wissen. 

Der einstige Junior des EHC Chur lebt in Nordamerika seinen Traum. Doch dieser Traum kann schnell eine andere, unerwartete Wendung nehmen. Im letzten Sommer, als ich ihn traf, rankten sich einmal mehr Wechsel- beziehungsweise Tauschgerüchte um den 26-Jährigen. «Es ist jedes Jahr etwas», sagte er mir. «Heute das Transfergerücht, vor einem Jahr mein neuer Vertrag. Du weisst nie was passiert.» Dieser Satz sollte mir in Erinnerung bleiben. 

Denn trotz den wilden Transfergerüchten, die der neue General Manager der Minnesota Wild auslöste, rückte Niederreiter ins Camp seines Stammvereins ein. Im Dress der «Wild» nahm er kurz darauf seine bereits sechste NHL-Saison in Angriff. Die Gerüchte verstummten. Drei Monate und 46 Spiele später dann doch noch der Knall: Nino Niederreiter wechselt zum Ligakonkurrenten Carolina Hurricanes. Er wird getauscht für den schwedischen Stürmer Victor Rask. Von heute auf morgen ist alles anders.

Eine ähnliche Geschichte erlebte am Montagabend auch das Schweizer Stürmertalent Kevin Fiala (22). Selten bis nie drang ein Transfergerücht um den Uzwiler an die Öffentlichkeit. Und doch schnappte sich Niederreiters Ex-Club Minnesota den jungen Stürmer. Kurz vor Transferschluss. Am Morgen steht er mit seinen Teamkollegen noch im Training auf dem Eis, am Abend sitzt er im Flugzeug und macht sich auf den Weg ins 1408 Kilometer entfernte St. Paul. Das geht in der NHL nun bereits seit einigen Tagen so. Einer der Prominentesten, der getauscht wurde, ist New-York-Rangers-Star Mats Zuccarello. Nach neun Jahren in New York wurde er zu den Dallas Stars geschickt. Und Zuccarello brach sich nach seiner Ankunft in Dallas gleich im ersten Spiel den Arm – somit fällt der Norweger mehrere Wochen aus. Pech für die Dallas Stars. 

Zurück zu Fiala und seinem Wechsel zu Minnesota. Bei den «Wild» erwartet man viel vom wirbligen Schweizer. Nicht zuletzt weil Fiala bei den Nashville Predators auch im Powerplay zum Einsatz kam und in bisher 64 Partien für die «Preds» 32 Skorerpunkte verbuchte. Orientieren könnte sich Kevin Fiala an Nino Niederreiter. Dass sein ehemaliger General Manager den Churer mit einem Spieler der Carolina Hurricanes tauschte, könnte diesem heute noch Kopfschmerzen bereiten. In den neuen Farben erzielte Niederreiter in 16 Partien 15 Skorerpunkte. Sein Ersatzmann bei Minnesota, Viktor Rask, nur gerade deren zwei in zehn Partien. Dazu kommt, dass der Schwede nun verletzt ist. Für Nino Niederreiter war der Wechsel rückblickend also Gold wert. Neben dem Schwedischen Youngstar Sebastian Aho blüht der 26-Jährige richtig auf. Er hat die Chance eines Wechsels also erkannt und genutzt. Und das Pokern um die NHL-Stars ist vorerst auch wieder vorbei. Das Transferfenster schloss am Montag, 21 Uhr Schweizer Zeit.

Remo Blumenthal ist Sportredaktor bei TV Südostschweiz. 

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