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Wenn Schleichwerbung nervt

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SCREENSHOT SRF
René
Weber

Im Blog «Anpfiff» berichten Journalistinnen und Journalisten jede zweite Woche aus der Südostschweiz-Sportredaktion.

An den Ski-Weltmeisterschaften in Schweden läuft es für die Schweiz sportlich nicht schlecht. Vier Medaillen hat die Swiss-Ski-Delegation schon gewinnen können. Den Frauen sei Dank, das soll an dieser Stelle ausdrücklich gesagt sein. Bis Sonntag und zum die Titelkämpfe abschliessenden Männer-Slalom darf in Are noch weiteres Edenmetall dazukommen, speziell vom starken Geschlecht. Die Schweizer Skifans, egal ob Männlein oder Weiblein, hätten bestimmt nichts dagegen einzuwenden.

Vor zwei Jahren bei den Ski-Weltmeisterschaften in St. Moritz war ich live dabei, habe auf Salastrains alle Entscheidungen im Zielraum mitverfolgt. Es war ein grosses Skifest. Tausende Zuschauer jubelten ihren Lieblingen im Engadin zu, feuerten sie an. Viele WM-Touristen feierten am Abend in St. Moritz jeweils weiter und machten im Ortszentrum die Nacht zum Tag. Vor allem in den Häusern der Teilnehmernationen ging es hoch her. In Are soll die Stimmung ebenfalls gut und ausgelassen sein. Das erstaunt nicht. Das hat bei jeder Weltmeistschaft Tradition. Medaillenfeiern und Après-Ski-Partys gehören einfach dazu.

Nach den WM-Entscheidungen in Schweden wird aber auch genauso diskutiert wie vor zwei Jahren in der Schweiz. Auch das überrascht nicht. Pistenverhältnisse, Wetterbedingungen, Schneeverhältnisse, Startreihenfolge – all das entscheidet über Sieg und Niederlage, über Medaillen oder Versagen. Verlierer und Sieger urteilen natürlich differenziert. Entsprechend wird nach den Rennen gehadert. Carlo Janka stänkerte. Mauro Caviezel äussert sich ebenfalls negativ. Die norwegischen Abfahrts-Giganten lobten die Piste. In Italien ist man zufrieden. Frankreich feierte Kombinations-Gold, als wäre es die bedeutendste Medaille überhaupt. Österreich ist schon vor den bevorstehenden Hirscher-Festspielen in den Technik-Disziplinen in Festlaune. In St. Moritz war das nicht anders. Auch dort gab es glückliche Champions und unzufriedene Verlierer – an jedem Wettkampftag, nach jeder WM-Entscheidung.

Weltmeisterschaften sind aber nicht gleich Weltmeisterschaften. Skirennen sind nicht gleich Skirennen. St. Moritz ist nicht gleich Are. Die Namen der Favoriten, Aussenseiter und Sieger sind andere. Junge Fahrer bedrängen die arrivierten. Das sorgt für Spannung, belebt das Geschäft. Ein solches ist der Skirennsport. Werbung, wo man nur hinschaut. Im Zielraum, im Fernsehen, auf den Kleidern von Athleten und Funktionären. Auch augenscheinlich hat sich einiges verändert. An den Kopfsponsor, die einzige Privat-Einnahmequelle der Sportler, hat man sich längst gewöhnt. Neu ist an der WM in Schweden dagegen die Flaschenwerbung. Kein Interview ohne eine Getränkeflasche, die werbewirksam in die Kamera gehalten wird. Als billige, nervige Schleichwerbung muss man das bezeichnen. Sie nervt doppelt, weil sie von den TV-Anstalten geduldet wird. Das muss nicht sein. Das kann mit Werbeeinnahmen nicht erklärt werden. Nicht auszudenken, wohin das noch führt, wenn die Skirennfahrer plötzlich auch noch mit Kaugummis und Getreideriegeln zu den TV-Interviews erscheinen. Oder wenn künftig Cristiano Ronaldo und Andres Ambühl im Fussball beziehungsweise im Eishockey mit Windeln oder Kondomen vor die Kamera treten und erklären würden, wie sie das Tor getroffen oder das Spiel mit ihrem Team verloren haben. 

René Weber ist Leiter Sport bei der «Südostschweiz». 

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