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Fussball-WM ist TV nonstop

Uhr
Jürg
Sigel

Im Blog «Anpfiff» berichten Journalistinnen und Journalisten jede zweite Woche aus der Südostschweiz-Sportredaktion.

Es wartet wieder einmal ein stressiger TV-Sommer auf die Sportfreunde. Die Fussball-Weltmeisterschaft steht vor der Tür. Es ist jener Grossanlass, der auch viele Leute in seinen Bann zieht, die mit Fussball sonst wenig bis gar nichts am Hut haben. Im Mai wars ähnlich. Menschen, die sich sonst nicht gross für Eishockey interessieren, wurden plötzlich Eishockey-Fan. Dies deshalb, weil die Schweizer an der WM in Dänemark bis in den Final vorstiessen. Mir erging es gleich. Gut, ich mag Eishockey. Grundsätzlich erlischt mein Interesse an dieser Sportart aber, sobald der Sommer naht. Das war in diesem Jahr nicht anders. Nur ein paar wenige WM-Stunden vor dem Fernseher hatte ich eingeplant. Doch letztlich entschied die Schweizer Nationalmannschaft, wie oft ich das TV-Gerät einschaltete. Das Fazit am Ende der WM: Jede Partie mit Schweizer Beteiligung hatte ich mir angeschaut, womit der stressige TV-Sommer früher begonnen hatte als erwartet. Es gab in dieser Zeit sogar etwas sportlich noch Wichtigeres – zumindest für mich. Die Festivitäten rund um die Young Boys. Logisch, dass es mich als Berner nicht kalt liess, dass YB erstmals seit 32 Jahren Fussball-Meister wurde. Das war emotional unglaublich. Fussball war schon immer meine Sportart Nummer 1. Das wird sich nie ändern. Fussball wird auch stets die weltweit wichtigste Sportart sein.

Damit zurück zur bevorstehenden WM. Da werden viele Fussball-Anhänger zu Fernseh-Freaks. 64 Partien gibt es in Russland. Das sind ohne allfällige Verlängerungen in der K.-o.-Phase rund 5760 Minuten Fussball – zusätzliche Sendungen auf SRF wie Vor- und Hintergrundberichte, Analysen, Reportagen über das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Geschehen im WM-Land, Talkrunden etc. nicht mit eingerechnet. Wem das immer noch zu wenig ist, kann auch mal umschalten, beispielsweise auf ARD, ZDF oder Sky. Die deutschen Sender erwarten teilweise über 25 Millionen Zuschauer.

Natürlich habe ich mir wie schon vor vier, vor acht und vor zwölf Jahren – eben wie vor jeder Fussball-WM – vorgenommen, zwischen dem 14. Juni und 15. Juli wirklich nur das Wesentliche anzuschauen. Schliesslich bietet das Leben neben Fussball noch andere Freuden. Und dann ist da noch der Beruf. Als Redaktor hat man sich auch mit anderen Sportarten zu beschäftigen.
Trotzdem: Am Ende der Fussball-WM werde ich dasselbe Fazit ziehen wie nach der Eishockey-WM – nur wird alles noch viel krasser sein. An der Fussball-WM kommen noch die nicht selten reizvollen Sondersendungen dazu. Also mache ich mir nichts vor. Etliche Stunden werde ich – mal zu Hause, mal da, mal dort – vor dem Fernseher verbringen. Ich versuche mir gar nicht erst einzureden, dass ich diese und jene Partie nicht sehen will. Das beginnt schon mit dem Eröffnungsspiel. Russland – Saudi-Arabien ist wahrlich kein Knüller. Doch ich gehe davon aus, dass ich mir diese Partie am 14. Juni ab 17 Uhr als WM-Ouvertüre reinziehe. Der Rest ergibt sich dann von selbst, wobei es im Gegensatz zum Eishockey keine Rolle spielt, wie lange die Schweiz dabei ist. Das Interesse bleibt ohnehin. Der Fussball tickt anders.

Und nach der WM? Sehr lang wird die Verschnaufpause für mich nicht sein. Bald beginnt die Qualifikation für die Champions League. Und da ist YB mit dabei. Fussball-Fan zu sein ist wirklich ziemlich stressig.

Jürg Sigel ist Sportredaktor bei der Zeitung «Südostschweiz».

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