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Woher kommt das «Januarloch»?

Wissen ist Macht – und manchmal einfach auch unglaublich unterhaltsam! In unserer Serie «SOwas!» liefern wir euch regelmässig (un)nütze Erklärungen und Kuriositäten zum Staunen und Schmunzeln.

Mara
Schlumpf
12.01.22 - 04:30 Uhr
Aus dem Leben
Gähnende Leere – das Januarloch macht sich angeblich besonders im Portemonnaie bemerkbar.
Gähnende Leere – das Januarloch macht sich angeblich besonders im Portemonnaie bemerkbar.
Symbolbild Unsplash

«Frohes Neujahr!», «Danke, ebenso. Bist du gut gerutscht?», «Ja, nun stecke ich halt ein bisschen im Januarloch.» Solche Konversationen kennen wir alle. Wir alle haben bereits einmal im vermeintlichen Januarloch gesteckt. Doch es zeigt sich – nicht alle Menschen verstehen unter dem Begriff Januarloch dasselbe. Einigen sagt der Begriff sogar überhaupt nichts, er wird nämlich vorwiegend in der Schweiz und in Österreich benutzt. Hierzulande steht der Januar einerseits für Verzicht, zum Beispiel auf Alkohol oder Fleisch. Dies wird vor allem in den sozialen Netzwerken unter den Begriffen «Veganuary» oder «Dry January» zelebriert. Der Januar ist meist aber auch der Monat, in welchem das Geld eher knapp ist. Die Werbeindustrie setzt genau auf Letzteres und wirbt mit lockenden Rabatten. Oft wird der Begriff aber auch mit einem anhaltenden Stimmungstief gleichgesetzt. Doch woher kommt der Ausdruck Januarloch ursprünglich?

Die Betriebsamkeit

Die Herkunft des Wortes Januarloch führt uns in die Berge. Bevor wir uns aber in frostige Höhen begeben, beschäftigen wir uns erstmal mit der genauen Bedeutung. Die offizielle Erklärung des Begriffs gemäss Internet lautet: «Im Januar auftretende Periode, in der eine markante Verringerung der allgemeinen (besonders geschäftlichen, politischen, kulturellen) Betriebsamkeit und Stimmung auftritt, die sich unter anderem in einer reduzierten Kaufbereitschaft bemerkbar macht.»

Einfach gesagt: Im Januar geben die Menschen weniger Geld aus, es läuft weniger und sie sind eher schlechter gelaunt. 

Seine Heimat sind die Berge

Ursprünglich stammt die Herkunft des Begriffes vermutlich aus den Skigebieten, abschliessend geklärt wurde diese Theorie jedoch nie. Für die Theorie spricht, dass die Skinationen Schweiz und Österreich das Januarloch kennen, Deutschland hingegen nicht. Die Skigebietstheorie ist simpel: Das grosse Geld machen die Skigebiete während den Weihnachtsferien im Dezember und den Sportferien im Februar. Und dazwischen liegt, ihr ahnt es bereits, das Januarloch. 

Genutzt wird der Begriff jedoch oft in Zusammenhang mit dem eigenen Portemonnaie, und nicht  bezugnehmend auf die gesamtwirtschaftliche Lage oder den Wintertourismus. Wieso also sind wir scheinbar im Januar, trotz allfälligem 13. Monatslohn im Dezember, durchs Band «pleite» und schlecht gelaunt? Auch hier finden sich online diverse Erklärungsversuche. 

Alles doof

1.) Weihnachten. Die Feste so zu feiern wie sie fallen, mag zwar schön und gut sein, besonders Weihnachten kann finanziell jedoch ziemlich ins Gewicht fallen. Gemäss einer Umfrage unter Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten gaben wir 2021 durchschnittlich 334 Franken für Weihnachtsgeschenke aus. Da sind die drei Kilogramm Chinoise-Fleisch, das wir den Verwandten aufgetischt haben, noch nicht dabei. Und auch der süsse Rotwein aus dem Gestell mit den etwas besseren Importweinen taucht in dieser Rechnung nicht auf.

2.) Der Dezembermonatslohn kommt früher. In vielen Betrieben wird der Dezemberlohn bereits Mitte Monat ausbezahlt, da die Banken über die Festtage geschlossen haben. Deswegen müssen wir mit dem Geld gefühlt länger klarkommen. 

3.) Bewusster Verzicht. Ins neue Jahr startet es sich bekanntlich am besten mit guten Vorsätzen: mit dem Rauchen aufhören, gesünder essen und mehr Sport treiben. Veränderungen, die mit Verzicht verbunden sind, können schnell aufs Gemüt schlagen. 

4.) Januar ist wie der Dezember – aber in unschön. Dezember und Januar gelten als die kältesten und dunkelsten Monate hierzulande. Während im Dezember uns aber viele bunte Lichter, Weihnachtsmärkte und leckeres Essen bei Laune halten, ist im Januar davon nichts mehr übrig. Was bleibt, ist die graue, kalte, dunkle Suppe, einfach ohne den schönen weihnachtlichen Glitzer. Im TV läuft kein «Aschenbrödel» mehr, sondern wieder die «Arena». Der Alltag hat uns wieder.

Mara Schlumpf ist Redaktorin und Chefin vom Dienst bei «suedostschweiz.ch». Ursprünglich kommt sie aus dem Aargau, hat ihr Herz aber vor einigen Jahren an Chur verschenkt. Mehr Infos

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