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Wenn Zwei ein Problem haben …

… und sich zusammentun, dann kann eine gute Lösung ent­stehen. So geschehen bei dem in der Bünda-Überbauung an der Museumstrasse anfallenden organischen Abfall und Landwirt Toni Hoffmann.

Barbara
Gassler
09.08.22 - 07:13 Uhr
Aus dem Leben
Simone Bonvissuto zeigt die Erklärungsplakate.
Simone Bonvissuto zeigt die Erklärungsplakate.
bg

Seit 2004 vergast Toni Hoffmann auf seiner Duchliranch biologische Abfälle aus Hotels und Kliniken. In den besten Jahren spies er damit an die 500 000 kWh Strom ins öffentliche Netz ein. «Während der Coronapandemie ging die Produktion auf unter 300 000 kWh zurück», berichtet er nun. Ursache ist, dass er schlicht nicht mehr genügend Material für seine Mitarbeitenden erhielt. «Die sind wie Hochleistungskühe», vergleicht Hoffmann. «Sie wollen gleichmässig gefüttert werden. Würde ich mal einen Tag auslassen, bräche die ganze Biologie zusammen». Bei den anspruchsvollen Kostgängern handelt es sich um Mikroorganismen, die das ihnen vorgesetzte organische Material zersetzen und dabei grosse Mengen an Gas ausscheiden. Damit kann wiederum eine Turbine betrieben werden, die schliesslich Strom produziert. Doch um diese Leistung zu erbringen, müssen sie fressen. Viel fressen. «Die Grundlage ihrer Diät ist Mist und Gülle von meinem Betrieb und jenem von Kaspar Hoffmann», berichtet Hoffmann, der ausserdem Schweine und Rinder hält. «Davon verwende ich rund zehn Kubikmeter pro Tag.» Dazu kommen in der Hochsaison bis zu drei Tonnen organischer Abfälle aus den Hotels und Kliniken. Während der mageren Zeiten in der Zwischensaison füttert Hoffmann zusätzlich Altspeiseöl, das er für diesen Moment aufbewahrt. «Dessen Energiedichte ist höher, und nach einer langsamen Umstellung vertragen die Bakterien es problemlos.» Doch auch dann sind die täglich verarbeiteten Mengen noch beachtlich: Zu 15 Kubikmetern Mist/Gülle und einer Tonne organischer Reste kommen noch bis zu 400 Liter Öl. Vier Mal täglich pumpt Hoffmann das Gemisch in den Faulturm.

Weniger «Food Waste»

Doch die Pandemie brachte dieses austarierte System ins Wanken. «Mit dem Wegfallen der Buffets in den Hotels und der Umstellung auf Tellerservice ging auch die Menge an Abfall deutlich zurück.» Weniger Nahrungsmittel-Abfälle, das müsste doch eigentlich eine positive Nachricht sein? Nicht in diesem Fall, denn nun fehlt Hoffmanns fleissiger Truppe eben die Nahrungsgrundlage.

«Grün–zu-Grün»

Szenenwechsel: In der Bünda-Überbauung an der Museumstrasse fragten Eigentümer immer wieder nach einer Grünabfuhr für Küchenabfälle, wie sie es aus dem Unterland vielfach gewohnt sind. Doch vonseiten der Gemeinde wird eine solche nicht angeboten. Sie verweist vielmehr auf die schwierige Umsetzung einer Kompostierung in Davos. Also wandte sich die Verwaltung der Überbauung, die Guyan und Co. AG, an «GreenHub» und wurde fündig. «Dort beriet man uns und brachte uns mit Toni Hoffmann in Kontakt», berichtet der verantwortliche Immobilienbewirtschafter Simone Bonvissuto. Zusammen arbeitete man für die gegenwärtig 81 Haushalte – 46 davon sind Erst- und 35 Zweitwohnungen – ein Pilotprojekt mit Namen «Grün-zu-Grün» aus. Sind dereinst alle Immobilien fertig gebaut und bezogen, hofft man, die Zahl auf 120 Haushaltungen erhöhen zu können. Untergebracht ist die Sammelstelle in einem ehemaligen Containerhäuschen. «Seit die Abfallsäcke in den Moloks gesammelt werden, haben wir dort Platz.» Die grünen Biotonnen werden von Hoffmann zur Verfügung gestellt und regelmässig geleert. «Zu Beginn der aktiven Phase im März hatten wir noch gewisse Probleme, weil sich auch viel Plastik in der Grünabfuhr befand», erinnert sich Bonvissuto. Doch mit einem ausführlichen Flyer und anschaulichen Plakaten an den Sammelstellen bekam man das in den Griff. Bis heute sind es bald eine Tonne Material, die da zusammen-kamen.

Offen für weitere

Abschliessend beurteilen will man das Projekt erst nach Ablauf der Pilotphase im Dezember 2023. Doch die in der kurzen Zeit bereits gemachten Erfahrungen sind gut. «Es kommt zu keinerlei Geruchsimmissionen, und die Leute nutzen die Biotonnen», sagt Bonvissuto. Daher wäre er offen für eine Erweiterung, sollte von weiteren Kunden der Wunsch nach einem vergleichbaren Angebot kommen. «Natürlich lohnt es sich nur, wenn die Überbauung eine gewisse Grösse hat».

Denn die Situation ist volatil. «Nach dem Vergären des Materials bleibt noch immer eine sogenannte Biogasgülle übrig», berichtet Hoffmann aus der Praxis. «Diese entsorge ich als Dünger an Ackerbaubetriebe im Churer Rheintal und bezahle dafür einen Anteil an den Transport». Und von dort hat sich die Nachfrage in den letzten Monaten deutlich erhöht: «Seit Düngemittel auf Mineralölbasis teurer geworden sind, ist mein Produkt plötzlich sehr gefragt.» So könnte er zwar einiges mehr an Abfällen entgegennehmen, dennoch ist die Zukunft unsicher. «Übernächstes Jahr läuft die staatliche Förderung aus. Bis dann muss ich sehen, wie sich die Situation mit der Gastronomie, dem Eintrag von unseren beiden ­Höfen und natürlich den Strompreisen entwickelt.» Denn, das verschweigt Hoffmann nicht, der Betrieb der Anlage ist investitionsintensiv. «Inzwischen läuft bei mir der vierte Motor.»

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