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Wasser rauf und Wasser runter

2018 berichtete diese Zeitung zum ersten Mal vom gemein­samen Projekt der Gemeinde und der Davos Klosters Bergbahnen (DKB), am Wolfgang in Wasser zu investieren. Da war das Projekt schon ein gutes Jahr in Bearbeitung, und heute, vier Jahre später, kann der Beginn der Hauptarbeiten vermeldet werden. Denn die letzte Bewilligung traf vor wenigen Wochen im Davoser Rathaus ein.

Barbara
Gassler
26.07.22 - 17:13 Uhr
Aus dem Leben
Direkt neben dem Wasserreservoir Wolfgang entsteht die neue Pumpstation der DKB.
Direkt neben dem Wasserreservoir Wolfgang entsteht die neue Pumpstation der DKB.
bg

«Der Grund, warum das Projekt so lange dauert, sind die in diesem Fall komplexen Bewilligungsverfahren», erklärt Brunnenmeister Marcel Klucker von der Wasserversorgung. Zwar ist hinlänglich bekannt, dass bei jeder Baubewilligung ausserhalb der Bauzone, sogenannten BaB-Verfahren, viele Ämter und Institutionen grünes Licht geben müssen. Betrifft das Vorhaben dann beispielsweise noch zwei sich überlappende Interessen – in diesem Fall Gewässerraum und Sportzone – multiplizieren sich diese. Denn da ist auf der einen Seite das Vorhaben der DKB, die Schneesicherheit für die Pisten auf Parsenn langfristig zu sichern und andererseits eine Rückversicherung zu schaffen, sollten einmal die bestehenden, der Trasse der Parsennbahn folgenden Wasserrohre nicht einsatzbereit sein. Dazu wurde unter dem Seeparkplatz eine neue Pumpstation erstellt und Leitungen unter dem Meierhoferweg in Richtung der aktuell in Bau befindlichen Pump­station Wolfgang in den Boden gebracht. Diese kommt neben dem Wasserreservoir Wolfgang zu stehen. Von da aus ­wurde auch bereits eine in Richtung Dorf führende Trinkwasserleitung verlegt. Die DKB investiert für die Schnee- und ­Wassersicherheit im Parsennge-biet gesamthaft circa acht Millionen Franken.

Parallel dazu erneuerte die Gemeinde die verschiedenen Wasserleitungen im 1907 erschlossenen Quellgebiet unterhalb Totalp und Stützalp. Auch zwei neue Leitungen durch den Arelenwald und unter dem Totalpbach hindurch wurden verlegt. Bisher verliefen sie rund 50 Meter weiter unten direkt ins Reservoir Wolfgang. Von oben her sind die DKB dabei, die Beschneiungsanlagen auf der «Besenbinder»-Piste bis hinunter zum Wolfgang auszuweiten.

Unter den «Teppich» legen

So schloss sich schrittweise der Kreis um die zentrale und aufwendigste Bauetappe, die nun in Angriff genommen wurde. Am auffälligsten ist dabei der breite, planierte und im Fachjargon «Teppich» genannte Streifen entlang des Totalpbachs. Er führt von der Brücke des Meierhoferwegs bis hinauf zur letzten steilen Schneise des «Besenbinders». Unter diesem später wieder teilweise renaturierten «Teppich» sollen neun grosse Rohre zu liegen kommen. Einige gehören der DKB, die darin Wasser aus dem See und Luft für die Beschneiung in die Höhe pumpt. Die nötige Pumpleistung beziehen sie aus der erwähnten neuen Station, die gegenwärtig neben dem Reservoir Wolfgang gebaut wird. Das Auffälligste dort dürften die beiden Kühltürme sein, in denen das ­relativ warme Seewasser auf für die ­Beschneiung effiziente Temperaturen ­hinuntergekühlt wird. Auch dicke Stromkabel werden in die Leitungen eingelegt. Über mehrere, ebenfalls noch zu bauende, Trafostationen liefern sie den für die technischen Schneeerzeuger notwendigen Strom.

Der «Teppich» hinunter zum Geschiebesammler am Totalpbach.
Der «Teppich» hinunter zum Geschiebesammler am Totalpbach.
bg

Neuer Hauptsammler

Doch auch die Gemeinde will Rohre verlegen. Denn sie baut am Rand des «Besenbinders» während der beiden nächsten Jahre einen neuen Hauptsammler für das erwähnte Quellgebiet nördlich des Totalpbachs. Es steuert immerhin einen Drittel an die Davoser Trinkwasserversorgung bei. «Bisher mussten unsere Mitarbeiter bei Nacht und Nebel hinaus zu den jeweiligen Brunnenstuben hoch oben am Berg, wenn eine Verunreinigung des Wassers festgestellt wurde», erzählt Klucker. Neu will man das ganze Wasser an einem Ort sammeln, wo mit modernen Überwachungsmethoden Trübungen erkannt und Klappen sowie Ventile automatisch geschlossen und geöffnet werden. Eine Leitung bringt anschliessend das saubere Wasser zum Reservoir Wolfgang, wo es mit UV-Licht bestrahlt und innerhalb des Meierhoferwegs weiter Richtung Dorf fliessen kann. Ein kleiner Teil verbleibt im Reservoir oder wird für die Versorgung der Bewohner am Wolfgang gebraucht. Pumpen braucht es bei diesem Vorgang nicht, denn durch den Druck der höher liegenden Quell­gebiete fliesst das Wasser natürlich. Ein weiteres Rohr ist für die Ableitung von nicht verwendbarem Wasser zurück in den Totalpbach gedacht.

Entflechten der Nutzungen

Soweit scheint alles einigermassen einfach. Doch nun kommt die Krux mit den verschiedenen Nutzern. Denn gemäss Gesetz muss einem Gewässer ein Mindestraum gewährt werden, in dem keinerlei andere Nutzung gestattet ist. Bestehende Situationen werden solange toleriert, wie es keine Veränderung gibt. Mit dem Bau der Leitungen tritt aber genau dieser Fall ein. Auf dem Plan überlappen sich hier die Sportzone der Skipiste und der Gewässerraum des Totalpbachs. So wurde beschlossen, dass die Skiabfahrt enger am Hang zu liegen kommen soll und der Bach sich nördlich etwas mehr ausbreiten kann. Das bedingt aber grössere Erdbewegungen. So wird der «Besenbinder» am Ende des letzten Steilhangs umgelegt, und anstatt der bisherigen scharfen Rechtskurve entsteht ein sanfter, eingeleiteter Abhang, auf dem die Schneesportler die letzten Meter ins Tal gleiten können. Sofern es das Wetter erlaubt, können die Arbeiten bereits dieses Jahr abgeschlossen und ein grosses Bauvorhaben mit vielen Nutzniessern beendet werden.

Die Markierung kennzeichnet den neuen Pistenverlauf.
Die Markierung kennzeichnet den neuen Pistenverlauf.
bg

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