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Warum gibt es einen Redaktionsschluss?

Im Impressum der Klosterser Zeitung ist jeweils ein Anzeigen- und Redaktionsschluss» angegeben. Warum ist der so früh? Und was bedeutet das eigentlich?

Conradin
Liesch
29.10.22 - 09:02 Uhr
Aus dem Leben

Die Zeitungsredaktionen von heute ­haben es gut: Die Artikel, die nicht von ihnen selber geschrieben werden, trudeln per Mail ein und können mit «Copy + Paste» in das Layout eingefügt werden. Das braucht ja kaum Zeit – oder?

Als mit Blei hantiert wurde

Als die «Klosterser Zeitung» 1963 gegründet wurde, sah das noch ganz anders aus. Die Titel und die Inserate wurden von Hand gesetzt; der sogenannte «Blocksatz» in Grundschrift – also quasi der Text, den Sie jetzt gerade lesen – wurde auf einer grossen Linotype-Setz­maschine gegossen. Die Schrift war ­seitenverkehrt, denn abgedruckt musste sie auf dem Papier ja seitenrichtig erscheinen – so wie Stempel ja auch seitenverkehrt funktionieren. Auf einem Winkelhaken wurde jeder Buchstabe für die Titelschrift einzeln aus einer Schublade hervorgeklaubt; das waren die Setzkasten, die heute noch als Wandschmuck allerhand Krimskrams beherbergen.

Als die Computer in der grafischen Branche Einzug hielten, mussten, auch bei der «Klosterser Zeitung», die Texte eingetippt werden. Diesen Job erledigten bei grossen Zeitungen die sogenannten ­«Tasterinnen», bei Ihrer Lokalzeitung der Redaktor selber.

«Schneller» heisst nicht mehr Zeit

Heutzutage geht das natürlich bedeutend schneller. In den Druck geht die Zeitung am Donnerstagnachmittag. Wenn der Redaktor um 15 Uhr noch an der Zeitung herumwerkelt, wird das technische Team, welche für den Feinschliff besorgt ist – bei der «Klosterser Zeitung» be­findet es sich in Ennenda (GL) – langsam aber sicher nervös.

Geplant wird die Zeitung von Wochenanfang weg. Bis spätestens Dienstagabend sind Umfang – in der Regel 32 Seiten – und die Grobplanung erledigt. Ist der Redaktionsschluss erfolgt, also Mittwoch um 11 Uhr, tut Eile not. Immerhin gilt es nicht nur, die Seiten zu füllen, sondern auch noch Fotos zu bearbeiten und einzufügen. Auch müssen die Inserate ansprechend gestaltet und den Kunden zugestellt werden, damit diese ihr «Gut zum Druck» erteilen können.

Am Donnerstag selber sind die Redaktoren meist etwas nervös: Dies ist dem Zeitdruck geschuldet. Wenn ein Artikel erst am Donnerstagmorgen ankommt, kann dieser in der Regel noch platziert werden, wenn’s dringend ist. Wenn aber viele Artikel erst in den letzten Stunden eintreffen, wird es kritisch. Dies zeigt sich dann in einer gehäuften Anzahl Druckfehler oder unsorgfältig bearbeiteten Bildern. «Wo gehobelt wird, fallen Späne», das ist ­richtig. Aber auch die Layouter der ­Zeitung möchten ihre Arbeit so genau wie möglich machen, damit Sie, verehrte Leserinnen und Leser, nicht nur aktuell informiert sind, sondern sich auch noch an einer adäquaten Gestaltung erfreuen können.

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