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Wandern oben, biken unten

Seit fünf Wochen arbeitet die Gemeinde mit zwei Equipen der Trail Crew und externen Unternehmern nun bereits daran, die lang ersehnte Entflechtung des Bergweges zwischen Jakobshorn und Rinerhorn zu realisieren.

Barbara
Gassler
22.07.22 - 07:09 Uhr
Aus dem Leben
Wandernde werden konsequent auf die obere Spur geleitet. Mit dem Bike geht es unten lang.
Wandernde werden konsequent auf die obere Spur geleitet. Mit dem Bike geht es unten lang.
bg

Inzwischen bestehen zwischen der Einmündung der Strasse zur Alp Säältenüeb und dem Richtung Sertig Sand verlaufenden Bergweg schon rund 500 Meter mit zwei paralell zueinander gelegten Spuren. Doch der Weg bis zu diesem Moment war steinig. Seit die Strecke vom Jakobshorn bis nach Filisur 2014 von der «International Mountain Bicycling Association» in die Liste der Epic Trails aufge-nommen wurde, vervielfachte sich der Zweirad-Verkehr auf dem auch von Wanderern gut frequentierten Weg. Die im Landwassertal unter dem Titel «Trail Toleranz» gelebte Co-Existenz der beiden Nutzergruppen stiess an ihre Grenzen. In der Saison 2019 wurden beim Äbirügg rund 21 000 Wandernde und knapp halb so viele Bikende gezählt. Die Forderung nach einer Entflechtung wurde unüberhörbar. Doch die Umsetzung gestaltete sich aufwendig. Grund war zuerst nicht das schwierige Gelände, sondern waren die Eigentumsverhältnisse. Denn das Trasse führt über nicht weniger als 59 Parzellen, die 39 verschiedenen Eigentümern gehören. «90 Prozent dieser Fragen sind inzwischen gelöst», sagte Stefan Walser, Departementsvorsteher Tiefbau, der die meisten der Verhandlungen geführt hatte, anlässlich einer Begehung, zu der die Gemeinde am Dienstag geladen hatte. «Mit den Grundbesitzern wurde ein Dienstbarkeitsvertrag abgeschlossen, und sie erhalten eine einmalige Entschädigung pro Laufmeter.» Wo es noch Verhandlungen bedürfe, würden diese nun von Bauleiter Werner Putzi, Leiter Bike- und Wanderwege, geführt.

Rosarot ist das Ziel: Der Pflock gibt an, wo der Weg durchführen soll.
Rosarot ist das Ziel: Der Pflock gibt an, wo der Weg durchführen soll.
bg

Umweltaspekte berücksichtigen

Doch nicht nur Eigentumsrechte galt es bei der Planung zu berücksichtigen. Auch die Umweltverbände und die abschliessende Bewilligungsbehörde, der Kanton, hatten ein gewichtiges Wort mitzureden. Daher wird es nicht möglich sein, auf der ganzen Strecke durchgehend zwei Wege anzulegen. So zum Beispiel beim Trischtelmeder oberhalb Sertig Dörfli, wo sich eine Grundwasser- und Quellschutzzone befindet. Ausserdem lässt es die Topografie im steilen Gelände nicht immer zu, einen zweiten Weg anzulegen. Das wird deutlich, wenn man Projektleiter Patrik Gurini, Leiter technische Dienste, und Putzi zuhört. Auch während der Begehung wird ständig über mögliche Wegführungen debattiert. Zwar ist diese grundsätzlich klar, und in einem Streifen von zehn Metern ober- oder unterhalb des bestehenden Weges kann gebaut werden. Doch wo im Detail die Spur verlegt wird, wird laufend entschieden und mit der zuständigen Umweltbaubegleitung abgestimmt. Das eigentliche Trasse wird, wenn immer möglich, von einem Raupenbagger auf rund einem Meter Breite gebrochen, dann folgen die Wegbauer und gestalten einen etwas schmaleren, nutzbaren Pfad. «Oft müssen wir noch Böschungen stabilisieren», erklärt Putzi dazu. Immer wieder tritt Wasser zutage, dann müssen Stege oder Trittsteine verlegt werden. «Steigungen auf dem Wanderweg überwinden wir teilweise mit Stufen. Damit hoffen wir auch, die Nutzer auf natürliche Weise schnell auf ihre jeweiligen Spuren zu bringen.» Gurini ergänzt: «Doch grundsätzlich ist es uns wichtig, den alpinen Charakter des Wegs zu erhalten.» Mit der Trail-Crew hätten sie die richtigen Mitarbeiter dazu.

Scott Rüesch an der Arbeit
Scott Rüesch an der Arbeit
bg

Gute Zusammenarbeit

Positiv zu vermerken sei auch die gute Zusammenarbeit mit örtlichen Bauern. «Das ermöglicht es uns, deren Zufahrtsstrassen für den Transport von Material und Mitarbeitern zu nutzen», fährt Putzi fort. Das sei keineswegs selbstverständlich und verlange, dass man miteinander rede. Doch: «Es vereinfacht unsere Arbeit sehr und spart Kosten». Budgetiert sind 420 000 Franken in diesem und 240 000 im nächsten Jahr. Damit sollen vom Sertig ausgehend Richtung Rinerhorn 5,4 Kilometer Weg und auf der Seite Jakobshorn 2,83 Kilometer neu gebaut werden. Gleichzeitig werden auf der Rinerhorner Seite 592 Meter wild entstandener Wege wieder renaturiert. Deutlich mehr sind es entlang der Flanke des Jakobshorns. 1775 Meter werden es dort sein, und die Arbeiten sollen noch dieses Jahr abgeschlossen werden. Auf der gegenüberliegenden Talseite hingegen ist der Bau der Strecke von Säältenüeb bis Äbirügg erst für 2023 vorgesehen. Damit wären auf der  wichtigsten Strecke Wanderer und Biker zukünftig auf getrennten Wegen unterwegs. Eine weitere Entflechtung ist vorläufig nur noch zwischen Gotschnagrat und Parsennhütte vorgesehen. Wo die neuen Trasses bereit sind, werden sie sofort für den Verkehr freigegeben und entsprechend signalisiert. «Grundsätzlich gilt, dass auf dem oberen Weg gewandert und auf dem unteren gebikt wird», erklärt Gurini. Dies, damit Wanderer nicht durch von Bikern gelöste Steinchen gefährdet würden.

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