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Vom Sommerjob zur Clubmanagerin

Mit dem Schneefall von vor ein paar Tagen zog auch der Golfplatz sein Winterkleid an. Doch es ist nicht ein Jahreszeitenwechsel wie jeder andere.

Davoser
Zeitung
24.11.22 - 17:00 Uhr
Aus dem Leben
Ab und zu gibt es auch den Luxus, selber am Turnier dabei zu sein, zum Beispiel am Chreis4-Turnier mit meinen Freundinnen (Eva Stöcklin mit Golfschläger in den Händen).
Ab und zu gibt es auch den Luxus, selber am Turnier dabei zu sein, zum Beispiel am Chreis4-Turnier mit meinen Freundinnen (Eva Stöcklin mit Golfschläger in den Händen).
zVg

Denn mit dem Ende der Saison endete beim Golfclub Davos (GCD) eine Ära. Die langjährige Managerin Eva Stöcklin trat in den wohlverdienten Ruhestand. Was sie in ihrer Zeit alles erlebte, erzählt sie gleich selber:

1999 wechselte ich meinen Wohnort vom Baselbiet ins bergige Bündnerland und nistete mich bei meinem Partner Philippe in Davos ein. Ich durfte gleich nach meiner Ankunft als rechte Hand von Philippe in der Alten Post Hand anlegen. Dieser Job erwies sich als ideal, vorab einige der Einheimischen und diverse Davoser Gäste kennenzulernen. Als der Frühling ins Land zu ziehen begann, sah ich mich gezwungen, mir ernsthafte Gedanken über den Sommerjob zu machen. Ein schicksalhafter Hinweis auf ein Inserat in der Davoser Zeitung war ausschlaggebend für die Bewerbung als Sekretärin im Golf Club Davos. In meinem beruflichen Handgepäck lagen die Ausbildungen im kaufmännischen und im sportlichen Bereich vor; Golfen zählte bereits damals zu einer meiner favorisierten Freizeitbeschäftigungen. Das reichte, um am 1. Mai 2000 völlig unvoreingenommen und ­motiviert die Arbeit beim GCD anzu­treten.

Starke Vereinsstrukturen

Der Vorstand nahm innerhalb des Clubs bei meinem Start eine omnipräsente Stellung ein. Das wiederum bedeutete, dass die Vorgaben des Vorstands streng strukturiert vorlagen. Meine Arbeitskollegin und ich durften den Shop mit Golfartikeln und Golfkleidern betreuen sowie die Rezeption mit den Buchungen der Abschlagzeiten und das Inkasso erledigen. Die Golfsoftware existierte zwar ­damals bereits, dennoch wurde unsere Arbeit absolut ohne Computer bewältigt. Eine «difige» Handschrift war gefragt – etwa beim Ausfüllen der sogenannten Greenfees (Etikette als Beweis für die ­bezahlte Runde). Über die spezifische Golfsoftware wurden lediglich und ausschliesslich Startzeiten und Ranglisten erstellt und die Handicaps der Mitglieder verwaltet. Jahresrechnung und Mitgliederverwaltung wurden anno dazumal dagegen extern auf Exceltabellen erfasst und vom damaligen Vorstand à jour gehalten. Die Anzahl Mitglieder war, zugegebenermassen, recht gut überschaubar und Marketing in dieser Zeit kein Thema. Trotzdem gab es sie schon, die erstaunlich gut mit Gästen und Mitgliedern belegten Tage auf der Matta.

Im Weiteren existierte ausser den Privatlektionen beim Golflehrer kein Kursangebot, keine Kooperationen mit anderen Clubs und kein nennenswertes Sponsoring mit Ausnahme des Turniersponsorings. Für die Turniersponsoren zählte es einst zur Selbstverständlichkeit, die Teilnehmenden von der Zwischenverpflegung bis zum Apéro und darüber hinaus oft mit einem Nachtessen rundum auf Händen zu tragen. Generosität dieser Art schickt sich heutzutage eher als Ausnahme an.

Wechsel in alle Richtungen

Patrik Wagner wurde im Jahr 2002 zum Präsidenten gewählt. Der damals noch junge GCD-Kapitän hatte sich bereits vor seiner Wahl so einiges in sein Logbuch notiert, was aus seiner Sicht geändert werden sollte. Das betraf nicht einzig die Erstellung eines Organigramms und die der Zeit entsprechenden Job-Descrip­tions, bei denen der Vorstand bis anhin die Strategie bestimmte, und legte die operative Leitung kurzerhand in meine Hände. Des Weiteren wurde auf seinem Radar der Ausbau der Infrastruktur sichtbar, und zwar sowohl, was die Gebäude (Restaurant, Administration, Werkhof) als auch diverse Optimierungen beim ­generellen Ausbau des Golfplatzes betrafen. Dazu gesellten sich der schrittweise Aufbau der Golfschule mit Golfkursen, die Kooperation mit auserwählten Hotels und die Erstellung und Umsetzung eines Marketingplans. Alles ging von nun an Hand in Hand mit Vorstand und Golfmanagement einher. Innerhalb von sieben Jahren war der komplette Wechsel in die Wege geleitet und teils ausgeführt.

Diese Zeiten entpuppten sich für den Verein als prägend. Dank des grossen Elans von Patrik Wagner präsentiert sich der Club noch heute grösstenteils dieser Art strukturiert. Natürlich kehrt in einem Club wie dem GCD nie wirklich Ruhe ein. Optimierungen und Anpassungen an Umwelteinflüsse wie jene der Rüfe im Frühjahr 2018, die Teile der neuen Erweiterung kurzweg unter Schutt und Gröll begrub, gehören zum Alltag des alpinen Golfsports und seiner verletzbaren infrastrukturellen Einrichtung.

In den letzten Jahren wurden am Golfplatz diverse Optimierungen und Ausbauten vorgenommen.
In den letzten Jahren wurden am Golfplatz diverse Optimierungen und Ausbauten vorgenommen.
Marcel Giger, snow-world.ch

Apropos Umwelt: Die diesbezüglichen Auflagen werden künftig die Verantwortlichen des GCD auf Trab halten – dazu zählen etwa die kürzlich präsentierten Zonenänderungen mit dem Vorhaben, einen Velo- und Spazierweg übers Davoser Golfgelände zu führen. Das würde zweifelsfrei viele Bestrebungen und Umsetzungen, einer der attraktivsten Alpengolfplätze Europas zu sein, wieder zunichte machen.

Meine Wünsche für den GCD zeigen in die Richtung, wo der Wert des touristischen Angebotes sowohl bei den Behörden als auch innerhalb der Davoser Bevölkerung adäquat geschätzt wird und der sich, so hoffe ich, weiter im Bewusstsein der Menschen verankert. Zudem wünsche ich allen Mitarbeitenden und meinem Nachfolger Fabian Ryf fraglos eine erfolgreiche Zukunft! Für mich wurde die Zeit reif, mich beim Vorstand, den Mitarbeitenden, allen Golfenden und nichtgolfenden beruflichen Begleitern, wie etwa jene der DZ, für die schöne Zeit beim Golf Club Davos ganz herzlich zu bedanken.

Keine Frage: Ich werde die direkte Zusammenarbeit mit meinem ehemaligen Team vermissen, genauso wie meine Bestrebungen rund ums Wohl unserer Mitglieder und Gäste. Meine Liebe zum Golfspiel ist glücklicherweise durch meinen altersbedingten Ausschluss aus dem GCD-Tagesgeschäft nicht einfach verblasst; ergo werde ich all den liebgewonnen Menschen wieder sur place begegnen, wenn auch nicht mehr regelmässig und definitiv auf der anderen Seite der Theke beim Empfang. In der Zwischenzeit übe ich mich im Kürzertreten, und bereits die ersten zaghaften Schritte in diese Richtung zeigten mir, dass der Weg der richtige ist.

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