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Pflegeinteressierte auf Tiktok ansprechen

Die Spitex und Pflegeheime Graubünden setzen seit August auf die Social-Media-Plattform Tiktok – bisher mit Erfolg. Die Videos geben einen Einblick in den Schul- und Berufsalltag der Lernenden.

Südostschweiz
03.12.22 - 04:30 Uhr
Aus dem Leben
Dreharbeiten im Gange: Samira Blumenthal, Lernende Fachangestellte Gesundheit, nimmt bei der Flury Stiftung im Altersheim Jenaz ein Tiktok-Video auf.
Dreharbeiten im Gange: Samira Blumenthal, Lernende Fachangestellte Gesundheit, nimmt bei der Flury Stiftung im Altersheim Jenaz ein Tiktok-Video auf.
Bild Medienstelle Spitex und Pflegeheime Graubünden

Der Pflegefachmangel stellt auch die Bündner Gesundheitsbranche vor grosse Herausforderungen, wie die Medienstelle Spitex und Pflegeheime Graubünden in einer Mitteilung schreibt. Eine besonders wichtige Rolle komme deshalb der Ausbildung von eigenem Nachwuchs zu. Im Kanton Graubünden sind jährlich über 150 Lehrstellen im Bereich Pflege zu besetzen. Der Branche gelinge es jedes Jahr, für die Lehrstellen geeignete Kandidaten zu finden, obwohl die Zahl der Schulabgänger immer kleiner werde. Damit die Pflegeberufe weiterhin gesichert sind, bewerben die Betriebe nun ihr Lehrstellenangebot.

Keine falschen Vorstellungen vermitteln

Bei der Rekrutierung der Lernenden sei laut den Verantwortlichen etwas besonders zentral: Die Lehrstellen sollen mit Personen besetzt werden, die wirklich in den Beruf passen und für die Ausbildung geeignet sind. «Lehrabbrüche sind unbedingt zu vermeiden. Sie sind für alle Beteiligten mit viel Aufwand und Frust verbunden» erklärt Veronika Reichenbach, Ausbildungsverantwortliche in den Pflegeheimen Glienda in Andeer und Envia in Alvaneu. «Deshalb ist die Selektion entscheidend. Der Pflegeberuf ist erfüllend, abwechslungsreich und anspruchsvoll. Dazu muss man das nötige Rüstzeug mitbringen», sagt sie.

«Lehrabbrüche sind unbedingt zu vermeiden. Sie sind für alle Beteiligten mit viel Aufwand und Frust verbunden.»

Veronika Reichenbach, Ausbildungsverantwortliche in den Pflegeheimen Glienda und Envia

Wie die Medienstelle weiter vermeldet, spielt auch die Berufskommunikation eine wichtige Rolle. Die Spitex und Pflegeheime Graubünden haben sich zum Ziel gesetzt, ein möglichst realistisches Pflegeberufsbild zu vermitteln. Dazu gehöre, mit falschen Vorurteilen aufzuräumen und die positiven, aber auch herausfordernden Seiten des Berufs zur Sprache zu bringen. Deshalb bewirtschaften sie neben anderen Aktivitäten einen eignen Tiktok-Kanal. Dort kommen Lernende zu Wort:

Kanal der Jungen

«Tiktok ist ein Kanal der Jungen. Sie sprechen ihre eigene Sprache», sagt Monika Schnoz von «kommunikationsART», verantwortlich für die Kommunikation von Spitex und Pflegeheime Graubünden. «Deshalb lassen wir in den Tiktok-Videos Lernende zu Wort kommen.» Welche Themen angesprochen werden und auch, was dazu gesagt wird, entscheiden die Lernenden selbst, wie es in der Mitteilung heisst. Für die Ideenfindung und Produktion wurden mehrere Teams aus Lernenden und ihren Ausbildungsverantwortlichen gebildet. «Es macht mir grosse Freude, meinen Beruf auf Tiktok vorzustellen. Ich bekomme viele positive Rückmeldungen aus meinem Betrieb, aber auch meinem privaten Umfeld dazu», sagt Samira Blumenthal, Lernende Fachangestellte Gesundheit im Altersheim Jenaz.

Eine halbe Million Views

Seit August ist der Tiktok-Kanal nun aktiv. Innerhalb dieser kurzen Zeit konnten laut den Verantwortlichen rund eine halbe Million Menschen erreicht werden. Die Videos weisen im Schnitt knapp 30'000 Aufrufe auf. Das bis anhin erfolgreichste Video zum Arbeitstag einer Lernenden sei rund 165'000 Mal angeschaut worden. «Die Authentizität spielt eine wichtige Rolle. Alle Lernenden erzählen aus ihrer Perspektive ohne vorgegebenes Skript – so repräsentieren sie den Beruf optimal und sorgen für viel Wiedererkennung», sagt Noah Zygmont von der beauftragten Tiktok-Agentur «Finna». «Der Start ist unserer Meinung nach geglückt. Wir sind sehr zufrieden mit den Zahlen und auch den Rückmeldungen zu unseren Videos», ergänzt Schnoz. «Besonders erfreulich sind die vielen Interaktionen auf dem Kanal. Bereits mehrfach wurde nach offenen Lehrstellen gefragt». (red)

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