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Keine Bühnenshow, sondern Therapie: Hypnose

Hypnose ist keine spektakuläre Bühnenshow sondern ein Zustand erhöhter Aufmerksamkeit mit Fokus auf innere Bilder und Vorgänge – und das kann zur Therapie genutzt werden.

Aus dem Leben
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PDGR Monatsthema

Während jeweils eines Monats steht in verschiedenen Fachbeiträgen ein Psychiatrie-Thema aus unterschiedlichen Perspektiven im Fokus. Umrahmt wird das Monatsthema unter anderem von einer Beitragsreihe auf TV Südostschweiz, einem Thementag auf Radio Südostschweiz und verschiedenen Ratgeberbeiträgen in Bündner Tages- und Wochenzeitungen wie der Bündner Woche, Südostschweiz oder Bündner Tagblatt.

www.pdgr.ch/monatsthema

Was genau bei Hypnose im Gehirn geschieht, ist immer noch nicht vollständig bekannt. Neuropsychologische Untersuchungen zeigen, dass die Aktivität bestimmter Gehirnareale während der Hypnose reduziert ist: So sind beispielsweise in Trance diejenigen Hirnregionen, die für die Wahrnehmung zuständig sind, ausgeschaltet, während die für Gefühle und Phantasie zuständigen Areale sehr aktiv sind – so als würde man tatsächlich gerade etwas sehen, fühlen oder erleben. Die Hirnbereiche in denen Angst oder Schmerz verarbeitet werden, sind unter Hypnose nicht aktiv. Messungen der Gehirnströme zeigen, dass Schmerzreize unter Hypnose zwar ins Gehirn weitergeleitet werden, da aber anders verarbeitet werden und nicht ins Bewusstsein dringen.

2021 wurde eine höchst bemerkenswerte Überblicksstudie zur Effizienz von Hypnose zur Schmerzlinderung veröffentlicht. Die in dieser Studie erzielten Ergebnisse zeigen, dass die Wirkung der Hypnose im Allgemeinen mit der Wirkung anderer gängiger psychologischer Interventionen bei klinischen Schmerzen wie beispielsweise Ablenkung, Achtsamkeitstraining, kognitive Verhaltenstherapie oder auch Biofeedback durchaus vergleichbar ist. Forscher vermuten, dass die Hirnregionen unter Hypnose nicht nur unterschiedlich aktiv, sondern auch anders miteinander verknüpft sind. So kann also mittels Hypnose gespeichertes, erlerntes Schmerzempfinden verändert, der Schmerz gelindert oder gar gelöscht werden.

Die schmerzverringernde bzw. schmerzauflösende Wirkung der Hypnose basiert auf drei verschiedenen Zusammenhängen:

Der Schmerz kann von Emotionen gelöst werden, denn Gefühle wie Angst, Wut oder Trauer können die Schmerzwahrnehmung verstärken. In der Hypnotherapie können die den Schmerz begleitenden Emotionen bearbeitet und gelöst werden. So kann sich die Intensität des Schmerzes deutlich verringern. Weiterhin kann die Schmerzverarbeitung im Gehirn beeinflusst werden indem diese durch Hypnose verändert oder ganz ausgeschaltet wird – Die Meldung „Achtung! Schmerz!“ wird nicht gesendet. So können schwere chirurgische Eingriffe ohne Einsatz chemischer Anästhetika durchgeführt werden. Und zuletzt kann das Gefühl, den Schmerz kontrollieren zu können, die Intensität verringern. In der hypnotherapeutischen Schmerztherapie erlernen die Betroffenen zahlreiche Strategien um den Schmerz zu kontrollieren.

Erst kürzlich wurden die Ergebnisse einer Studie geteilt, die die Wirksamkeit von Hypnose zur Linderung von experimentellen, das heisst absichtlich zugeführten, Schmerzen untersuchte. Es zeigte sich auch in dieser Studie eine deutliche Verringerung der Schmerzempfindung nach Anwendung der Hypnose. Da es sich in diesem Fall jedoch um experimentell zugeführte Schmerzen handelt – die in der Regel zeitlich begrenzt, leicht mässiger Intensität und keine gesundheitlichen Auswirkungen haben – bleibt zweifelhaft, ob die in dieser umfangreichen Analyse erzielten Ergebnisse auch auf die Behandlung von klinischen Schmerzen übertragbar sind. Denn im Gegensatz dazu können klinische Schmerzen schwer, mit Hoffnungs- und Hilflosigkeit verbunden sein und zudem eindeutig gesundheitliche Folgen nach sich ziehen.

Wie jede andere Methode, so ist auch die Hypnosetherapie kein Wundermittel. Der Behandlungserfolg ist massgeblich von unterschiedlichen Faktoren abhängig, nämlich von der Komplexität und der Dauer des Bestehens des Schmerzzustandes, von der Bereitschaft des Patienten zum Loslassen des Problems sowie von der aktiven Mitarbeit. Jeder Mensch mit einem gesunden Gehirn kann sich hypnotisieren lassen, solange die Bereitschaft da ist, den Anweisungen der Therapeuten zu befolgen. Die Erfahrung zeigt, dass die Hypnosetherapie eine effiziente und wirksame Therapieform darstellt, so dass im Rahmen der sehr intensiven Sitzungen grosse Durchbrüche bewirkt werden können.

Autor: Franco Arnold ist Oberpsychologe in der Klinik Beverin der Psychiatrischen Dienste Graubünden.
Autor: Franco Arnold ist Oberpsychologe in der Klinik Beverin der Psychiatrischen Dienste Graubünden.
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