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«Psychologie begegnet uns an jedem Tag»

In ihrem Bestreben, ihrer Leserschaft immer einen Mehrwert zu bieten, ist die DZ auf Sandy Krammer gestossen. Sie ist Psychologin, schreibt gerne und wird zukünftig an dieser Stelle ihr Wissen teilen.

Barbara
Gassler
27.11.22 - 07:03 Uhr
Aus dem Leben
Von Sandy Krammer wird in der DZ  nun immer wieder mal zu lesen sein. 
Von Sandy Krammer wird in der DZ nun immer wieder mal zu lesen sein. 
zVg

DZ: Sandy Krammer, Sie werden in Zukunft psychologisch versierte Artikel für die Davoser Zeitung schreiben. Wir möchten Sie vorab gerne vorstellen. Wer sind Sie?

Sandy Krammer: Ich freue mich darauf, Beiträge zu verfassen. Gerne gebe ich ein paar Eckpunkte über mich bekannt. In beruflicher Hinsicht bin ich promovierte Psychologin und Psychotherapeutin FSP und habe einen Magister in Rechtswissenschaften (Kriminologie). In der Vergangenheit habe ich mich jahrelang im Bereich der Forschung bewegt und diverse Projekte im Bereich der psychologischen-forensischen Forschung unterstützt und geleitet. Im Laufe der Jahre wandte ich mich mehr und mehr der psychotherapeutischen Welt zu – habe aber immer noch einen Fuss in der Forschung. Mittlerweile führe ich selbständig eine psychotherapeutische Praxis mitten in Davos an der Promenade 77, was mich sehr erfüllt. Es ist wunderbar, Personen auf ihrem Weg in ein Leben mit (noch) höherer Lebensqualität begleiten und zu ebendieser beitragen zu dürfen. Daneben bin ich Autorin mehrerer Fachbücher – zum Beispiel widmete ich mich in einem meiner Werke der mitunter bizarren Welt der Psychosomatik. In einem anderen fokussierte ich auf Kinderprobleme und wie diesen begegnet werden kann. Weitere Bücher sind in Arbeit, die Ideen gehen mir wohl nie aus. In privater Hinsicht bin ich Mutter eines Kindes im Schulalter und bewege mich zudem enorm gerne in der faszinierenden Davoser Bergwelt, die mich schon angezogen hatte, ehe ich meinen Lebensmittelpunkt hierher verlegte.

Was fasziniert Sie an der Psychologie?

Die Psychologie begleitet mich mein ganzes Leben lang. Schon früh kam ich in Berührung mit Personen, die in mir Fragen aufwarfen. So erkrankte ein guter Freund aus meiner Jugendzeit an einer paranoiden Schizophrenie. Ich verbrachte viel Zeit mit ihm und wollte verstehen, was passierte, tat es aber in keinster Weise. Auch durfte ich – ebenfalls im Jugendalter – eine befreundete Psychotherapeutin in der Betreuung ihrer Patienten unterstützen. Ich erinnere mich, wie ich mit einer an Magersucht leidenden Personen für ein gemeinsames Abendessen einkaufen ging und sie mir berichtete, dass es hinsichtlich Kalorienanzahl Unterschiede zwischen den Tomatensorten gäbe. Ob das stimmt oder nicht, weiss ich bis heute nicht, doch auch nur der Gedanke daran wäre mir selbst nie in den Sinn gekommen. Und auch hier trachtete ich danach, zu verstehen, warum sich jemand darüber Gedanken machen und das eigene Essverhalten nach solch minimalen Differenzen in der Kalorienmenge ausrichten konnte. Warum jemand vor einem gefüllten Teller sitzend verhungern kann. Es gibt viele Momente und Begegnungen dieser Art. Wenn ich zurückdenke, haben sicherlich diese den Grundstein für mein psychologisches Streben gelegt.

Warum sollte die Öffentlichkeit über psychologische Themen informiert sein?

Weil statistisch betrachtet gemäss europaweiter, grossangelegter Studien etwa jede dritte Person irgendwann in ihrem Leben an irgendeiner psychischen Störung leidet. Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass man im Laufe des Lebens Personen begegnet, die psychisch belastet sind. Sei es in der eigenen Familie, an der Arbeit, in der Freizeit. Gegenseitiges Verständnis ist ein guter Schritt in Richtung gelingendes Miteinander. Und jeder von uns kann einen Unterschied für jemand anderen machen.

Doch nicht nur über psychische Störungen möchte ich schreibenderweise informieren. Darüber hinaus ziele ich darauf ab, die Davoser Zeitung mit Themen aus einem breiten psychologischen Spektrum zu versehen. Denn Psychologie begegnet jedem von uns an jedem Tag. Ob wir bei einer Aktion im Supermarkt zugreifen oder nicht, hat mit Psychologie zu tun. Ob wir die Massnahmen des Bundes zur Bekämpfung der Corona Pandemie umsetzen oder nicht, hat mit Psychologie zu tun. Ob wir unseren Mitarbeitenden ein guter Vorgesetzter sind oder ob man sich als Mitarbeitender dem Vorgesetzten anvertrauen mag, hat – Sie ahnen es – mit Psychologie zu tun. Wir leben eigentlich, Hand aufs Herz, in einer sehr psychologisch geprägten Welt.

Hatten Sie schon mit Suiziden zu tun?

Ich klopfe drei Mal auf Holz und darf sagen, dass sich noch keine meiner Patientinnen und keiner meiner Patienten suizidiert hat. Jedoch hat sich der oben erwähnte Freund aus Jugendtagen, der an paranoider Schizophrenie erkrankt war, suizidiert. Die andere vorhin erwähnte Patientin hatte sich zwar nicht suizidiert, doch war an den Folgen ihrer Magersucht verstorben. Ich bin sehr vorsichtig bei meinen suizidalen Patientinnen und Patienten und tue stets alles in meiner Macht Stehende, um dies zu verhindern. Deswegen spreche ich das Thema aktiv an. Es ist ein Irrtum, zu denken, dass damit ein schlafender Hund geweckt werden würde. Gibt es einen Hund, ist dieser sowieso schon wach, und das Ansprechen auf mögliche Suizidalität kann ebendiese verhindern, das Nicht-Ansprechen kann ebendiese übersehen, was fatal enden kann.

Noch was zum Schluss?

Ich freue mich auf die Zusammenarbeit! Ein erster Beitrag aus dem Themenfeld der Psychosomatik erscheint in Bälde, ein weiterer ist bereits in Arbeit.

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