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Pendeln für die Gesundheit 

Wenn sein Arbeitstag in Chur endet, schwingt sich Thomas Perren zwischen Mai und September auf sein E-Rennvelo und fährt damit nach Hause nach Davos. Am Morgen hatte er schon die umgekehrte Strecke bewältigt.

Barbara
Gassler
02.11.22 - 11:34 Uhr
Aus dem Leben
bg

«Das ist ökologisch, günstig und gesundheits­fördernd», sagt Thomas Perren dazu.

Nein, er sei kein «Vergifteter», und er habe auch nichts mehr zu beweisen, sagt der Orthopäde am Kantonsspital Graubünden und Spital Davos. «Ich mache das ganz alleine für mich und für meine Gesundheit. Doch es macht auch Spass.» Mit dem Velo am Morgen nach Chur und nach einem zehnstündigen Arbeitstag wieder zurück? Da sind Fragezeichen doch wohl erlaubt. Natürlich helfe die elektronische Unterstützung, lacht Perren ob der Zweifel. «Ich weiss nicht, ob ich es ohne geschafft hätte.» Doch, auch mit E-Rennvelo, warum tut man sich so etwas an?

Auszeit zum Nachdenken

Angefangen hat es vor drei Jahren zu Beginn der Coronapandemie. Eine aus Afrika mitgebrachte Infektion bescherte Perren einen zehntägigen Aufenthalt in einem Spitalbett. «Da hatte ich Gelegenheit, mir Gedanken über meinen eigenen Gesundheitszustand zu machen», erzählt der Arzt. Die Erkenntnis war ernüchternd: «25 Jahre lebte ich nur für den Beruf und die Familie. Wenn ich gesund alt werden will, ist es an der Zeit, etwas für mich zu tun.» Denn Gesundheit sei nicht nur ein Geschenk, ist Perren überzeugt. Es liege an jedem einzelnen, Verantwortung zu übernehmen und etwas dafür zu tun. Mit seinen fast sechzig Jahren habe auch er erste Altersbeschwerden festgestellt.

So fing er mit Langlaufen an – «Aufgrund alter Sportverletzungen brauche ich eine gelenkschonende Betätigung.» – und beschloss, nach der Schneeschmelze ein bis zweimal pro Woche seinen Arbeitsweg mit dem Velo zurückzulegen. Seither steigt er zwischen Mai und Oktober rund 25 Mal um 5.20 Uhr auf sein Rennvelo. Einige Minuten nach sieben ist er im Kantonsspital, wo er nach einer raschen Dusche um 8.30 Uhr bereit für die Arbeit ist. Etwas länger dauert die Fahrt auf dem Rückweg. «Da breche ich nach Möglichkeit um sechs Uhr auf und bin dann gegen zwanzig nach acht zu Hause.» Dank moderner Technik sei das möglich, und er habe an sich selber beobachten können, wie gut das tue. «An solchen Tagen betreibe ich zwar vier Stunden Sport, aber ich fühle mich topfit, habe weniger Hunger und bin völlig entspannt.» Ganz anders sei es, wenn er den Weg mit dem Auto zurücklege. «Ist man einmal zu Hause und hat sich hingesetzt, kommt man doch kaum mehr hoch», beschreibt er einen vielen nur allzu vertrauten Zustand.

Eng mit der Natur verbunden

Unterwegs mit dem Velo geniesst Perren hingegen die schöne Landschaft und erlebt den Wechsel der Jahreszeiten hautnah mit. «Ausser auf der Strecke zwischen Davos und Klosters – dort ist die Situation wirklich unbefriedigend – kann ich dem Verkehr auf der Hauptstrasse immer ausweichen», erzählt er. Erst wenn die Tage kürzer werden und er dadurch im Dunkeln aufbrechen müsste, verzichtet Perren wieder auf das Zweirad. Ausserdem, wenn es zu kalt wird. «Bei weniger als fünf Grad macht es keinen Spass mehr.» Nicht abhalten kann ihn hingegen die Nässe. «Wenn man mal erst auf dem Rad sitzt, macht einem auch ein Regenguss nichts mehr aus.» Allerdings brauche man dabei schon eine gute Ausrüstung.

Davos ist zu klein

Inzwischen braucht Perren das Rad auch für Ausflüge. Mit Kollegen oder alleine. Einmal nach Meran, ein anderes Mal nach Zermatt. Davos ist inzwischen zu klein. «Hinein ins Dischma könnte ich ohne elektrische Unterstützung dreimal fahren und wäre noch immer nicht müde.» Aufgrund der positiven Veränderungen, die er durch das Radfahren bezüglich Fitness, Körpergewicht und Zufriedenheit erfahren hat, möchte er auch andere inspirieren, es auch zu versuchen. Ein erster Kollege tue es ihm auf einer kürzeren Strecke inzwischen gleich und sei begeistert. «Es ist ein aktiver Beitrag, mit zunehmendem Alter gesund und leistungsfähig zu bleiben», schliesst Perren.

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