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Ortsbus-Chauffeur seit über 36 Jahren

Man mag sich gar nicht ausrechnen, wie oft er die Strecke von und nach Klosters gefahren ist. Tatsache ist aber, dass Hanspeter Rüedi seit Inbetriebnahme des Ortsbusses Klosters am Steuer sitzt.

Conradin
Liesch
19.02.22 - 12:07 Uhr
Aus dem Leben
er Serneuser Hanspeter Rüedi hat in seiner Ortsbus-Zeit Allerhand erlebt.
er Serneuser Hanspeter Rüedi hat in seiner Ortsbus-Zeit Allerhand erlebt.
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Obwohl ihm das «Chlütterlä» mit Motoren eines der liebsten Hobbys ist, hat Hanspeter Rüedi, der aus einer Bauernfamilie stammt, ursprünglich eine Lehre am Plantahof als Landwirt absolviert. Danach arbeitete er als Skilehrer, fuhr später Taxi und Krankenwagen und war als Lastwagen-Chauffeur weit herum unterwegs. Das war er auch, als er sich für eine Saison lang bei einem Formel-2-Rennteam verdingte: «Wir mussten jeweils die Wagen von Rennplatz zu Rennplatz transportieren und kamen in ganz Europa herum.» Während der Rennen wurde er jeweils hektisch, wenn die Reifen gewechselt werden mussten.

Später arbeite er als Postautochauffeur in Soglio und St. Moritz, bevor er am 1. Dezember 1985 zum Start der Ortsbusbetriebes seine Stelle in Klosters antrat. Das heisst, eigentlich schon einen Monat früher, denn schliesslich mussten die Fahrzeuge «zuehigrobet» und eingerichtet werden.

Rüedi empfand den Ortsbus von der Startphase an als «mis Poppi», wie er lachend erzählt, den er mit guten Kollegen ins Rollen brachte. Doch er war nicht nur als Fahrer unterwegs: Fast 28 Jahre hat er auch die Fahrpläne betreut – eine eher kopflastige Arbeit natürlich.

Erstmals Skier im Bus

Der Ortsbus Klosters war in den ersten zwei Jahren mit einer bestimmten Sorte Niederflur-Busse unterwegs, an die sich die alten Chauffeure noch erinnern – jedoch kaum sehr gerne: «Die Büss sind innert zwei Jaar fascht zerkiid», erinnert sich Hanspeter an die unseligen Fahrzeuge.

Dennoch wurde der Ortsbus Klosters als Schweizer Versuchsbetrieb geführt. Es war nämlich erstmals so, dass sie Passagiere ihre Skier nicht mehr in die hinten angebrachten Körbe stellen mussten, sondern ins Fahrzeug mitnahmen.

Von 5 auf 20

In all den Jahren hat sich natürlich einiges geändert. Einerseits personell: «Zuerst waren wir fünf Chauffeure. In den ersten zwei Jahren waren vier an Werktagen unterwegs, drei am Samstag und einer am Sonntag; im Winter kamen drei weitere dazu. Mittlerweile sind es über 20.» Die Chauffeure sind aber immer noch die ersten Ansprechpartner am Bahnhof Klosters. Während eines Dienstes spulen die Fahrer zwischen 100 und 120 Kilometer ab. «Man muss halt damit rechnen, zu allen Zeiten kommen und gehen zu müssen», sagt er.

Doch auch die Beschaffenheit der Fahrzeuge ist eine andere: «Früher konnte man vielleicht mit Schraubenzieher und Sackmesser bei einem Defekt noch etwas ausrichten. Heute muss das Fahrzeug wegen der vielen Elektronik an Bord so oder so nach Chur gebracht werden und wird an den Laptop gehängt».

Mittlerweile ist auf jeder Linie alle halbe Stunde ein Bus unterwegs und der Ortsbus Klosters wird durch die Post selber organisiert und nicht mehr durch einen Halter. Ausserdem ist alles «digitaler» geworden.

Als Erleichterung empfindet Rüedi die Inbetriebnahme der Umfahrung Klosters mit dem Gotschnatunnel, dadurch hat der Verkehr im Ort schon massiv nachgelassen. Er erinnert sich an eine Fahrt, als er mit dem Bus an einem Samstag in Klosters um 12.10 in Klosters abfuhr und erst um 16 Uhr in Serneus ankam. «Ausser einer schwangeren Frau waren alle anderen Passagiere im Laufe der Fahrt ausgestiegen und hatten den Weg unter die Füsse genommen», erinnert er sich.

Geblieben sind ihm auch die Fahrten im Lawinenwinter 1999, etwa als auf der Strecke von Serneus nach Klosters Dorf vor und hinter dem Bus Lawinen auf die Strasse krachten. Bei einer Fahrt wurde die Strasse nach Monbiel just gesperrt, als er hinten angekommen war. So wurde ihm beschieden, er solle erstmals in den «Höhwald» Znacht essen gehen. Ein anderes Mal musste ihm Märk Vogt die Ketten nach Monbiel bringen, damit er wieder zurückfahren konnte. Dennoch sagt er: «Es ischt ä hübschi Zyt gsin.»

Ins zweite Glied

Hanspeter Rüedi wird am 20. Februar 65 Jahre alt. Daher reduziert er sein Pensum natürlich: «Man wird nach so langer Zeit oft etwas betriebsblind», schätzt er ein. Wir aber dürfen wir ihn zum Glück doch noch etwas als Ortsbus-Chauffeur geniessen!

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