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Junge Metallbauer wandeln auf den Spuren von da Vinci

In Pfäffikon SZ entstehen fünf Katamarane, die durch blosse Muskelkraft angetrieben werden. Angefertigt werden sie von den Metallbauern im dritten Lehrjahr, zu denen auch ein junger Glarner gehört. 

Südostschweiz
15.02.23 - 04:30 Uhr
Leben & Freizeit
Präsentieren ein Detail ihres Schaufelrad-Katamarans: Elijah Loser (von links), der Glarner Cyril Steinmann, Gianlucca Rupp und Lars Nigg.
Präsentieren ein Detail ihres Schaufelrad-Katamarans: Elijah Loser (von links), der Glarner Cyril Steinmann, Gianlucca Rupp und Lars Nigg.
Pressebild

Leonardo da Vinci (1452–1519) wird nachgesagt, dass er das grösste Universalgenie der Menschheit war. Unter anderem entwarf der italienische Maler und Erfinder ein Schaufelradboot mit Pedalen. Bei näherer Betrachtung zeigt sich allerdings, dass sein Modell nicht fahrtauglich gewesen wäre. Zum einen fehlt ein Mechanismus, der die Pedale bewegt. Zum andern hat da Vinci wesentliche Gedankengänge nicht sauber zu Ende geführt, sodass ein Getriebeschaden vorprogrammiert wäre. Gut also, dass er seine Erfindung nie gebaut oder in Auftrag gegeben hat. Er wäre damit glorreich gescheitert.

Anders soll es den Dritt-Lehrjahr-Metallbauern am Berufsbildungszentrum Pfäffikon SZ ergehen. Die 19 Lernenden aus den Kantonen Schwyz, Luzern, Zürich, St.  Gallen und Glarus haben den Auftrag erhalten, in Gruppen einen Schaufelrad-Katamaran zu bauen, der ausschliesslich mit der Muskelkraft von zwei Personen angetrieben wird. Das Boot soll zudem Platz für zwei weitere Personen bieten.

Während eines der Boote mit Musikboxen ausgestattet werden soll, wird auf einem anderen ein Tisch mit integriertem Getränkehalter zu stehen kommen.

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Im Januar fiel der Startschuss für das fächerübergreifende Langzeitprojekt. Derzeit entwerfen die Lernenden am Computer mithilfe eines speziellen Zeichnungsprogramms Grundrisse, Quer- und Längsschnitte sowie Detailzeichnungen. Zwar haben sie vorgängig einen Kurs besucht, um die Anwendung des Programms zu erlernen, trotzdem ist die Arbeit am Computer ungewohnt für die angehenden Metallbauer.

«Im Arbeitsalltag bekommen wir fertige Pläne vorgesetzt, die wir dann umsetzen müssen», erklärt der Lernende Sebastian Jäger. «Dass wir selber zeichnen müssen, ist herausfordernd. Es setzt ein sehr gutes räumliches Vorstellungsvermögen voraus.»

Tipps vom Fachmann

Die zweite Herausforderung ist mathematischer Natur. Die Lernenden müssen diverse Berechnungen anstellen, schliesslich darf das Boot nicht untergehen. Dabei spielen unter anderem das Gewicht von Bootsaufbau, Schwimmer oder Nutzlast eine Rolle. Gleichzeitig müssen Faktoren wie Wasserverdrängung oder Eintauchtiefe berücksichtigt werden.

Die Lernenden waren deshalb froh, dass mit Björn Hensler kürzlich ein Schiffbauingenieur im Unterricht anwesend war, der ihnen den einen oder anderen entscheidenden Hinweis gab, damit die Konstruktion auch wirklich gelingt und das Boot fahrtüchtig ist.

Mit gewissen Extras ausgestattet

Abgesehen von den maximalen Längen- und Breitenmassen sowie einigen Sicherheitsmassnahmen, die beachtet werden müssen, gibt es seitens Berufskundelehrer Rolf Züger keine Vorschriften. So ist es den Gruppen beispielsweise freigestellt, wie die Kraftübertragung auf die Schaufelräder geschehen oder ob die Steuerung über ein Wenderuder oder über zwei separat angetriebene Schaufelräder erfolgen soll.

Die Lernenden wissen die gestalterischen Freiheiten durchaus zu nutzen. Ein Blick auf die Zeichnungen zeigt, dass die fünf Katamarane in Bezug auf Form und Materialien unterschiedlicher nicht sein könnten. Unbestritten haben die angehenden Metallbauer auch ein Flair für das Praktische. Während eines der Boote mit Musikboxen ausgestattet werden soll, wird auf einem anderen ein Tisch mit integriertem Getränkehalter zu stehen kommen. Eine weitere Gruppe hat zwei der vier Sitzgelegenheiten als Liegestühle konzipiert und beabsichtigt ausserdem, ihren Katamaran mit einem Grill zu bestücken.

Vor der Grill-and-Chill-Party zu Wasser müssen die Lernenden die Katamarane in der Werkstatt aber erst noch zusammenbauen. Dazu haben sie insgesamt fünf Arbeitstage Zeit. Am 24. Mai treten sie in Altendorf in der Nähe des Strandbads bei einer Regatta gegeneinander an. (eing)

Was macht ein Metallbauer?

Metallbauerinnen und Metallbauer konstruieren architektonische Elemente vorwiegend aus Stahl, Edelstahl und Aluminium. In der Werkstatt stellen sie allein oder im Team beispeilsweise Geländer, Fenster, Türen, Pergolas oder Fassadenteile her, die sie danach auf der Baustelle montieren. Die Berufslehre dauert vier Jahre. Die fächerüber-greifende Projektarbeit ist seit 22 Jahren fester Bestandteil der Ausbildung der Metallbauer am Berufsbildungszentrum in Pfäffikon SZ. Das Thema variiert allerdings. In den Jahren zuvor wurden unter anderem Sitzgelegenheiten, Hochbeete, Uhren, Treppen oder Seifenkisten gebaut. (eing)

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