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Nachhaltig auch neben dem Eis

Der HC Davos will auf verschiedenen Ebenen nachhaltig werden. Eine davon ist die Förderung und Koordination des eigenen Nachwuchses. Dafür wurde unter anderem das Herbert Batliner-Haus umgebaut.

Pascal
Spalinger
24.02.23 - 07:00 Uhr
Leben & Freizeit
Das Herbert Batliner-Haus dient auch als HCD-Juniorencampus.
Das Herbert Batliner-Haus dient auch als HCD-Juniorencampus.
Pascal Spalinger

«Uns ist bewusst, dass wir nie ein perfekt nachhaltiger Verein sein werden. Dafür bietet der Umstand, dass Reisen und Konsum zu unserem Geschäft gehören und wir tausende von Menschen mobilisieren, schon in Sachen Ökologie viele nur schwer überwindbare Hürden. Aber wir möchten mit unseren Taten und unserem Engagement beweisen, dass wir uns Gedanken machen über unser Tun und über dessen Konsequenzen», erklären die HCD-Verantwortlichen auf der Homepage www.nachhaltigaktiv.hcd.ch.  

Einige Massnahmen haben die HCD-Verantwortlichen bereits in die Tat umgesetzt. Eine der drei letzten war die kommunizierte Zusammenarbeit mit den Thurgau Indian Ladies, wodurch der HCD in der nächsten Saison ein Damenteam in der höchsten nationalen Spielklasse ins Rennen schicken wird. Weiter wurden während des Spengler Cups im Fanzelt erstmals Mehrwegbecher verwendet, und zuletzt absolvierte man am 4. Februar gegen die SCL Tigers das erste Nachhaltigskeits-Meisterschaftsspiel der Geschichte. «Zu den speziellen Massnahmen an diesem Tag gehörten unter anderem die kostenlose Anfahrt mit der RhB, eine Skoda E-Auto-Ausstellung, eine Verkostung veganer Party-Sticks, das Spielen in Sondertrikots aus Pet-Stoff oder der Hinweis unserer Teilnahme am Klimafonds Davos. Über 900 RhB-Mitarbeitende wohnten dem ausverkauften Spiel bei, das vom HCD 6:3 gewonnen wurde», vermelden die Verantwortlichen auf der erwähnten Homepage weiter.

Nachhaltigkeit lässt sich jedoch nicht nur auf dem ökologischen und ökonomischen, sondern beispielsweise auch im sozialen Bereich – etwa in der Nachwuchsarbeit – erreichen. 

Juniorenzahl steigern

Bei den sozialen Nachhaltigkeitszielen nimmt die Nachwuchsbetreuung einen zentralen Stellenwert ein. So will der HCD die Juniorenzahl von gegenwärtig rund 160 auf 175 steigern. Zudem soll bis 2024 eine professionelle Infrastruktur  geschaffen werden, «welche die menschliche und sportliche Entwicklung der Spieler fördert», wie sich die Verantwortlichen ausdrücken. Einige Projekte wurden bereits in die Tat umgesetzt. So werden beispielsweise dank des Projekts «Chindergarta gaht uf’s Iis» seit diesem Jahr Vorschul-Kinder für den Eislauf begeistert.

Ein richtiger «HCD-Campus»

Ein grosser Brocken und ebenso grosser Schritt in Richtung Nachhaltigkeit ist der kürzlich abgeschlossene Umbau des Herbert Batliner-Hauses. Nun können dort 21 Junioren untergebracht werden, jeder in seinem eigenen Zimmer. Zudem wurde jemand eingestellt, der die Junioren – aktuell 16 an der Zahl – rund um die Uhr betreut. Zudem ist Tina Dyck als «Chief Education Officer» für die Persönlichkeitsentwicklung der Jung-Hockeyaner verantwortlich, und der ehemalige HCD-Spieler Félicien Du Bois fungiert als Talentmanager für die Athleten und als Bindeglied zwischen dem HC Davos und den Schulen (SSGD, SAMD etc.). «Wir sagten uns, wenn wir etwas hinstellen, dann muss es etwas sein, das Jugendlichen im Alter ab 15 Jahren, die allein in Davos weilen, gerecht wird», erklärt HCD-Ausbildungschef René Müller auf Anfrage. Das Resultat darf sich durchaus sehen lassen: Entstanden ist ein veritabler «HCD-Campus» – so steht es am Eingang geschrieben. Die Junioren profitieren von einer Rundum-Betreuung, werden aber auch in die Selbstständigkeit geführt. So sind sie beispielsweise selber dafür zuständig, dass Zimmer, Aufenthaltsraum und Küche sauber und aufgeräumt sind. Zudem waschen sie ihre Kleidung selber – ausser die Bettwäsche. Es gebe klare Hausregeln, stellt Müller klar. «Die Jungs ziehen bisher aber sehr gut mit.» Vom Angebot begeistert zeigen sich auch die Eltern. «Wir können unseren Sohn ruhigen Gewissens seinen Hockeytraum leben lassen, da wir ihn nicht nur auf, sondern auch neben dem Eis bestens betreut wissen», meinen die Eltern von Guus van der Kaaij, der aus St. Moritz zum HCD wechselte und als Verteidiger bei der U17 Elit sowie in der Schweizer U16-Nationalmannschaft spielt. 

«Wir sind glücklich, aber . . .»

Gegenwärtig sind die Nachwuchsverantwortlichen glücklich mit der Situation. Der HCD könne – bereits erwähnten – Nachhaltigkeitsziele besser erreichen und habe mit dem Herbet Batliner-Haus einen Campus von nationalem Vorbild-Charakter, meint Müller nicht ohne Stolz. Aber auch er weiss, dass man nicht stehen bleiben darf, will man nicht eines Tages den Anschluss im nationalen Vergleich verlieren. «Wir müssen und werden uns ständig weiterentwickeln. So können wir für Junioren aus Davos, Graubünden und dem Unterland attraktiv bleiben.»

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