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Grosses Interesse an Infos über den Wolf

Viel mehr Interessierte als erwartet, rund 220 Personen, fanden sich am Dienstagabend in der «Arena» ein, um sich aus erster Hand über die Wolfsproblematik und mögliche Lösungen zu informieren.

Conradin
Liesch
06.04.22 - 10:00 Uhr
Leben & Freizeit
Auch der «höchste Bündner Jäger», Adrian Arquint, war am Infoabend mit einem Referat zugegen.
Auch der «höchste Bündner Jäger», Adrian Arquint, war am Infoabend mit einem Referat zugegen.
KZ

Nach der Begrüssung durch den Gemeindepräsidenten Hansueli Roth legte Gemeindevorstand Andreas Ruosch den Blickwinkel der Gemeinde dar. Die Problematik Wolf war für die Gemeinde endgültig spürbar geworden, als 2021 in einer Nacht in Fraschmardenn 16 Schafe gerissen wurden; sie habe aber auch im vergangenen Winter durch zahlreiche Risse noch an Brisanz gewonnen.

Den Hauptteil des Abends bildeten vier Referate: Adrian Arquint, Leiter des Bündner Amtes für Jagd und Fischerei, erklärte, dass die Bildung eines Rudels in Klosters wahrscheinlich sei. Derzeit weise die Schweiz 16 Wolfsrudel auf; die Population würde sich alle zwei bis drei Jahre verdoppeln. «Vor allem die Risse in geschützten Bereichen machen Sorge», führte er weiter aus, «diese Wölfe müsste man aus dem Verkehr ziehen. Es braucht auf politischer Ebene jedoch weitere Instrumente, um dem Wolf zu begegnen». Gegenwärtig seien im Prättigau zwei Wolfspaare unterwegs.

Zeitnahe Regulation gefordert

Peter Küchler, Direktor des Plantahofs, erklärte, die Landwirtschaft befinde sich hier in der Defensive und der Herdenschutz stosse an Grenzen. Problematisch sei geworden, dass sich die Aggression des Wolfes mittlerweile auch gegen das Grossvieh und Pferde richte, zudem  gegen Hirten. Zum Umstand, dass der Wolf immer noch geschützt sei, komme dazu, dass etwa Zäune für das Raubtier keine Gefahr darstellten, sondern nur Hindernisse, die es zu überwinden lerne. «Es braucht eine zeitnahe Regulation», schloss er, «der Wolf muss lernen, dass der Mensch ebenso eine Gefahr ist und nicht nur ein Hindernis.»

Martin Sgier aus Lumnezia erzählte von den Erfahrungen in seiner Gemeinde. «Bei einer Koexistenz von Landwirtschaft, Tourismus und Wolf würden die ersten zwei weichen, aber der Wolf nicht», erklärte er, «man muss die Wolfsregulierung kantonal umsetzen!»

Bezirkstierarzt David Walser zeigte schliesslich auf, dass in einem Ort wie Klosters verschiedene wichtige Faktoren wie Tourismus, Naherholungsgebiet für Einheimische, Alp- und Landwirtschaft, aber auch die Jagd, mitbestimmend seien und ergänzte, dass sich das Verhalten der Wildtiere geändert habe und diese mittlerweile schwerer zu bejagen seien. «Rund 3560 Nutztiere verbringen den Sommer auf Klosterser Alpen und leisten dabei einen grossen Beitrag an die Landschaftspflege», erklärte er und zeigte auf, welche Aufgaben die lokale Kerngruppe Wolf wahrnimmt.

Kerngruppe Wolf

Die Kerngruppe, datiert und überwacht wolfsspezifische Ereignisse. Sie besteht aus verschiedenen Interessensvertretern:

  • Hansueli Roth, Gemeindepräsident
  • Andreas Ruosch, Departementschef Forst und Landwirtschaft
  • Vinci Carrillo, Departementschef Tourismus
  • Hubert Schöpfer, Gemeindepolizei
  • Georg Florin, Präsident Bauernverein Prättigau
  • Hans Ueli Wehrli, Präsident Ziegenzuchtverband
  • Stefan Rauch, Wildhüter Bezirkschef
  • David Walser, Tierarzt
  • Stefan Geissmann, Berater Plantahof
  • Anton Hartmann, Alpkorporation Schlappin
  • Christian Caspar, Alpkorporation Schlappin

Die Kerngruppe ist einerseits Ansprechsorganisation für Probleme auf Gemeindegebiet als auch Verbindungsglied zu übergeordneten Organisationen wie etwa das Amt für Jagd und Fischerei. Sie beurteilt das Verhalten einzelner Herden, erarbeitet mögliche Notfallkonzepte und trifft Sofortmassnahmen.

Bei der anschliessenden Fragerunde wurden ergänzende Anmerkungen zum bereits Gehörten gemacht. Georg Florin, Präsident des Bauernvereins Prättigau, brachte seine Meinung unmissverständlich auf den Punkt: «Als Bauer sage ich: Ein Miteinander, das geht nicht.»

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