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Glarner Feministinnen wollen wissen, wo Frauen belästigt worden sind

Das Feministische Kollektiv Glarus möchte auf Catcalling aufmerksam machen. Mit Kreide wollen sie die Geschichten jener aufschreiben, die von anzüglichen Rufen oder Pfiffen belästigt wurden.

Loris
Piva
23.11.22 - 04:30 Uhr
Aus dem Leben
Gegen Catcalling: Leana Meier lanciert mit dem Feministischen Kollektiv Glarus ein Projekt gegen anzügliche Pfiffe und Rufe auf der Strasse. 
Gegen Catcalling: Leana Meier lanciert mit dem Feministischen Kollektiv Glarus ein Projekt gegen anzügliche Pfiffe und Rufe auf der Strasse. 
Leana Meier

Auf dem Boden des Glarnerlands werden bald Geschichten stehen. Erzählt werden sie von anonymen Betroffenen, die Catcalling erlebt haben. Aufgezeichnet werden sie von den Mitgliedern des Feministischen Kollektivs Glarus.

Laut Medienmitteilung des Feministischen Kollektivs Glarus sind «Catcalls», auf Deutsch «Katzenrufe», sexuell anzügliche Rufe, Pfiffe und Laute auf öffentlichem Raum gegenüber Frauen. Teilweise geht Catcalling auch mit einem übergriffigen Verhalten einher. Da Rufe oder Pfiffe oberflächlich gesehen oft harmlos wirken, sind sie eine eher schwer zu erfassende Form von Gewalt. «Die Auswirkungen von Catcalls sind sehr unterschiedlich, oftmals berichten Betroffene zum Beispiel im Nachhinein von Schlafstörungen», so Leana Meier, Mitglied des Kollektivs. Weiter könnten Angstzustände eine mögliche Folge von verbaler sexueller Belästigung sein, so Meier weiter. 

«Je nachdem, wie eine Betroffene darauf reagiert, kann das bei ihr bis zu einer Schlafstörung führen.»

Leana Meier, Mitglied Feministisches Kollektiv Glarus

Geschichten sichtbar machen

«Das Problem im Glarnerland ist, dass man denkt, dass Catcalling hier weniger passiere als in anderen Kantonen», sagt Meier. Zwar kämen Catcalls im Glarnerland zahlenmässig seltener vor als in grösseren Kantonen, im Verhältnis zu der Einwohnerzahl sei das Problem aber dasselbe. «Fast jede Freundin von mir hat Catcalling schon einmal erlebt», so die 19-Jährige. «Es kann nicht sein, dass man sich fürchtet, am Abend alleine durch Glarus zu gehen.»

«Es kann nicht sein, dass man sich fürchtet, am Abend alleine durch Glarus zu gehen.»

Leana Meier, Mitglied Feministisches Kollektiv Glarus

Um auf dieses Thema aufmerksam zu machen und mehr Menschen zu sensibilisieren, lanciert das Feministische Kollektiv Glarus das Projekt «Gegen Catcalls in Glarus». «Wenn wir damit auf das Problem aufmerksam machen können, dann hat das Projekt den Nutzen schon erfüllt», sagt Meier.

Betroffene können anonym vom 25. November bis am 10. Dezember ihre Erlebnisse per Mail an  info@fkgl.ch oder Website über einen QR-Code ihre Erlebnisse schildern. Die Mitglieder des Kollektivs werden diese mit Kreide auf die Stelle des Geschehens schreiben und Bilder davon über soziale Medien veröffentlichen. Die Daten für den Projektstart und das Projektende wurden nicht beliebig gewählt: Der Start ist am internationale Tag gegen Gewalt an Frauen und das Ende am Tag der Menschenrechte. 

Loris Piva hat im Sommer 2022 die Kantonsschule in Glarus mit Maturität abgeschlossen - und noch kein konkretes Berufsziel. Er mag das Leben im Kanton Glarus und geht in seiner Freizeit gerne aufs Velo. Mehr Infos

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