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Erfolgreiche Hilfe für ukrainische Exilanten

Das Netzwerk «Kirchen helfen - Prättigau» wurde in den letzten Monaten zur Anlaufstelle, wenn es um ukrainische Flüchtlinge ging. Nun ziehen die Verantwortlichen eine erste Bilanz.

Klosterser
Zeitung
10.07.22 - 18:00 Uhr
Aus dem Leben
Flüchtlinge werden an der polnischen Grenze in Empfang genommen.
Flüchtlinge werden an der polnischen Grenze in Empfang genommen.
Mayk Wendt

Innerhalb von wenigen Tagen entschieden sich die Prättigauer Kirchen anfangs März an die ukrainisch- polnische Grenze zu fahren, um dort Exilantinnen und Exilanten aus der Ukraine in die Schweiz zu transportieren und zu betreuen. Das Netzwerk «Kirchen helfen - Prättigau» wurde in den letzten Monaten zur Anlaufstelle, wenn es um ukrainische Flüchtlinge ging. Nun ziehen die Verantwortlichen eine erste Bilanz.

Wie prägend das Projekt für das Prättigau, aber auch für weitere Gebiete im Kanton waren, zeigt bereits die Definition «Exilant:innen», welche aktuell häufig in Zusammenhang mit ukrainischen Flüchtlingen gebraucht wird. Entwickelt wurde die Bezeichnung an einer der zahlreichen Sitzungen des Planungsteams gemeinsam mit weiteren Freiwilligen.

In wenigen Stunden 47 Flüchtlinge untergebracht

Die Solidarität war und ist nach wie vor überwältigend. 47 Ukrainerinnen und Ukrainer konnten innerhalb nur wenigen Stunden in Gastfamilien untergebracht werden. In der Zwischenzeit konnten die meisten Exilantinnen und Exilanten des Projekts bereits eine eigene Wohnung beziehen.

Viel Geduld benötigten das Planungsteam, die Gastfamilien, die über 50 Freiwilligen und die Exilantinnen und Exilanten bei der Anerkennung ihres Schutzstatus S. Dieser erfolgte, im Vergleich zu anderen Geflüchteten sehr spät. Anfangs waren die Behörden überfordert, was dazu führte, dass früh eingereiste Personen erst sehr spät erfasst wurden. Gleichzeitig stellen die Organisatoren aber auch fest, dass die Zusammenarbeit mit dem Kanton Graubünden von der ersten Minute an sehr gut funktioniert hat und ein reger Austausch stattgefunden hat.

Auch die Betreuung der Gastfamilien war sicherlich ein Pluspunkt des Netzwerkes. Dank des Kirchennetzwerks war es möglich, passende Familien auszusuchen und persönlich zu begleiten.

Der Deutschunterricht in Seewis-Pardisla wurde bereits eingestellt. Eine Gruppe von engagierten Exilantinnen und Exilanten erhielten die Möglichkeit den Deutschkurs in Davos, welcher vom Sozialamt organisiert wird, zu besuchen.

Die Organisation «Licht im Osten» hatte einen Aufruf zum Sammeln von Hygieneprodukte gemacht. Dem konnte «Kirchen helfen – Prättigau» in Zusammenarbeit mit der FEG Schiers nachgekommen. Vergangenen Dienstag wurden 100 Pakte mit Hygienemittel geliefert. Weiter wurden weitere Paletten mit Mahlzeiten nach Frauenfeld ins Zentrallager von «Licht im Osten» gebracht. Geschätzt konnte das Netzwerk «Kirchen helfen – Prättigau» zwischen 35 000 und 40 000 Mahlzeiten liefern.

Genügend finanzielle Mittel vorhanden

Langsam kehrt Ruhe in das Projekt ein. Verschiedentlich braucht es noch Unterstützung bei Behördengängen oder bei
Anliegen in den Schulgemeinden. Das Projektteam wird, ausser eines Begegnungsabends im September, keine weiteren Anlässe planen.

«Kirchen helfen – Prättigau» ist ein wegweisendes Projekt, welches die Zusammenarbeit aller Kirchgemeinden und Pfarreien im Prättigau vereint hat. «Kirchen helfen – Prättigau» bedankt sich bei allen, die das Projekt mit Spenden unterstützt haben. Aktuell sind genügend finanzielle Mittel vorhanden. Deshalb wird explizit darum gebeten, kein Geld mehr für das Projekt zu sammeln.

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