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Ein letzter Glanzpunkt

Am Samstag, 29. Oktober, ist Finissage der Ausstellung «Mythos Davos», bei der sich hiesige Kulturschaffende zu einer noch nie da gewesenen Kooperation zusammengefunden hatten.

Barbara
Gassler
20.10.22 - 07:21 Uhr
Aus dem Leben
Der «Mythos Davos» findet am 29. Oktober seinen Abschluss.
Der «Mythos Davos» findet am 29. Oktober seinen Abschluss.
bg

Im Anschluss an die letzte Parlamentssitzung hatte sich der Grosse und Kleine Landrat vor zwei Wochen geschlossen ins Kirchner Museum verschoben, wo ­Direktorin Katharina Beisiegel sie durch den «Mythos Davos» führte. Einige hatten die Ausstellung, die sich über insgesamt vier Museen erstreckt, bereits gesehen, andere nahmen mit Verwunderung Kenntnis von den vielen Facetten, mit denen das kulturelle, gesellschaftliche und ökonomische Davos mit dem Geist des frühen 20. Jahrhunderts verbunden ist. Es war eine der letzten Gelegenheiten, in solch konzentrierter Form zu erfahren, was es ausmachte, dass aus einem simplen Höhenkurort der «Mythos Davos» entstehen konnte. Die Ausstellung schliesst am 29. Oktober mit einer glanzvollen Finissage.

Hin und wieder zurück

Wie so oft in Davos, kam der entscheidende Anstoss von aussen. Daniel Hess, Generaldirektor des Germanischen Museums in Nürnberg, hatte seine Beziehung zu Davos genutzt und hier viele Schätze aus Museumsausstellungen und -archiven gehoben. Sie bildeten das Rückgrat der grossartigen Ausstellung «Europa auf Kur, Ernst Ludwig Kirchner, Thomas Mann und der Mythos Davos», die im Germanischen Museum vom 18. Februar bis 3. Oktober 2021 präsentiert wurde. Wegen der Pandemie blieb ihr im ersten halben Jahr leider der erhoffte Publikumsaufmarsch versagt. Doch jene, die die Ausstellung in der zweiten Halbzeit besuchen konnten, zeigten sich begeistert. Die beim Kuratieren der Ausstellung geleistete Arbeit sollte nach der Schliessung allerdings nicht verloren gehen, und so war geplant, die Objekte auch in ihrer Heimat dem Publikum zu präsentieren. Beteiligen würden sich das Wintersport-, das Medizin- und das Heimat-Museum, die mit ihren Beständen alle zum erfolgreichen Auftritt in Nürnberg beigetragen hatten. Das Kirchner Museum wiederum war schon am Aufbau der Ausstellung mitbeteiligt und zeigte auch hier in Davos die meisten Objekte. Viele davon kamen neu bewertet und mit vielen zusätzlichen Informationen versehen nach Davos zurück.

Vor Ort wurde der etwas sperrige Titel verkürzt. Bald war nur noch vom «Mythos Davos» die Rede, der seit Ende November 2021 nun auch hier zu sehen ist. Jedes der beteiligten Museen integrierte diese Stücke in seine bereits bestehende Ausstellung, das Kirchner Museum machte sogar eine eigene Sonderschau daraus. Ein ganzes Rahmenprogramm wurde darum herum aufgebaut. Zum ersten Mal wurde den Besuchenden ausserdem ein einziges Ticket angeboten, mit dem sie alle vier Ausstellungen besuchen können. Allerdings nur noch bis zum 29. Oktober. An diesem Samstag geschieht erneut noch nie Dagewesenes: Alle Museen öffnen zeitgleich. Von 17 bis 19 Uhr kann die Ausstellung noch ein letztes Mal als Ganzes genossen werden, und das erst noch gratis. Ab 19 Uhr trifft man sich dann im Heimatmuseum zu einem Umtrunk mit musikalischer Umrahmung durch Joan Retzke (Trompete) und Ulrich Weissert (Klavier).

Bleibt erhalten

Es wird jedoch nur ein kleiner Abschied. «Wir sind gerade daran, auf die Wintersaison hin ein digitales Angebot zu realisieren», erklärt etwa Peter Flury, Kurator des Medizinmuseums. Daher ist er froh, in der analogen Welt die für «Mythos Davos» kuratierte Präsentation «Davos – durch die Brille von Thomas Mann» noch ein halbes Jahr länger präsentieren zu können. Auch im Wintersport-Museum besteht keine Gefahr, dass die Ausstellungsstücke wieder im Lager verschwinden. «Wir haben sehr viel vom Wissen des Germanischen Nationalmuseums profitiert. Dadurch wurde uns klar, über welche Schätze wir eigentlich verfügen», berichtet Vereinspräsidentin Christiana Benz. «Wir räumen das sicher nicht weg.» Eine eigene «Mythos»-Ecke wurde auch im Heimatmuseum geschaffen. «Wir haben so tolle Stücke, wie das Modell des Sanatoriums Berghof, das originalgetreu nach Thomas Manns Beschreibung im ‹Zauberberg› gebaut wurde», sagt Kurator Peter Dalbert. «Dem fügten wir die Porträts der Kurortbegründer Alexander Spengler und Willem Jan Holsboer mit ihren Habseligkeiten bei. Das ganze Ensemble wird nun in die Dauerausstellung überführt.» Neues kommt hingegen im Kirchner Museum. Doch: «Wir alle hatten Spass am ‹Mythos Davos›. Er zeigte auf, wie eng die Geschichte von Davos und Kirchner verwoben sind», sagt Direktorin Katharina Beisiegel und fügt bei, dass es sich bei dieser Ausstellung vermutlich um eine der erfolgreichsten des Kirchner Museum handle.

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