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Ein erster Pilotversuch mit Potenzial für viel

Kaum etwas hat eine so kurze Gebrauchsdauer wie ein Einwegbecher. Je nach Durst und Temperatur des Getränks sind das lediglich einige Sekunden bis einige Minuten. Höchste Zeit also, hier neue Wege zu suchen.

Barbara
Gassler
08.11.22 - 07:26 Uhr
Aus dem Leben
Zumindest die Einwegbecher sollen im Abfallmix des nächsten Super-Cups fehlen.
Zumindest die Einwegbecher sollen im Abfallmix des nächsten Super-Cups fehlen.
Archiv DZ

Stefan Walser, Vorsteher des Departements Tiefbau und öffentliche Betriebe, unternahm 2017 bereits einen ersten Versuch zur Einführung von Mehrwegbechern, fand damals aber nicht genügend Unterstützung. Die Transportwege zu den Waschanlagen wurden damals als zu weit und damit nicht nachhaltig eingestuft. Inzwischen ist man weiter. Neue Berechnungen zeigen eine positive Umweltbilanz. Zusammen mit Men Dellagiovanna, Leiter der Umweltfachstelle, nahm er nun einen neuen Anlauf und kann zumindest die Umsetzung eines ­Pilotprojekts vermelden. Dieses sieht vor, dass im Fanzelt am Spengler Cup 2022 Vier-Deziliter-Mehrwegbecher ausgegeben werden. 60 000 dieser Kunstoffbecher stehen zu Beginn der Veranstaltung bereit und werden nach und nach ausgegeben. Damit sie wieder zurückgegeben werden und nicht einfach irgendwo am Boden landen, wird pro Becher ein Depot von zwei Franken verlangt. Nach Gebrauch gehen sie an die Lieferfirma zurück, werden im sanktgallischen Niederwil gewaschen und sind wieder bereit für die nächste Verwendung. Im Stadion und während der Meisterschaft werden Getränke ausschliesslich in Aludosen gereicht. Gemäss Auskunft von Jacqueline Kühne, Head of Project, habe dies eine positivere Ökobilanz als Einwegbecher.

Keine Neuheit

Für den Betreiber des Fanzeltes, Rosario Galliker und seine Galfri GmbH, ist das System kein Neuland. «Es ist noch nicht Standard, doch wir arbeiteten zum Beispiel schon am eidgenössischen Turnfest damit.» Der Mehraufwand sei vertretbar, findet der erfahrene Eventveranstalter. Beim Einrichten müsse lediglich daran gedacht werden, dass die Becher nun einen Wert hätten. «Man kann sie nicht einfach irgendwo liegen haben.» Ausserdem müsse der Umgang damit für die Kundschaft unproblematisch sein, findet er. «Darum werden wir die Becher auch an den Verkaufstellen zurücknehmen.» Daneben soll der HCD verschiedene Rücknahmestellen aufbauen und betreiben. Auch für diesen ist das System ein Gewinn, denn auch seine Junioren profitieren. Sie erhalten nach Abzug aller Kosten – das sind Miete der Becher inklusive Transport und Reinigung sowie das Personal an den Depotstellen – die Differenz zur Depotgebühr. Und wer weiss, vielleicht entdeckt auch der eine oder die andere eine neue Quelle für Sackgeld und spürt die in der Umgebung liegen gebliebenen Becher auf.

Bedruckte Becher

Der Pilot soll dann im Sommer weitergeführt werden. «10 000 der Becher lassen wir mit dem Davoser Wappen bedrucken», berichtet Walser. Diese gehen nach Verwendung in den Besitz der Gemeinde über, wenn auch mit einem gewissen Verlust gerechnet wird. «Viele werden den bedruckten Becher als Souvenir behalten», ist sich Walser sicher. Doch beim nächsten Auftritt der Gemeinde an davos@promenade im Sommer 2023 sollen die bedrucken Becher wieder verwendet werden. Anschliessend soll ein Fazit gezogen und über die Fortsetzung entschieden werden. «Der Weg bis hierher war steinig, es brauchte grosse Überzeugungsarbeit», bilanziert Walser. «Doch inzwischen ist das Konzept vom Kleinen Landrat genehmigt und die nötigen finanziellen Mittel gesprochen.» Denn im Moment geht die Gemeinde in Vorleistung. «Mit jeder neuerlichen Veranstaltung wird die Bilanz jedoch besser.» Mittelfristig ist angedacht, die Verwendung von Mehrweggeschirr, nicht nur der Becher, an die Erteilung der Veranstaltungsbewilligung zu koppeln. Das könnte im Endeffekt zu neuen Aufgaben für die Gemeinde führen. «Schon jetzt sorgt an den meisten Veranstaltungen der Werkdienst für Tische, Bänke, Bühnen, Kehrrichtkübel oder Wegweiser. Warum diese Aufgabe nicht ausbauen und eine eigene Eventabteilung aufbauen, die dann auch für das Geschirr inklusive Reinigung sorgen würde?», fragt Walser. Das Interesse von Privaten an diesen Aufgaben sei offensichtlich gering, sonst würde es bereits Anbieter auf dem Markt geben.

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