×

Die Stadtbibliothek Chur schaut auf ein durchzogenes Jahr zurück

Die Stadtbibliothek Chur schaut auf ein durchzogenes Jahr zurück

Die Stadtbibliothek Chur musste sich – wie viele andere Betriebe auch – im letzten Jahr grossen Herausforderungen stellen. Die Einführung der 2G-Pflicht machte die Situation nicht einfacher.

Südostschweiz
09.01.22 - 04:30 Uhr
Aus dem Leben
Julia Wäger, die Leiterin der Stadtbibliothek Chur, schaut auf ein turbulentes Jahr zurück.
Bild Archiv / Bild Archiv

Von Nicole Nett und Jasmin Schnider

Radio Südostschweiz hat mit der Leiterin der Churer Stadtbibliothek, Julia Wäger, gesprochen.

Frau Wäger, das Jahr 2021 war geprägt von diversen Coronamassnahmen. Wie haben Sie das erlebt?

Es war ein bewegtes Jahr. Wir waren stets gefordert mit der Umsetzung der Massnahmen. In letzter Zeit ist es jedoch ruhiger geworden, weil wir nicht immer wieder neue Massnahmen kommunizieren mussten. 

Wenn man mit 2020 vergleicht. Gibt es eine Veränderung?

Wir sehen immer weniger Leute in der Bibliothek. Von der Statistik her haben wir aber gleich viele Ausleihzahlen wie im Vorjahr.

Wenn man mit der Zeit vor Corona vergleicht, was fällt auf?

Hier sehen wir einen massiven Unterschied. Wir haben fast 40 Prozent weniger Besucherinnen und Besucher als noch vor der Coronapandemie. Dennoch ist die Bibliothek als Aufenthaltsort grundsätzlich sehr wichtig. Die Menschen können einfach reinkommen, es kostet nichts. Heute kommen sie jeweils nur noch, um Sachen zu holen, und dann gehen sie wieder. Die Verweildauer ist stark zurückgegangen.

Woran liegt das?

Die Leute haben Angst, sind zurückhaltender geworden und wollen sich nicht unter andere Menschen mischen. Ebenfalls werden mit der Zertifikatspflicht gewisse Personen ausgeschlossen.

«Es ist eine grosse Unsicherheit bei den Besuchern.»

Julia Wäger, Leiterin Stadtbibliothek Chur

Was bedeutet das für die Stadtbibliothek finanziell?

Wir sind zum Glück hauptsächlich finanziert durch die öffentliche Hand. Wir müssen nicht um unsere Existenz bangen. Im letzten Jahr haben wir aber schon einen grossen Verlust gemacht. 

Wer in die Bibliothek will, muss genesen oder geimpft sein. Was gibt das für Rückmeldungen?

Wir sind auf viel Unverständnis gestossen. Einige Personen haben uns die Schuld gegeben, obwohl wir einfach die Massnahmen vom Bund umgesetzt haben. Andere waren froh, dass die Bibliothek ein sicherer Ort ist. 

«Leute haben uns die Schuld gegeben, obwohl wir die Massnahmen vom Bund einfach umgesetzt haben.»

Julia Wäger, Leiterin Stadtbibliothek Chur

Haben Sie dadurch Stammgäste verloren?

Ja, es sind sicher viele Leute, welche wir durch die Coronamassnahmen verloren haben. Aber es gibt auch ein Angebot ohne Zertifikat: Bücher können jederzeit online bestellt und dann in der Bibliothek abgeholt werden.

Wie schauen Sie in die Zukunft?

Solange es so weiterläuft, ist es für uns noch machbar. Aber es ist schon ein Bedürfnis, dass wir für alle da sind – ob Zertifikat oder nicht.

Wie geht die Stadtbibliothek mit kritischen Büchern zu der Coronasituation um?

Wir sind neutral und lassen verschiedene Meinungen zu. Ein Werk muss aber sachlich fundiert und auf Fakten basiert sein. Wenn ein Buch in Richtung Verschwörungstheorien geht, kommt dies nicht in unser Regal.

Hier gehts zum Sendungsbeitrag:

Kommentieren

Kommentar senden
Mehr zu Aus dem Leben MEHR