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«Ich wollte einen Hund züchten, der einen Beruf hat»

In Graubünden schlummert ein Schatz unter der Erde – und so manch einer hat einen Hund, der dazu ausgebildet ist, ihn zu finden. Ein Gespräch mit einer Trüffelhundhalterin.

Südostschweiz
02.10.21 - 12:00 Uhr
Aus dem Leben

Trüffel sind teuer. 100 Gramm des schwarzen Trüffels kosten etwa 55 Franken. Je nach Anbieter, Verfügbarkeit und Qualität. Ausserdem können Trüffel nicht einfach in jedem Supermarkt erworben werden. Daher liegt es nahe, dass einige Menschen sich die Trüffel lieber selber suchen wollen. Da die Trüffel aber unter der Erde wachsen, braucht man bei der Trüffelsuche tierische Hilfe – denn auch wenn man sie nicht direkt sehen kann, ganz feine Nasen können Trüffel riechen. Wie zum Beispiel die Nasen von ausgebildeten Trüffelhunden.

Nicht zu gross, aber berufstätig

«Ich hatte schon immer Hunde», erzählt Nausikàa von Orelli gegenüber Radio Südostschweiz. Sie besitzt einen Trüffelspürhund, den sie selber gezüchtet hat. «Ich wollte einen Hund züchten, der einen Beruf hat», führt sie aus. Der Hund müsse ausserdem ein Familienhund sein. «Und er sollte nicht zu gross sein», so von Orelli weiter. Grundsätzlich könne jeder Hund zum Trüffelhund ausgebildet werden. «Er muss einfach Spass an der Nasenarbeit haben.» Es gäbe durchaus Hunde, die nicht gerne Dinge suchen würden. 

Dass es in Graubünden Trüffel hat, hat sie per Zufall gemerkt. «Mein Hund hat einen entdeckt. Dann hab ich gesehen, dass es sich um einen Trüffel handelt.» Sie habe davor bereits vier Lagotto-Hunde gehabt, die aber keinen Spass an der Trüffelsuche gehabt hätten. «Also ich wusste jedenfalls nicht, ob sie das mögen. Ich habe es auch nicht gefördert.» Erst als die Schwester ihres Hundes begonnen habe, Trüffel auszugraben, habe sie sich gedacht, dass ihr Hund das sicher auch könne. In Graubünden gäbe es nur schwarze Trüffel. «Es hat jedenfalls niemand je einen weissen Trüffel hier gefunden.»

«Man kann die Hunde trainieren, indem man sie an den Geruch des Trüffels gewöhnt. Mit Trüffelöl zum Beispiel.» Es gäbe aber auch Hunde, die den Geruch nicht mögen. «Mein Hund liebt die Trüffel. Da muss ich schnell reagieren, wenn er sie ausbuddelt. Sonst ist der Pilz weg.»

Nichts für Restaurants

Im grossen Stil verkaufen will von Orelli die Trüffel nicht. «Ich habe Restaurants gesehen, welche die Trüffel kaufen und dann mehrere Wochen rumliegen lassen. Das ist nicht das Gleiche. Die Trüffel sollten sofort genutzt werden. Aber nur wenige Gäste wollen Trüffel, auch wegen des Preises.» Deshalb suche sie die Trüffel nur für sich und für Freunde auf Anfrage. Dazu komme, dass sie nicht Restaurantmengen auf Kommando zusammenkriege. «Dann müsste ich jeweils sofort alles liegen lassen, um dem gerecht zu werden.» Auch wenn sie mal 300 Gramm Trüffel habe, werde sie die nicht immer sofort los.

«Ausserdem müssen wir die Natur schonen.» Wenn sie einen Trüffel gefunden habe, stelle sie die Natur wieder so her, wie sie sie vorgefunden habe. «Es gibt Orte in Graubünden, an denen keine Trüffel mehr wachsen, weil viele Leute herkommen und die Trüffel einfach ausgraben und dann verschwinden. Dann wachsen keine neuen Trüffel mehr.» Nachhaltigkeit sei ihr aber sehr wichtig. (reb/mas)

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