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Mit helfender Hand und offenem Ohr

Für Einsatzleiterin Silvia Loretz ist die Vereinsstruktur von Davos Solidarisch eindeutig ein Vorteil. «Es bedeutet,dass wir keinen Gewinn zu machen brauchen.»

Davoser
Zeitung
29.08.21 - 06:26 Uhr
Aus dem Leben
Einsatzleiterin Silvia Loretz besucht zuerst jeden neuen Haushalt.
Einsatzleiterin Silvia Loretz besucht zuerst jeden neuen Haushalt.
bg

Dennoch steht hinter den Einsätzen eine hoch-professionelle Organisation. Diese braucht es, um den unterschiedlichen Wünschen und Ansprüchen der Kundschaft, aber auch der Mitarbeiterinnen gerecht zu werden. «Wir fänden einen Mann in unserem Team lässig», sagt Loretz, auf die Diskrepanz angesprochen. «Doch im Moment haben wir nur Frauen im Einsatz.» Vielleicht liegt das an der speziellen Art der Aufgabe: «Die Arbeit ist adäquat entlöhnt, aber wir können sie nicht garantieren.» Demzufolge ist Flexibilität ebenfalls ein wichtiger Anspruch an potenzielle Mitarbeitende. «Sie dürfen nicht auf den Verdienst angewiesen sein.» Entsprechend liegt die Motivation der gegenwärtig rund einsatzwilligen 35 Frauen eher im sozialen Bereich. Es ist der Wunsch zu helfen, selber Kontakte zu pflegen und dabei noch ein Sackgeld zu verdienen. So sind es oft ehemalige Pflegende, die dabei nahe beim Beruf bleiben können, Wiedereinsteigerinnen oder auch Pensionierte, die sich, solange sie selber können, um andere kümmern wollen. «Da wir immer wieder Spitzen abdecken müssen, verspricht jeder zusätzliche Name auf der Liste, dass wir die Bedürfnisse unserer Kunden auch tatsächlich erfüllen können», wirbt Loretz um zusätzliche Team-Mitglieder.

Hilfe aber keine Pflege

Der 1998 gegründete, gemeinnützige Verein Davos Solidarisch will überall da einspringen, wo die üblichen Hilfsan­gebote nicht ausreichen. Die Mitarbeiterinnen kommen in schwierige familiäre, gesundheitliche und soziale Situationen. Sie unterstützen behinderte und betagte Personen, immer in Ergänzung mit zum Beispiel der Spitex. «Die Zusammenarbeit hier vor Ort ist hervorragend», berichtet Loretz. «Wir wenden uns an sie und sie sich an uns, wenn es die Situation erfordert.» Dabei geht es auch um eine klare Abgrenzung der Hilfestellung. «Alles, was die Pflege betrifft, können wir nicht leisten. Hingegen sind wir die richtige Stelle, wenn es darum geht, Menschen bei Besorgungen oder Terminen zu begleiten und ihnen im Alltag zur Seite zu stehen.» Das bedeutet auch, mal das Badezimmer zu putzen oder in der Stube aufzuräumen. «Wir sind aber kein Putz- oder Zügelinstitut», zieht Loretz eine klare Grenze. Der Schwatz am Kaffeetisch oder der Spaziergang am Arm der Betreuerin fallen jedoch in ihren Bereich. Daher achtet Davos Solidarisch sehr darauf, dass eine persön­liche Bindung zwischen Betreuerin und Betreuten entsteht. Entsprechend wird die Hilfeleistung, wenn möglich immer von der gleichen Person geleistet. «Das ist uns wichtig, denn immerhin dringen unsere Betreuerinnen tief in die persönliche Lebenswelt ein.» Daher sei der soziale Gedanke ein sehr wichtiger. Wer diesen nicht in sich trage, steige bald wieder aus. Umgekehrt können sich aus dem Arbeitsverhältnis auch tiefe Freundschaften entwickeln. Solches ist keineswegs verboten, im Gegenteil: «Wenn sich jemand neu bei uns meldet, besuche ich die Person immer und versuche herauszufinden, wer aus unserem Betreuerinnen-Team hier am besten passt», berichtet Loretz.

Niedrige Tarife

Wichtig ist dem Verein ausserdem, dass Hilfegesuche nicht am Finanziellen scheitern. «Unsere Tarife sind so gestaltet, dass sie sich jedermann leisten kann», findet Loretz. Entsprechend macht der Verein nicht nur keinen Gewinn, sondern muss sich zusätzlich auf Spenden und Mitgliederbeiträge abstützen. «Manchmal können wir gewisse Dienstleistungen auch über eine Versicherung abrechnen, aber das ist eher selten.» Gross ist hingegen das Bedürfnis nach der Hilfe des Vereins. «Gegenwärtig haben wir gut siebzig Personen, die wir betreuen», zählt Loretz. Das bestimmt den Arbeitsanfall für den Verein aber nur bedingt. Von einem Tag zum nächsten kann eine bisher selbstständige Person stark auf Hilfe angewiesen sein. «Dank unserem Einsatz kann sie jedoch noch im eigenen Zuhause bleiben.» Oder es fallen Ferienbetreuungen an. «Das kann sein, wenn bei einem Paar der eine nicht alleine bleiben kann, während der andere sich mal ein paar freie Minuten gönnt.»

Weil unterdessen immer wieder Hilfegesuche aus den Nachbartälern an den Verein herangetragen werden, will er sein Angebot nun auch dahin ausdehnen. «Dazu braucht es aber Mitarbeitende, die da leben. Es macht keinen Sinn, jemanden aus dem Prättigau ins Albulatal auf Einsatz zu schicken.»

Bahnhofstrasse 11, 7270 Davos Platz

Tel. 081 420 82 68 oder info@davos-solidarisch.ch

www.davos-solidarisch.ch

 

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