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Das Davos Festival läuft

Das Davos Festival läuft

Musikerinnen aus aller Welt sind dieser Wochen zu Gast in Davos und bereichern das Stadtbild.

Davoser
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vor 2 Monaten in
Aus dem Leben
Das Trio Marvin begeisterte das Publikum mit dem Klaviertrio in a-Moll von Rebecca Clarke.
Davos Festival/ © Yannick Andrea

Geigenkästen auf dem Rücken junger Leute, das Cello im Schlepptau, ein rollender Kontrabass auf der Promenade und singende Choristen bei der Pauluskirche. 

Nach einem fulminanten Auftaktwochenende mit Konzerten im Schweizerhof und Kirchner Museum Davos geht das diesjährige Davos Festival in die erste Festivalwoche. Das Publikum erwartet ein buntes Programm.

Mit Klischees aufräumen

Gleich am Dienstag wird auf der Schatzalp mit Verniedlichung oder gar der Verdinglichung von Frauen aufgeräumt. Die vier Sängerinnen des Vokalquartetts «famm» begeistern mit ihrem einzigartigen Klang zwischen Jazz, Volkslied und Jodel. In ihrem Programm für a capella über s’Babeli, s’Liseli und andere starke Frauen treffen weibliche Figuren aus alten Volksliedern auf starke Frauen der Gegenwart. Von feinster Leisheit, über augenzwinkerndes Jodeln, bis hin zum ungeschliffenen Fortissimo bewegen sich «famm» souverän durch die Klangwelten.

Dass Frauen nicht notwendigerweise an den heimischen Herd gehören und umgekehrt die Cuisine der Spitzenklasse keine männliche Domäne ist, will das Konzert mit dem Titel «Frauen am Herd» am Mittwoch im Schweizerhof zeigen. Gleich drei Komponistinnen mit exzellenter Geschmackssicherheit darf das Publikum kennenlernen. Da ist Henriëtte Bosmans mit ihrer sehr expressiven Klangsprache, deren Musik am Festival noch öfter zu hören sein wird. Ihre Sonate für Cello und Klavier erklingt mit Friedrich Thiele und dem Pianisten Amadeus Wiesensee. Ethel Smyth, die mit Clara Schumann bekannt war, schrieb nicht nur den bekannten «March of the Women» für die englischen Sufragetten, sondern auch ein völlig zu Unrecht vergessenes Doppelkonzert für Horn und Violine, welches Tillmann Höfs und die Geigerin Anna Agafia Engholm für das Davos Festival einstudiert haben.

 

Die Kanadierin Alice Burla und Israeli Amit Dubester hatten sichtlich Freude am Eröffnungskonzert.
Davos Festival/ © Yannick Andrea

Vertonte Kochrezepte

Auch zwei Liedkompositionen von Männern erklingen am Mittwochabend, interpretiert von der schwedischen Sopranistin Jenny Högström, die an der Schola Cantorum in Basel studiert hat, und der Vorarlbergerin Isabell Pfefferkorn, die am diesjährigen Festival auch als Chorsängerin und Jazzinterpretin zu hören sein wird. Es sind vertonte Kochrezepte von Leonard Bernstein in «La bonne cuisine» und Robert Schumanns berühmtes op. 42, «Frauenliebe und Leben». «Jedes einzelne Stück dieses Zyklus ist ein musikalisches Kleinod, das auch 181 Jahre nach der Entstehung Gänsehaut hinterlässt», findet Festivalintendant Marco Amherd. Es wird eine Geschichte erzählt, die das Schicksal einer Frau in der Entstehungszeit des Liedzyklus, Anfang des 19. Jahrhunderts schildert: von der ersten Schwärmerei des Mädchens für den Geliebten, über die Brautzeit, die Hochzeit, die Mutterschaft bis zum Tod des Ehemannes. «Ich finde, dass solche Werke nicht als frauenabwertend abgekanzelt werden sollten, sondern aufgeführt und kommentiert werden müssen.»

Die französische Komponistin Germaine Tailleferre schloss sich 1920 als einzige Frau der berühmten Pariser «Groupe des Six» an. Sie galt als Wunderkind und war bekannt für ihr phänomenales Gedächtnis. Sie begeisterte sich für den Neoklassizismus, ist jedoch auch beeinflusst von der Musik Ravels und Faurés. Aus Geldsorgen nach zwei gescheiterten Ehen musste sie viel Gebrauchsmusik schreiben und konnte ihr Talent nicht in grossen Werken ausschöpfen. Trotzdem lassen viele ihrer Kompositionen fran-zösischen Witz und Esprit durchschimmern. Dies ist auch am Donnerstagnachmittag auf der Schatzalp zu erleben; mit Tailleferres «Sonate champêtre» und im Freien begrüssen die neun Young Artists des Nachmittags «À la française» ihr Publikum auch anschliessend zum Kaffeekränzchen.

Hoch konzentriert: Mathis Rochat an der Bratsche.
Davos Festival/ © Yannick Andrea

Zum Reinhören

Neben den grossen Abendkonzerten erwartet das Publikum auch ein vielseitiges kostenfreies Programm. Montags bis freitags ist jeder zum Offenen Singen um 10 Uhr in der Pauluskirche eingeladen. Um 11 Uhr gibt Organistin Anna-Victoria Baltrusch mit anderen Festivalkünstlern ein Kurzkonzert in der Kirche St. Theodul. Die für das diesjährige Festivalthema kreierte Ausstellung «one plus one makes more than two» lädt täglich von 13 bis 16 Uhr zum Ausprobieren und Sinnieren in den Kulturplatz Davos ein. Und an diversen Tagen ertönt wieder die Ansage im Bahnhof Davos Platz «Geschätze Fahrgäste! Das Davos Festival 2021 macht wieder einen musikalischen Zwischenhalt», wenn die Offene Bühne am Bahnhof Ausschnitte und Leckerbissen aus dem diesjährigen Programm bietet. 

 

Hörfunkjournalistin und Medientrainerin Julia Kaiser berichtet in diesem Jahr über das Davos Festival.

 

Das Davos Festival dauert bis zum 21. August. Alle Infos, Tickets, das ganze Programm unter www.davosfestival.ch

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