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Klein, pelzig und ziemlich kampflustig

Klein, pelzig und ziemlich kampflustig

Unlängst musste die Wildhut einen Biber von seinen Verletzungen erlösen. Wie verletzt sich ein pelziges Wassertierchen überhaupt so stark?

Südostschweiz
vor 1 Monat in
Aus dem Leben
2018 wurde der Biberbestand im Kanton auf etwa 25 Stück geschätzt. Aktuell dürften es deutlich mehr sein.
Frank Zinsli

Nur wenige Menschen konnten bisher einen Biber in freier Wildbahn beobachten. Meist verrichten die Nager ihre Arbeit vom Menschen unbemerkt – die Anwesenheit eines Bibers wird oftmals erst durch die sichtbar veränderte Landschaft, etwa bei abgenagten Bäumen oder gestauten Flüssen, bemerkt. Wer öfter mit den kleinen Tierchen zu tun hat, ist die Wildhut des Kantons Graubünden. Vor einer Woche musste sie gar einen Biber von seinen Verletzungen erlösen. Doch wie kann sich ein Biber überhaupt so stark verletzen?

«Die Verletzungen stammen wahrscheinlich von einem Revierkampf», erklärt Andrea Baumann vom Bündner Amt für Jagd und Fischerei (AJF) im Gespräch mit Radio Südostschweiz. Biber seien sehr territoriale Tiere. «Sie verteidigen ihr Revier gegenüber ihren Artgenossen vehement», so Baumann. Dabei könne es durchaus zu schweren Verletzungen kommen.

Auch wenn jener Fall, bei dem der Biber erlöst werden musste, einer der gröberen Fälle war, so stelle man immer wieder Verletzungen bei den Bibern fest, sagt Baumann. Auch habe man schon einen toten Biber gefunden, der seine tödlichen Verletzungen auch bei einem Revierkampf abbekommen habe.

Den Biber im Bewegtbild von Mayk Wendt gibt es hier:

Mehr Verletzungen, mehr Biber

Verletzungen durch Revierkämpfe seien aber aus biologischer Sicht kein schlechtes Zeichen. Um die Biberpopulation im Kanton stehe es nämlich sehr gut. Die steigende Anzahl von verletzten Bibern sei ein Hinweis darauf, dass die Dichte von Tieren im Kanton zunehme, erklärt Baumann. Wie viele Biber aber genau im Kanton daheim sind, weiss Baumann nicht. «Dazu gibt es keine konkreten Zahlen. Die Zahlen, die uns vorliegen, beruhen auf Schätzungen. Die letzte Bestandesschätzung wurde 2018 gemacht.» Damals rechnete das AJF mit etwa 25 bis 30 Biber im Kanton. «Diese Zahl dürfte mittlerweile aber höher sein», so Baumann. Das «Biber-Zählen» sei nämlich gar nicht so einfach. Das AJF verlasse sich dabei besonders auf Spuren und Nachweise entlang der Gewässer.

Biber verteidigen ihr Revier - und sind dabei alles andere als zimperlich.
FRANK ZINSLI

Dem Biber geht die Puste nicht so schnell aus

Oft wird die Anwesenheit des Bibers auch mit Schäden gleichgesetzt. «Konkret kann es zu Untergrabungen von Infrastrukturen wie Fussgängerwegen oder Vernässungen von Landwirtschafszonen kommen.» Im letzten Herbst habe ein Biber sein Zuhause zum Beispiel ausgerechnet bei einer Fischtreppe gebaut, was natürlich nicht optimal sei, so Baumann. Gründe, die Biberpopulation zu regulieren, seien das aber nicht. «Beim Biber-Management ist es wichtig, jeden Fall einzeln zu betrachten. Das heisst nicht, dass nicht auch mal eingegriffen werden und ein Damm entfernt werden muss», erklärt Baumann. Dies seien jedoch kurzfristige und nicht besonders zielführende Lösungen. Einen solchen Damm zu entfernen sei nämlich einerseits sehr zeitaufwändig und andererseits generiere es auch hohe Kosten. «Meistens hat der Biber mehr Geduld.» Langfristige Lösungen fänden sich meistens in einer Lebensraumaufwertung – also in einer Revitalisierung. (mas)

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