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Wie Freiwillige das Spital mit einem Lächeln verzaubern

Wie Freiwillige das Spital mit einem Lächeln verzaubern

Sie zaubert Menschen ein Lachen ins Gesicht – auch hinter den Masken. Mit Helferinnen und Helfern hat Sabine Leu-Flury, Intensivpflegefachfrau am Kantonsspital Glarus, den Tag des Lachens zelebriert.

Südostschweiz
vor 4 Monaten in
Aus dem Leben
Mira, Lilly und Siro mit Mami Patricia.
Fridolin Rast

von Gabi Corvi und Fridolin Rast

Mit geübtem Schwung zaubert Sabine Leu einen bunten Smiley auf die Verbundsteine vor dem Kantonsspital Glarus. Mit ganz vielen dieser Smileys will die Fachfrau Intensivpflege Besucherinnen und Mitarbeitenden den Sonntag, den Tag des Lachens, verzaubern. Dafür hat sie am Samstagabend mit ihren Kolleginnen und Kollegen sowie etlichen Glarner Kindern die Eingänge zum Spital verschönert. Spitäler und Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen sowie weitere Betriebe in der ganzen Schweiz waren Teil der Smiley-Aktion. Im Interview hat Sabine Leu zuvor erzählt, was sie dazu bewegt.

Sabine Leu, der 2. Mai ist Weltlachtag oder Tag des Lachens. Der Tag soll uns alle positiv stimmen, uns einander auf verschiedene Art und Weise – trotz Pandemie – näher bringen. Was wollen Sie mit Ihren Aktionen bewirken?

Sabine Leu-Flury: Die Grundidee ist es, den Menschen Freude zu schenken. Das heisst konkret, dass wir mit unseren Aktionen andere animieren möchten, dies auch zu tun – ganz individuell und situativ. Meine Vision ist, dass eine Welle der Positivität unser Land erfasst. Im Zentrum stehen bei uns die Malaktionen mit Strassenkreide auf dem Areal von Spitälern und Altersheimen. Zudem machen Drogerien mit und geben den Kundinnen und Kunden eine kleine Aufmerksamkeit ab. Toll ist auch, dass der Verband der Schweizer Bäcker und Confiseurinnen ebenfalls mit von der Partie ist. Ziel ist es, dass die Aktionen einfach und kreativ sind. Dann machen nämlich ganz viele mit – auch Private.

Das Projekt des 2. Mai war ja nicht Ihre erste Aktion. Wo und wann sorgten die Smileys bei den Menschen schon für lachende Gesichter hinter den Masken?

Angefangen hat alles im März 2020, als bei uns der Lockdown ausgerufen wurde und die Gärtnereien ihre Blumen wegwerfen mussten. Ich sagte mir: Das darf doch nicht wahr sein! Da muss man etwas dagegen tun! So gelangte ich ans Gartencenter Meier in Rüti. Dort hatte man keine Kapazität, all die Blumen zu verteilen, und so habe ich das angeboten und einfach übernommen (lacht). So kam es, dass ich am 17. März mit einem Auto voller Blumen in mein Quartier gefahren bin und von Türe zu Türe die Blumen verschenkt habe. Noch nie im Leben kam mir so eine geballte Ladung Überraschung, Freude und Dankbarkeit entgegen! Im Dezember 2020 sorgten wir dann beim Schulhaus Lenggis in Rapperswil-Jona für viel Freude auf dem Pausenplatz. In einer Nacht- und Nebelaktion hatten wir diesen mit Smileys und Sprüchen bemalt. Im März 2021 waren wir schliesslich bei zwei Altersheimen und auf in Rapperswil unterwegs und schafften als «Heinzelmännchen» im Dunkeln wieder einen richtigen Teppich mit Hunderten von Smileys. Die geheimen Aktionen sind auch für uns sehr spannend und bereichernd. Wir haben jeweils ein richtiges Käferfest. Bei jener Malaktion hat uns sogar ein SRF-Fernsehteam begleitet und den Beitrag in der Gesundheitssendung Puls gesendet.

Wie sind Sie auf die Idee mit den Smileys gekommen?

Ich dachte, es muss etwas sein, das jeder kann – das keine Gebrauchsanleitung braucht. Einen Smiley auf den Boden zu zeichnen ist leicht und geht schnell. Zudem ist die Strassenkreide nicht permanent und sie kostet auch nicht viel. Das lachende Gesicht ist international. Jede und jeder versteht auf den ersten Blick, und die Botschaft ist ganz einfach: Ich bekomme ein Lächeln geschenkt und gebe ein Lächeln zurück.

Wie reagierten die Menschen, welche die bisherigen Smiley-Kreidezeichnungen gesehen haben?

(Strahlt.) Überwältigend! Vor Ort gibt es jeweils ganz viele Rückmeldungen. Eine Frau hat beispielsweise gesagt: «Die Smileys gaben mir so ein gutes Gefühl, dass ich gleich zweimal drüberlaufen musste.» Oder ein junger Mann, der mit dem Velo über die Gemüsebrücke in Rapperswil gefahren ist, meinte: «Das ist einfach so geil!» Ich habe immer etwas Kreide mit dabei und male auch mal nachts spontan ein Smiley irgendwo auf den Boden. Die Leute lächeln dann oder bedanken sich für den Aufsteller. Generell hatte ich noch nie so viele Mails, Anrufe oder Reaktionen auf Facebook und Linkedin von teilweise wildfremden Menschen bekommen. Ein Mann aus Schänis ist sogar extra mit seinem E-Bike mit einem Zeitungsbericht zu uns nach Rapperswil gefahren, um mir zu gratulieren.

Steht hinter der Smiley-Aktion eine Organisation oder ein Team?

Ich bin die Initiantin, aber ganz viele Menschen unterstützen mittlerweile die Idee und sind tatkräftig mit dabei. Auf der Internetplattform smiley-aktion.com kann man auf den Button «ich mache gerne in einem Team mit» drücken und kommt dann auf meine E-Mail-Adresse. Wir können jede helfende Hand brauchen. Eng involviert ist auch meine Familie. Mein Mann und die Kinder helfen im Hintergrund mit, malen aber auch an den Aktionen Smileys. Die Kosten der verschiedenen Aktionen habe ich bis jetzt übernommen. Sponsoren sind aber hochwillkommen (augenzwinkernd). Man kann Material wie Strassenkreide beisteuern, einen Batzen, sein Netzwerk oder natürlich das eigene Mitmachen. So wird das Ganze ein Gemeinschaftswerk.

Welche Ideen haben Sie für jede und jeden, um am Tag des Lachens und darüber hinaus positive «Vibes» zu verströmen?

Grundsätzlich: Jeder kann etwas Gutes tun! Man kann beispielsweise seinen Freunden einen motivierenden Spruch schicken. Oder nur schon ein spontanes «Hallo, wie gehts?», ein Telefonanruf, eine liebe Karte zum Tag des Lachens wären auch etwas. Man kann für andere backen oder in seinen sozialen Netzwerken etwas Positives posten. Meine Devise ist: Verändern wir doch den Blickwinkel und stellen das Positive in den Mittelpunkt! Warten wir nicht auf die anderen, tun wir etwas selbst – und werden dann überrascht von der Freude, die zurückkommt.

Sind nach dem 2. Mai noch andere Aktionen geplant?

Sicher. Es gibt noch weitere Gelegenheiten. Am 15. Juni ist beispielsweise der Tag der Familie, am Samstag, 24. Juli, der Tag der Freude … Es wäre toll, wenn nach und nach in den Schulen, im öffentlichen Verkehr, in den Gastrobetrieben ähnliche Aktionen stattfinden könnten. Es wäre wie ein Steinchen, das man ins Wasser wirft und das dann immer weitere Kreise zieht. (lacht) Als gebürtige Bernerin wäre für mich natürlich alt Bundesrat Dölf Ogi als Botschafter der Smiley-Aktionen ein absoluter Hit!

Sie scheinen ein von Grund auf positiver Mensch zu sein. Wo holen Sie sich die Kraft, um anderen Freude zu schenken?

Ich habe dazu meinen eigenen Begriff kreiert. Er heisst «Dame Fabena». Er setzt sich zusammen aus Dankbarkeit, Medien, beziehungsweise ich kontrolliere, welche Medien ich konsumiere, Familie und Freunde, Bewegung und Natur. Das sind die Dinge, die ich brauche, um körperlich und mental gesund zu bleiben. Gartenarbeit, Musik und genügend Schlaf sind mir auch sehr wichtig. Ich will meinen Fokus auf Positives richten und meine Energie – auch für andere – in diese Richtung lenken.

 

Sabine Leu-Flury ist ausgebildete Intensivpflegefachfrau oder genauer: diplomierte Expertin für Intensivpflege NDS HF. Leu ist dem Hilferuf der Intensivstationen zu Beginn der Corona-Pandemie gefolgt und hat im Frühling 2020 einen Monat lang 100 Prozent im Kantonsspital Glarus gearbeitet. Nun ist sie fest mit einem 50-Prozent-Pensum dort angestellt. Als Wiedereinsteigerin, so Sabine Leu, sei ihr Start – trotz grossem Erfahrungsrucksack – eine Herausforderung gewesen. Doch das Team in Glarus sei ihr immer eine grosse Stütze. Zuvor hat Leu zehn Jahre im Unispital in Zürich auf verschiedenen Intensivstationen gearbeitet. Weiter ist sie medizinische Ausbildnerin für Cockpit- und Kabinenpersonal und betreibt eine eigene Notfallschulung.

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