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Die Pollen sind wieder da

Die Pollen sind wieder da

In Graubünden ist die Pollensaison schon im Gange. Im Vergleich zu anderen Jahren ist die Situation rund um die Pollen aber anders. Der Experte erklärt, was gegen die Pollen nützt.

Südostschweiz
vor 4 Monaten in
Aus dem Leben
Rund 15 Prozent der Weltbevölkerung ist allergisch auf Pollen.
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Mit der wärmeren Jahreszeit kommen auch die Pollen. Und mit den Pollen wiederum kommen für vom Heuschnupfen geplagten Menschen die Beschwerden. Rund 15 Prozent der weltweiten Bevölkerung leidet an Pollenallergien. Aber welche Pollen sind zurzeit in Graubünden in der Luft? Und wie fällt die Pollensaison in diesem Jahr aus?

Bis jetzt fast verschont geblieben

Laut Roger Perret, Meteorologe bei Meteonews, blühten bisher die Haseln und Erlen. Aktuell seien die Eschen und Birken dran und ab anfangs Mai bis Mitte Juni sei die Hauptsaison der Gräser. Besonders Letztere machten einem Grossteil der Heuschnupfengeplagten zu schaffen. «Die Gräser haben viele Pollen – ein einziger Grashalm gar bis zu vier Millionen Blütenpollen», erklärte Perret im Interview mit Radio Südostschweiz. Dadurch, dass die Schweiz riesige Mengen an Grashalme aufweise, gebe es auch Unmengen an Gräserpollen in der Luft. «Es scheint so, dass die Gräserpollen gut in die Atemwege eindringen können und dort dann Probleme verursachen.»

Wie sich die Graspollensaison dieses Jahr verhalte, sei schwierig vorauszusagen. «Bisher war es im Frühling temperaturtechnisch ein auf und ab. Dadurch wurde die Pollenproduktion und – Ausbreitung behindert oder gar verhindert», erklärte Perret und fügte an: «Es hängt also wirklich von der Witterung ab. Wenn wir lange Hochdruckphasen haben, dann ist die Graspollenkonzentration hoch. Wenn es aber weiterhin ein Auf und Ab ist, dann wird die Pollensaison nicht mehr so arg», so Perret.

Die Gräsersaison beginnt im Mai.
SYMBOLBILD/PIXABAY

Erster Schritt bei Heuschnupfen

Wie sollten Betroffene aber nun vorgehen, wenn ihnen doch die Nase kitzelt und die Augen jucken? Der Allergologe, Andreas Schapowal aus Landquart empfindet vor allem die Diagnostik im Kampf gegen die Pollen als wichtig. «Mittels eines Allergietests an der Haut kann herausgefunden werden, auf welche Pollen die betroffene Person allergisch reagiert. Wichtig ist auch, abzuklären, ob andere Allergien wie beispielsweise eine Hundehaar- oder eine Latexallergie bestehen.» Mit dem Test hätten die Betroffenen die richtige Basis für eine mögliche Therapie.

Verschiedene Therapiemöglichkeiten

Bei den Therapien gebe es verschiedene Möglichkeiten. So kann unter anderem rein symptomatisch vorgegangen werden. «Zum Beispiel mit Nasenspray bei Nasenbeschwerden oder mit Augentropfen bei Augenbeschwerden», sagt Schapowal. Es gebe auch Tabletten, die alle Symptome zusammen behandeln. Wichtig sei auch, die unteren Atemwege zu überprüfen, wenn die Betroffenen beispielsweise husten oder mit Atemnot zu kämpfen hätten. «Dann steht die Frage im Raum: ‹Habe ich Asthma?› Bei Pollenallergikerinnen und Pollenallergiker ist die Chance Asthma zu entwickeln, nämlich deutlich erhöht.»

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit, die Betroffene haben, ist die Allergene schlicht zu vermeiden. Bei Pollen sei das aber eher schwierig. «Möglich ist zum Beispiel, das Fenster während der Nacht zu schliessen, damit man wenigstens beim Schlafen von den Pollen Ruhe hat», betonte der Experte. Zusätzlich empfiehlt Schapowal, die Haare zu waschen und die Kleider zu wechseln, um eingesammelte Pollen loszuwerden. Ausserdem sollten Betroffene es vermeiden, gewaschene Wäsche draussen, also dort, wo sich die Pollen befinden, aufzuhängen. «Es sind wirklich einfache Massnahmen», so Schapowal.

Hohe Erfolgsquote

Für Menschen, die sich eine höhere Erfolgsquote bei der Therapie wünschten, empfehle sich die Hyposensibilisierung. «Damit zielt man darauf ab, eine Toleranz gegen einen gewissen Allergenextrakt wie beispielsweise der Gräserpollenextrakt zu entwickeln», erklärte Schapowal. Der Patient nimmt bei der Hyposensibilisierung, die auch Allergieimpfung genannt wird, den Allergenextrakt ein. Meist passiert das durch eine Spritze unter die Haut.

«Das Prinzip ist einfach, die Patienten werden gegen die Pollen, auf die sie allergisch sind, durch die Sensibilisierung immun.» Beim Beispiel einer Gräserallergie würde die betroffene Person den Gräserpollenextrakt einnehmen und bei erfolgreicher Therapie immun dagegen werden. Für andere Pollen wie zum Beispiel jene der Birke, müsste die Therapie aber nochmals durchgeführt werden. «Die Erfolgsquote liegt hier bei etwa 80 bis 85 Prozent», so Schapowal.

Nebeneffekt der Pandemie

Der Allergologe betont aber auch, dass die Möglichkeit bestehe, dass Allergien von selbst abnehmen. «Das ist bei einer hormonellen Umstellung wie die Pubertät oder Schwangerschaft möglich.» Ausserdem sei es auch wissenswert, dass Atemschutzmasken, die in aktuellen Zeiten in vielen Bereichen und an vielen Orten Pflicht sind, vor Pollen schützen. «Pollen sind grösser als Coronaviren und werden so von den Atemmasken abgefangen. Wodurch viele Menschen weniger Allergie-Beschwerden haben können», so Schapowal. (spa / paa)

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