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Ein Priester braucht kein Heimweh zu haben

Ein Priester braucht kein Heimweh zu haben

Pater Martin Payyappilly wurde im September 2020 mit dem Segen des Ordinariats des Bistums Chur zum Pfarrer der katholischen Kirchgemeinde Klosters gewählt. Ein Porträt.

Conradin
Liesch
15.03.21 - 08:55 Uhr
Aus dem Leben
Pater Martin Payyappilly.
ZVG

Martin Payyappilly wurde am 12. Januar 1973 in Kerala, einem Bundesstaat im Südwesten Indiens geboren. Seine Muttersprache ist Malayalam, welche dort von 97 Prozent der Bevölkerung gesprochen wird. Martins Familie ist gross; er ist das jüngste von neun Kindern und hatte fünf Schwestern und drei Brüder. Ein Bruder und die Mutter sind durch Krankheit gestorben.

Schon als Kind …

Eine seiner Schwestern hat ebenfalls eine kirchliche «Laufbahn» eingeschlagen und ist Klosterschwester, Sr. Maercitta CSC, in Indien geworden, die anderen sind verheiratet.

Der Wunsch, in der Kirche tätig zu sein, wuchs bei Martin Payyappilly schon im Kindesalter heran: «Immer wenn ich in der Kirche war, sah ich die Ministranten, die vorne auf eine Stufe standen, und dahin wollte ich auch», erzählt er. «So wurde ich Ministrant. Später sah ich, dass einer in der Mitte stand, der Pfarrer und ich dachte wieder, das wollte ich auch.»

Nachdem Martin die obligatorische Schulzeit beendet hatte, trat er in ein Kloster ein.

Nach er das Studium, Theologie und Philosophie, mit einem Bachelorabschluss im Priesterseminar Dharmaram College in Bangalore abgeschlossen hatte, nahm er noch etwas ganz anderes in Angriff: ein fünfjähriges Fachstudium als Elektriker: «Ich habe aber keine Übung darin und keine Praxis», lacht er.

Das Klosterleben, welches ihn vom 15. bis zum 30. Lebensjahr prägte, gab Zeit zum Überlegen, wie er sein Leben gestalten wollte: Nach drei Jahren galt es, ein erstes Profess (Gelübde) am 19. März 1993 abzulegen, nach fünf Jahren dann ein weiteres, das lebenslang gilt.

Am 28. Dezember 2002 erhielt Pater Martin die Priesterweihe. Ein Jahr Sozialarbeit und ein weiteres als Kaplan in einer Kirche in Indien waren seine weiteren Stationen.

Deutschland und die Schweiz

2005 bekam er die Gelegenheit, nach Deutschland zu gehen. Nachdem er dies einen Monat überlegt hatte, stimmte er zu und kam Ende des Jahres zum Erzbistum München, wo er viel Mitbrüder kennenlernte. Schon vorher hatte er einen Sprachkurs im Goethe-Institut absolviert. In den Kreisen Erding, Freising und Rosenheim, alle drei in Bayern gelegen, arbeitete er als Pfarrvikar und Kaplan.

2017 bekam Martin Payyappilly die Möglichkeit, in die Schweiz zu kommen. «Zwei Jahre war ich als Pfarreiadministrator in der Erlöserkirche Zürich tätig», sagt Pater Martin. 2019 folgte dann der Wechsel nach Klosters, wo er die verwaiste Pfarrei nach dem Tod von Johannes Zimmermann als Pfarreiadministrator betreute; seit November vergangenen Jahres ist er als Pfarrer gewählt.

Kein Heimweh

Auf die Frage, ob er kein Heimweh nach Indien habe, lächelt Pater Martin: «Der Glaube ist überall gleich» und präzisiert: «Ein Priester braucht kein Heimweh zu haben». Er sei seit dem 10. Altersjahr, als er im Internat war, weg von zu Hause, also schon fast 35 Jahre. Als Priester sei er ein Gesandter, der in eine Gemeinde geschickt werde, und dort sei dann sein Daheim. Der Karmeliter-Orden sei zudem nicht so streng, dass es ihm verboten wäre, mit der Familie Kontakt zu halten, er habe sie jederzeit besuchen können. «Das stärkt mich, bietet mir seelische Unterstützung und tut gut».

Der Inder mache es mit dem Herz, während der Europäer es mit dem Kopf mache, eine Kombination aus beidem sei wohl das beste, meint er. Der Apostel Paulus habe ja gesagt, wenn du gegen die Griechen gewinnen willst, musst du zum Griechen werden und wenn du gegen die Römer gewinnen willst, zum Römer: «Ich versuche die Beiden, Inder und Schweizer, zu gewinnen.» Pater Martin leitet dadurch über zu der Gemeinschaft von Pfarrer und Gemeindemitgliedern: «Durch diese Zusammenarbeit, diesen Dienst, können wir gewinnen.»

Die vielen Riten, welche die katholische Kirche befolgt, hat sich Pater Martin verinnerlicht: «Es gibt viele traditionelle Riten, der grösste Teil davon ist lateinisch. Ich komme von einem anderen Ritus, der Syro-malabarischen Kirche.» Dieser ist tief in der indischen Kultur verwurzelt. «Hier wird anders gefeiert, aber das finde ich gut», meint er abschliessend.

Familie als wichtigste Unterstützung

Die Familie schätzt Pater Martin Payyappilly als sehr wichtig ein: «Man sollte immer die Familie unterstützen. Geht es der Familie gut, dann geht es der Gesellschaft gut und schliesslich auch dem Land», meint er. Er stelle deshalb immer wieder die Familie in den Mittelpunkt seiner Predigten.

Pater Martin Payyappilly fühlt sich in Klosters sehr wohl: «Es ist ein gemütlicher Ort.» Auch die Zusammenarbeit mit seinen evangelisch-reformierten Kollegen in den Gemeinden des oberen Prättigaus schätzte er sehr.

Seinem Wunsch von Anfang an, viele Menschen kennenzulernen, machte Corona leider ziemlich bald unmöglich; auch Hausbesuche wurden dadurch verhindert, was er sehr bedauert. Dennoch war und ist er dankbar, Weihnachten und auch Ostern, die höchsten kirchlichen Feiertage, gemeinsam mit der Gemeinde begehen zu können. Auch die Wiederaufnahme der Gottesdienste im Alters- und Pflegeheim haben ihn, wie auch die dankbaren Bewohnerinnen und Bewohner, sehr gefreut.

Er sieht seine Tätigkeit nicht als Arbeit: «Das ist mein Dienst, ist mein Leben, meine Aufgabe», sagt er, «wenn jemand Hilfe braucht, bin ich immer da.»

Den Haushalt macht Pater Martin alleine: «Ich mache das gerne, Kochen Putzen, Waschen. Heute habe ich Reis, Schweinefleisch nach indischer Art und Gemüse mit einer Yoghurt-Sauce gekocht.»

Auch die Natur schätzt Martin sehr: «Bis ich 33 Jahre alt war, hatte ich keinen Schnee gesehen. Jetzt habe ich angefangen zu Langlaufen und kann, nach vielen Stürzen, wenigstens schon stehen», scherzt er.

Er habe schon seit Kind Sport gerne gehabt, und immer versucht, alle Sportarten zu lernen. So kam er zu Fussball, Korb- und Volleyball. «In Deutschland war ich Mitglied eines Fussballclubs für Leute über 30», erzählt er, «in Zürich habe ich gerne Badminton gespielt. Ich würde in Klosters gerne einen Badminton-Klub gründen, wenn es Zeit ist.» Auch das Fussballspielen mit den Ministranten in Klosters schätzt er neben dem Biken und Bergwandern sehr: «Die Gesundheit ist wichtig und es ist wichtig, in Bewegung zu bleiben», sagt Pater Martin.

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