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Basler tragen zweite Fasnachts-Absage mit melancholischer Fassung

Basler tragen zweite Fasnachts-Absage mit melancholischer Fassung

Die Basler Regierung und das Fasnachts-Comité untersagen an den kommenden «drei scheenschte Dääg» in Basel Fasnachtsaktivitäten jeglicher Art. Eine Mehrheit der Fasnächtlerinnen und Fasnächtler scheint diese Direktive mit melancholischer Fassung zu akzeptieren.

Agentur
sda
vor 5 Tagen in
Aus dem Leben

Nein, sie habe ihren Humor nicht verloren, sagt Pia Inderbitzin, Obfrau des Basler Fasnachts-Comités. «Der Basler Fasnachtsgeist lässt sich nicht aus der Welt schaffen.» Aber natürlich sei sie auch traurig, nicht selber mit dem Piccolo durch die Gassen ziehen zu können. «Mir fehlen die Gesellschaft meiner Clique, die gemeinsamen Übungsstunden und Fasnachtsvorbereitungen.»

Anders als die Fasnächtlerinnen und Fasnächtler in den katholischen Gebieten des Landes sind die Baslerinnen und Basler mit ihren spät angesetzten Fasnachtstagen in der Woche nach dem Aschermittwoch bereits zum zweiten Mal zur Passivität gezwungen. Am 28. Februar 2020, vier Tage nach dem noch ausschweifend begangenen Güdismontag in Luzern, hatte die Basler Regierung verkündet, dass die Fasnacht 2020 in Basel nicht stattfinden darf.

«Das war ein Schockmoment», erinnert sich Inderbitzin. Im Vorfeld der aktuellen Nicht-Fasnacht blieb die grosse Überraschung aber aus. «Es hat sich seit längerem abgezeichnet, dass es erneut zur Zäsur kommen wird», sagt sie.

Zusammen mit den weiteren Comité-Mitgliedern hat die Obfrau in den letzten Wochen und Monaten alle Hände voll zu tun gehabt. Als sich im Herbst abzeichnete, dass eine Fasnacht 2021 im gewohnten Rahmen nicht stattfinden kann, suchte das Comité zusammen mit Fasnachtscliquen noch nach pandemiegerechten Alternativen - in Betracht gezogen wurde etwa eine Ausweich-Fasnacht in der Quartieren ausserhalb der Innenstadt.

Fasnachts-Spaziergang als Platzhalter

Davon ist jetzt nichts mehr übrig geblieben - abgesehen von einem vom Nachwuchs der Stammcliquen künstlerisch gestalteten Fasnachts-Spaziergang in der Altstadt. Auf über 30 Stationen haben die Jungen Garden der Cliquen stille und audiovisuelle Platzhalter geschaffen, die es ermöglichen sollen, wenigstens «eine Prise Fasnachtsluft» zu schnuppern.

Dazu gehören zum Beispiel ein imposanter Larven-Turm des Nachwuchses der Olympia-Clique am Rhein oder eine Ansammlung von Laternen-Monolithen auf dem Münsterplatz. «Uns war es enorm wichtig, den Fasnachts-Nachwuchs bei der Stange zu halten», sagt Inderbitzin.

Die Fasnachts-Absagen verschärfen das Nachwuchsproblem, mit dem viele Cliquen eh schon zu kämpfen haben: «Die fehlende Fasnacht hinterliess direkte Spuren bei der Mitgliederzahl der Cliquen», ist in der Fasnachts-Ersatzzeitung «Diggi Boscht» des Comités zu lesen. Vereinzelte Vereine hätten Austritte zu verzeichnen.

Das bestätigen auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA auch mehrere Obleute von traditionellen Basler Cliquen. «Wir alteingesessenen Fasnächtler können die Ausfälle zähneknirschend wegstecken, für die Jungen wiegt der fehlende Ansporn durch das fasnächtliche Erlebnis und das Zusammensein während den Übungsstunden aber schwer», sagt Andreas Kurz, Präsident des Stamms der Traditionsclique Vereinigte Kleinbasler VKB.

Comité rechnet mit Akzeptanz

Das Comité und die Regierung haben mit ihren restriktiven Fasnachtsregeln auch negative Reaktionen ausgelöst. In der «Basler Zeitung» war ihnen «kleinmütiges Verhalten» vorgeworfen worden und auf Facebook rief ein LDP-Grossrat die Fasnächtlerinnen und Fasnächtler auf, trotz allem kostümiert und musizierend «ab uff d Gass» zu gehen.

Inderbitzin geht aber davon aus, dass eine grosse Mehrheit der Fasnächtlerinnen und Fasnächtler Verständnis für die spezielle Situation hat und sich entsprechend zurückhalten wird. «Zustände wie beim Menschenauflauf in Einsiedeln sind in Basel nicht zu befürchten», sagt sie, auch wenn sie pandemiegerechte Überraschungen nicht ausschliessen möchte.

Dieser Ansicht schliesst sich VKB-Präsident Kurz an. «Das Trommeln verbieten kann ich den Cliquenmitgliedern nicht», sagt er, fügt aber hinzu, dass ungehorsames Gässeln in der Stadt ja ohnehin keinen Spass machen würde.

Auch die Basler Polizei geht davon aus, dass die meisten Baslerinnen und Basler ihr solidarisches Verhalten während der Pandemie beibehalten werden, wie ein Polizeisprecher auf Anfrage mitteilt. «Die Kantonspolizei wird mit Dialogteams auf den Strassen unterwegs sein und etwaigen Fasnächtlern erklären, weshalb die Fasnacht bedauerlicherweise nicht stattfinden kann.» Klare und wiederholte Verstösse nach Abmahnung würden aber geahndet.

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