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Ungewisse Wintersaison für Bündner Spitäler steht bevor

Die Corona-Fallzahlen sind hoch. Eine Umfrage bei verschiedenen Spitälern zeigt, dass die Situation aktuell noch nicht überall gleich angespannt ist. Trotzdem laufen die Vorbereitungen für einen speziell strengen Winter.

Südostschweiz
12.12.20 - 04:30 Uhr
Leben & Freizeit

Die Bündner Spitäler stehen vor einer besonderen Wintersaison. Der Winter ist in den Bündner Spitälern grundsätzlich die Hochsaison des Jahres. «In dieser Zeit planen wir jeweils sowieso mehr Personal ein», sagt Joachim Koppenberg, Direktor des Spitals Scuol gegenüber Radio Südostschweiz. Er sieht dies aber als Vorteil.

«Die meisten planbaren Operationen werden in der Zwischensaison gemacht und nicht über die Wintermonate. So gesehen, haben wir einen gewissen Kapazitäts-Puffer.» Einen Puffer für die Corona-Patienten, die in diesem Jahr zum regulären Betrieb hinzu kommen.

Zurzeit sei die Situation im Spital Scuol noch stabil. «Wir haben immer wieder Corona-Patienten, aber wir sind deswegen nicht total ausgelastet oder am Anschlag», sagt Koppenberg. Wenn jetzt aber noch ein schöner Winter hinzu käme, in dem sie ohnehin viel zu tun hätten, könne sich die Lage schnell ändern. «Deshalb ist es für uns wichtig, dass die Corona-Zahlen nicht weiter ansteigen oder idealerweise sinken. Sonst könnte es zu einem Kapazitäts-Problem kommen.»

Bisher kaum Operationen verschoben

Operationen mussten in Scuol noch keine verschoben werden. Die Auslastung durch Corona-Patienten sei zurzeit noch nicht so gross. Sollte sich dies ändern, würden sie die Operationen auch unabhängig von den Vorgaben des Bundes und des Kantons verschieben, wenn sie merken, dass die Kapazität eng wird.

Auch das Spital Ilanz musste bisher nicht in die Planung der Operationen eingreifen.«Wir analysieren die Lage ständig. Wir schauen wie viele und welche Patienten wir haben, wie die Platzverhältnisse aussehen und dann können wir gegebenenfalls auch kurzfristig entscheiden, ob eine Operation durchgeführt werden kann oder nicht», erklärt Marcel Bundi, stellvertretender CEO vom Spital Ilanz. 

Etwas weniger entspannt ist die Situation im Spital Thusis. «Wir sind ziemlich voll und das in einer Zeit, wo normalerweise die Ruhe vor dem Sturm herrscht», sagt Direktor Reto Keller. Das liege natürlich auch an den Corona-Patienten. Sie hätten aber auch viele Notfälle, reguläre Operationen und Geburten. «Deshalb haben wir jetzt schon ein Auge darauf, welche Operationen wir durchführen und was wir verschieben können.»

Im Spital Schiers sitzen die Verantwortlichen täglich zusammen und besprechen die Lage. «Es kommt auch vor, dass wir Operations-Patienten kurzfristig wieder nach Hause schicken, weil die Kapazität nicht ausreicht», so Spitaldirektor Urs Cadruvi.

Winter bringt viele Nicht-Corona-Patienten

«Die Wintersaison aus Spital-Sicht steht und fällt mit den Covid-19-Zahlen», sagt Markus Furrer, Chefarzt Chirurgie im Kantonsspital Graubünden. Man wisse, dass im Winter viele Menschen in die Region kommen werden. Ob die Skigebiete offen seien oder nicht, sei nur eine Nuance in der Frage, wie viele Personen wegen Sportunfällen ins Spital kommen. «Die Menschen, die hierher kommen, werden auch ohne Corona krank und verletzen sich auch unabhängig vom Sport. Deswegen hängt die ganze Situationen vor allem von den Corona-Zahlen ab.»

Neben den Corona-Patienten werde das übliche Spital-Programm gestemmt.  «Es gibt teilweise einen kleineren ‹Run› gegen Jahresende, weil viele Personen die Dinge gemacht haben wollen, bevor das neue Jahr beginnt. Teilweise haben diese Dinge auch eine gewisse Dringlichkeit.»

Personal auf Intensivstation versetzt

Die Kapazität auf der Intensivstation musste erhöht werden, um nebst den Corona-Patienten auch andere Intensiv-Patienten behandeln zu können, erklärt Furrer. Dafür musste Personal aus den verschiedensten anderen Abteilungen abgezogen werden. Vor allem aber aus dem Operationstrakt. «Diese Mitarbeitenden fehlen dann, um eine normale Operations-Spur zu betreiben.»

Aus diesem Grund mussten eine Zeit lang um zwei Operationssäle reduziert werden. Jetzt sei noch ein OP-Saal nicht in Betrieb. Dies müsse man aber relativieren, denn das sei ein Saal von insgesamt elf Operationssälen. «Trotzdem mussten Operationen verschoben werden.»

Dazu komme, dass Patienten ihre Operation von sich aus verschieben möchten, weil sie nicht in dieser Zeit ins Spital gehen möchten, erklärt Furrer. «Das ist aus unserer Sicht eher psychologisch bedingt. Wir sagen immer, es gibt keinen sichereren Ort in Bezug auf die Pandemie, als im Spital.» (hin)

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