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Einsichten ins Bündner Pressewesen

In seinem Buch «Die Geschichte der Churer Presse» zeichnet Hansmartin Schmid die Zeitungslandschaft in der Kantonshauptstadt nach.

Südostschweiz
Samstag, 03. Oktober 2020, 04:30 Uhr Buchtipp
Blicken zurück: Hanspeter Lebrument (links) und Hansmartin Schmid an der Buchvernissage im Somedia-Medienhaus.
PHILIPP BAER

von Maya Höneisen

Den Anfang nahm alles mit einer Artikelserie des Journalisten und Historikers Hansmartin Schmid im «Bündner Tagblatt». Die Folge davon war eine Schau zum Thema Churer Presse in der Kantonsbibliothek, angeregt dazu hatte deren Leiterin, Petronella Däscher. Verleger Hanspeter Lebrument spann den Faden weiter und schlug eine Publikation zur Churer Presse vor. Gesagt, getan. Am Donnerstag wurde «Die Geschichte der Churer Presse» in den Räumlichkeiten der Somedia in Chur in Buchform vorgestellt.

Die Anzahl der erscheinenden Titel sei heute nicht mehr so gross, erklärte Lebrument in seiner Begrüssung. «Dafür haben wir heute keine Zeitungen mehr, wo man merkt, woher der Wind bläst», spielte er auf die früher parteipolitisch ausgerichteten Blätter an. Die Mehrheit der Leser wolle sich heute auf der Grundlage einer glaubwürdigen Berichterstattung eine eigene Meinung bilden. Wichtig sei, dass es auch in Zukunft kleine, lokale Medienprodukte gebe, die einen Beitrag dazu leisten würden. Hansmartin Schmid würdigte er mit den Worten: «Er ist wahrscheinlich einer der bedeutendsten Journalisten unseres Kantons.»

Politisch geprägt

Schmid gab in seiner Ansprache einen gut fundierten Überblick über die Churer Presselandschaft. Er verknüpfte diese Geschichte mit der politischen Entwicklung in Graubünden. So zum Beispiel mit dem aus Lindau eingewanderten Buchhändler Bernhard Otto, der im Jahr 1799 die erste konservative «Churer Zeitung» publizierte. Schmid erzählte von weiteren Bündner Persönlichkeiten, die die Presse prägten und auch auf der politischen Bühne aktiv waren. Insgesamt erschienen in rund 200 Jahren nicht weniger als 26 Titel in Chur.

Das Buch mit zahlreichen Abbildungen historischer Dokumente ist gegliedert in verschiedene Linien, von der ersten «Bündner Zeitung» über die Linie des «Freien Rätiers» bis zur heutigen Somedia.

Die Situation heute

Im Anschluss zeigte Andrea Masüger, Somedia-Verwaltungsrat und Publizist, die heutige Situation der Presselandschaft auf. «Heute existieren in der Schweiz rund 300 Zeitungstitel», sagte er. Die grossen seien an einer Hand abzuzählen und nur noch dem Schein nach regional. Ihre Zentralredaktionen würden mit Inland- und internationalen Nachrichten den Mantelteil fast aller Redaktionen bespielen. «Wenn man in Chur wohnt, kommen aber alle Nachrichten aus Chur», betonte er die Eigenständigkeit der Somedia. Anhand von Grafiken kam Masüger auf die Werbeumsätze seit dem Jahr 2000 zu sprechen, eine wirtschaftliche Basis, die zusammenbreche. Ebenso erklärte er das Verhalten der Leser. Seit der Coronakrise habe die Nutzung der Zeitung wieder zugenommen. Das zeige ein Wachstum bei den Abos, sagte Masüger. Was ihn zum Schlusssatz führte: «Zeitungen sind wichtig.»

Buchtipp
Hansmartin Schmid: «Die Geschichte der Churer Presse». Somedia-Buchverlag. 80 Seiten. 25 Franken.

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Da die Inland- und Ausland-Nachrichten "von oben" eingekauft werden (in fast jeder Zeitung leider dasselbe steht), und einzig die Regional-News von der lokalen Redaktion selbst recherchiert bzw. gebacken werden (vergleiche die Unsitte, dass fast alle Bäckereinen zentral produzierte und tiefgefrorene Brote etc. bloss noch "erwärmen" lokal), würde eigentlich quasi ein Amtsblatt reichen. Und da eine digitale Zeitung heute fast alle Leser abdecken würde (obwohl ich auf Papier und echte Bücher stehe), wäre es doch deutlich leichter, Alternative(n) dem Monopol gegenüberzustellen (denn digital wäre das um Welten günstiger machbar als via Druckerei und Logistik/Vertrieb, schätze ich).