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Und wir feiern die ganze Nacht

Not macht bekanntlich ja erfinderisch. So haben Partybegeisterte auch einen Weg gefunden, in Zeiten von Corona auf ihre Kosten zu kommen. Was das aber auch für Nachteile mit sich bringen kann, erklärt Lexi in ihrem neusten Blog.

Südostschweiz
Sonntag, 06. September 2020, 04:30 Uhr Lexi like ...
SYMBOLBILD/UNSPLASH

Nachdem ich jahrelang gar keine Begeisterung für das Nachtleben aka die Partyszene aufbringen konnte, gelte ich mittlerweile als die wilde Partymaus der Familie. Wobei das mehr heisst, dass meine Familie aus chronischen Stubenhockern besteht. Während dem Semester gehöre ich eher zu der Sorte Mensch, die zwar am Samstagabend auch mal weg ist, aber sonntags um zehn Uhr aufsteht um zu Arbeiten oder Uni-Zeugs zu erledigen.

Das Tragische an der Geschichte: als ich endlich Gefallen an langen Nächten und verschlafenen Vormittagen fand, kam Corona. Im Gegensatz dazu sind hyperbesorgte, überprotektive und strenge Eltern harmlos. Wobei ich sagen muss, dass ich das nie hatte.

Im April war es eigentlich schon fast ein Wunder, dass das Bierchen zu Hause auf dem Balkon noch erlaubt war. Alle Events, Bars und Clubs waren komplett geschlossen und seine Freunde konnte man nicht einmal mehr mit einer Flasche Wein dazu überreden die Türschwelle zu übertreten. Die darauf folgende Polizeistunde machte die Partyszene auch nicht gerade attraktiv. Nachts um zwölf, also gerade dann, wenn man bereit für eine lange und durchtanzte Nacht gewesen wäre, blitzten grelle Neonlichter auf. Man stand noch nüchtern aber schon verschwitzt da und schaute wie ein begossener Pudel aus der Wäsche. Einziger Vorteil: Man fand seine pseudomässig versteckte Tasche und Jacke ohne lange suchen.

Inzwischen ist es fast schon wieder sozialer Selbstmord den Samstagabend ausserhalb der eigenen vier Wände zu verbringen. Mal abgesehen davon, kann man sich berufstätige Menschen als Begleitung gleich abschminken, da niemand seinem Chef erklären will, wieso man jetzt zehn Tage in Quarantäne muss.

«Fakt ist: Das Coronavirus hat die Homepartys auf das nächste Level gebracht»

Also verlagerte sich halt wieder alles zurück in die Wohnzimmer. Fakt ist: Das Coronavirus hat die Homepartys auf das nächste Level gebracht. Es gibt inzwischen kaum ein Wochenende, an dem ich nicht irgendwo in einem Wohnzimmer mit Freunden quatsche und auf fremden Balkonen mit einem Glas Vino anstosse. Sofas werden an die Wand geschoben, Musikanlagen angeschmissen und gesamte Wohnungen zum Club umgebaut. Während man sich früher auf chaotischen Grillpartys teilweise die Serviette selber organisieren musste, finden grössere WG-Partys inzwischen mit Hygienekonzept statt. Keine Umarmungen, keine Küsse, kein Händeschütteln – keinen interessierts.

Freude haben bei dieser Entwicklung nicht alle. Epidemie-oh-logisch gesehen ist es natürlich nicht wünschenswert, wenn dreissig Menschen aus der ganzen Schweiz zusammenströmen und fast aufeinandergestapelt eine Party feiern. Weniger erfreut sind auch die nicht immer ganz eingeweihten WG-Mitglieder oder Nachbarn, die plötzlich feststellen, dass sie sich in einer Partylocation befinden und ihr Schlafzimmer genauso gut der Abstellraum von einem Club sein könnte.

Ausserdem kann ich dir aus eigener Erfahrung sagen, dass die Polizei schneller da ist, als man denkt, respektive die Musik ausstellen kann. Die Polizei ist aber dann dein Helfer, wenn es sich bei der Partylocation um dein Wohnzimmer handelt, es nachts um vier ist, du endlich schlafen willst und niemand auch nur daran denkt, sich langsam auf den Heimweg zu machen. Im eigenen Wohnzimmer kann man nämlich schlecht einfach einen Uber bestellen und nach Hause gehen.

Lexi ist das Pseudonym einer 20-jährigen Molliserin, die einen Internet-Blog in Jugendsprache führt: http://lexilike.blogspot.ch.

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