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Wo Hämmerli und Hösli ihren Ursprung haben

Hämmerli, Hösli, Landolt und Rhyner: Das Flurnamenbuch der Gemeinde Glarus geht es unter anderem darum, wie Hosen zu Statussymbolen wurden und wie aus Studer Stauffacher wurde.

Südostschweiz
Samstag, 25. Juli 2020, 08:27 Uhr Auszug aus dem «Flurnamenbuch»
Viele Namen haben einen geschichtlichen Hintergrund.
SYMBOLBILD/UNSPLASH

Von Thomas Spälti

Hämmerli ist ein traditioneller Übername für den Schuhmacher, Haushandwerker und Bastler, der alles kann, und kommt von Hammer, Hämmerli, hämmerlen, «pochen» nach der handwerklichen Tätigkeit.

Hösli kommt von Hosen. Vor 500 Jahren waren Hosen ein Statussymbol. Sie waren unter anderem auch Preisgaben bei Wettbewerben. Die Obrigkeit schrieb vor, wann welche Hosen und Farbe getragen werden durfte. Man bekam Hosen erst zwischen dem dem 10. und 20. Lebensjahr und dann vielfach auch noch einen Beinamen wie Hoseri, der dann später allenfalls zum Familiennamen werden konnte.

Kiener stammt von Chien, Kienholz, «gemeine Kiefer»; harziges Holz, das gut brennt. Der Chiener war Sammler oder Verkäufer desselben. Aus Chnubel, Chnobel wurde Knobel, früher für rundliche, schwerfällige, etwas beschränkte Person. Der Name kommt ursprünglich von Schwanden/Schwändi. Nach Deutungen aus Deutschland und Liechtenstein ist es ein Übername zu Mittelhochdeutsch «knovel»; «Knöchel, Knorren, Würfel, Grobian» und in übertragener Bedeutung «draller, knorriger Bursche».

Landolt war ursprünglich ein männlicher Vorname mit der Bedeutung «der im Lande Waltende» von «Land, Gegend, Gebiet» und «waltan», «Gewalt haben, herrschen». Aus Mittelhochdeutsch «legel, laegel, lagel», «Fässchen», entwickelte sich der Name «Legler». Ein Legel dabei war meist ein kleines Fass, das vorwiegend für Wein verwendet wurde. Der Legler war der Hersteller dieser kleinen Fässer oder Holzgefässe. Der Name tritt dabei in Sachsen im Osterzgebirge wesentlich häufiger auf als in der Schweiz.

Früher hiessen viele Flüsse und Bäche «Rin» (heute Rhein). Wenn jemand an so einem Rin wohnte oder von dort herkam, nannte man ihn Rhyner.

Die Glarner Stauffacher haben eine etwas komplizierte Geschichte: Aus Italien und Graubünden eingewandert, hiessen sie ursprünglich einmal Studer. Nach ihrem Beruf als Steinmetz wurden sie dann aber «Murer» genannt. Einer dieser Studer nahm 1568 den Namen Stauffacher an und gab sich als Nachfahre des Rütlischwur-Stauffachers aus. Auch wenn er vor dem Gericht verlor, nannte er sich weiterhin Stauffacher und drang damit auch durch. Der Name Stauffacher selbst setzt sich aus Neuhochdeutsch «Stauf», «kegelförmige Erhebung in der Landschaft», und aus «Acher», «Acker», zusammen.

Auszug aus dem Flurnamenbuch der Gemeinde Glarus, das es ab dem 26. September im Buchhandel oder online gibt: www.flurnamen-glarus.ch

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