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Apotheke im Spital ist auch für die Öffentlichkeit gedacht

Noch ist sie eine Baustelle beim Eingang. Das Kantonsspital Glarus baut in der früheren Kardiologie im Erdgeschoss eine öffentliche Apotheke ein. Sie soll künftig besonders Austrittspatienten versorgen. Die privaten Glarner Apotheker äussern Skepsis.

Claudia
Kock Marti
Dienstag, 21. Juli 2020, 04:30 Uhr Skepsis bei Privaten
Die Vorarbeiten laufen: In der früheren Kardiologie soll die Publikumsapotheke des Kantonsspitals Platz finden. Bilder Sasi Subramaniam

Der Baulärm beim Eingang des Kantonsspitals Glarus ist unüberhörbar. Die Vorarbeiten für den Umbau für die neue Publikumsapotheke sind bereits voll im Gang. Spitaldirektor Markus Hauser und Apothekerin Barbara Schütz erklären, was in den staubsicher abgeschirmten Räumen konkret geplant ist. «Das Konzept dafür hatten wir schon lange», sagt Markus Hauser. Ursprünglich war sogar eine Eröffnung Ende letztes Jahr geplant. Doch habe das Kantonsspital über ein Jahr suchen müssen, um die ausgeschriebenen Stellen für zwei Apothekerinnen oder Apotheker zu besetzen. Denn der Stellenmarkt sei völlig ausgetrocknet. Zum anderen habe aber auch die Corona-Pandemie das Projekt verzögert. Doch jetzt nimmt es Form an.

Patienten sollen sicher versorgt nach Hause entlassen werden

Barbara Schütz ist seit Mai als Leiterin der neuen Apotheke beim Kantonsspital angestellt. Sie erläutert die Baupläne näher. Von der Eingangshalle her wird es künftig durch eine Schiebetüre in die Apotheke im Spital gehen. Hinter dem Verkaufsraum sind ein Büro für die Apothekerin und der Lagerraum auf den Plänen zu sehen. Die Apotheke werde vor allem auf die Bedürfnisse der Austrittspatienten zugeschnitten sein, aber auch Besuchern des Spitals offen stehen. «Das Kantonsspital behandelt jährlich rund 5000 stationäre und 30 000 ambulante Patienten», sagt Markus Hauser. Ziel sei, ihnen eine sichere Austrittsmedikation zu gewährleisten und sie zugleich bestmöglich zu informieren.

Eine Publikums- oder Offizinapotheke ist von der bisherigen Spitalapotheke zu unterscheiden. Letztere gab es schon immer für die stationären Patienten oder allenfalls für Notfallpatienten. In einer Offizinapotheke dürfen im Unterschied dazu an alle Medikamente verkauft werden. Personell sind die Apothekenmodelle im Spital voneinander zu trennen. «Aus Sicht der Spitalführung war es ein Manko, noch keine Publikumsapotheke am Kantonsspital Glarus zu haben», sagt Hauser.

Schneller Service vor Ort für Spitalpatienten

Barbara Schütz erläutert die Vorteile, die sie für die Patientinnen und Patienten des Kantonsspitals sieht: Die meisten stationären Patienten erhielten bei ihrer Entlassung ein Austrittsrezept. «Sie können von uns bis zu ihrem nächsten Hausarzttermin gut begleitet und versorgt werden.» Sie müssten nach der Entlassung dann nicht noch eine Apotheke aufsuchen, welche die benötigten Medikamente dann vielleicht nicht auf Lager hätte und erst noch bestellen müsste.

Ein weiterer Vorteil: Man könne den Patienten die verschriebenen Medikamente vor Ort gut erklären. Denn je besser diese verstanden würden, desto grösser sei eine therapietreue Einnahme. Von Vorteil sei besonders auch der mögliche Informationsaustausch im Haus. «Unsere Apothekerinnen und Apotheker haben Einsicht in die Krankenakte des Patienten, wenn dieser bei seinem Eintritt ins Spital seine Einwilligung dazu gegeben hat», so Hauser.

«Gewinn zu machen, steht nicht im Vordergrund»

Das Kantonsspital ist mit der Einrichtung einer öffentlichen Apotheke kein Vorreiter. Laut Schütz ist dies schon länger ein Trend in Schweizer Spitälern. «Wir haben uns verschiedene Beispiele angeschaut», fährt Hauser fort. Dies, um sich punkto technischer Einrichtung, geeigneter Geschäftsform, Bedarf oder auch Erfahrungen mit Apotheken und Hausärzten zu informieren. Auch in Glarus werde die Lagerung der Medikamente deshalb hochmodern mit einem Roboter erfolgen, was platzsparend und sicher sei, freut sich die Apothekerin.

Die Glarner Hausärzte als auch die beiden Glarner Apotheken wurden laut Hauser informiert. Die «Apotheke im Spital» sei eine gewisse Konkurrenz, und sie werde wohl auch als solche empfunden werden. Gewinn zu machen stehe aber nicht im Vordergrund, betont Hauser. Werbung, um Kunden von ausserhalb des Spitals anzuziehen, werde keine gemacht. Ziel sei, die Apotheke im Spital – wie diese auch heisst – kostendeckend zu betreiben.

Der Spitaldirektor kann sich vorstellen, dass es auch für Hausärzte eine Erleichterung bedeuten könne, wenn sie am Austrittstag eines Patienten nicht einem besonderen Medikament notfallmässig hinterherrennen müssten. Vom kantonalen Departement für Gesundheit werde die Einrichtung begrüsst, da der Kanton Glarus eine tiefe Apothekendichte habe.

Die Öffnungszeiten sind aktuell noch nicht definiert. Voraussichtlich wird die Apotheke im Spital aber von Montag bis Freitag, von 8.30 bis 18 Uhr und am Samstag bis Mittag geöffnet sein. Das Sortiment ist laut Schütz deutlich schmaler als in anderen Apotheken des Kantons. Doch möchte sie trotzdem auch eigene Medikamente oder etwa auch Teemischungen herstellen. Ausserdem natürlich die Bedürfnisse von Besuchern erfüllen und in Gesprächen mit den Spitalärzten herausfinden, was diese konkret wünschen.

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«Gewinn zu machen, steht nicht im Vordergrund» .....solange der Abzockerlohn des Kaders gesichert ist. Warum werden die Loehne nie offen gelegt? Die wissen schon warum. Das gutglaeubige, naive Schweizer/Glarner Volkt bezahlt ja gerne Steuern und Krankenkasse.