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Die Coronakrise spielt dem Nationalpark in die Karten

Der Schweizerische Nationalpark im Engadin hat seine Besucherzahlen aus 2019 veröffentlicht. Das Fazit: Weniger Leute im Park, mehr an den Ausstellungen im Besucherzentrum. Die Coronakrise könnte nun aber einiges auf den Kopf stellen.

Südostschweiz
Donnerstag, 16. Juli 2020, 14:42 Uhr Einmalige Chance
Der Nationalpark verzeichnete im letzten Jahr einen minimen Besucherückgang.
GRAUBÜNDEN FERIEN

Über 100 Jahre alt, 170 Quadratmeter gross und über 1400 Meter hoch. Die Rede ist vom Schweizer Nationalpark, welcher 1914 im Engadin gegründet wurde. Seither geschah einiges. 2019 verzeichnete das Nationalpark-Zentrum in Zernez fast 20'000 Eintritte, wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht. Das seien rund ein Drittel mehr Besucher als 2018. Im Park wiederum sanken die Besucherzahlen um zwei Prozent auf gut 90'000 Besuche.

Gute Themen und neues System

Stefan Triebs, Mitarbeiter im Bereich Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit Nationalpark, meint gegenüber Radio Südostschweiz: «Ein Grund für die Zunahme der Besucher im Zentrum sind die beiden Sonderausstellungen ‹Expedition 2 Grad› und ‹Der Wolf ist da›.» Die zwei Ausstellungen seien thematisch aktuell gewesen, seien auf breites Interesse gestossen und hätten emotional berührt.

Die Besucherzahlen des Parks selbst seien erstmals mit Zählstellen erhoben worden. Man habe geschaut, wie oft eine Person auf einer Wanderung an der gleichen Zählstelle vorbeigegangen sei und wie oft sie auf ihrem Weg mehrere Zählstellen passierte. «Bei diesen Systemen gibt es aber auch mal Ausfälle, wodurch unscharfe Resultate geliefert werden», sagt Triebs.

Im letzten Jahr gab es zwei Wechselaustellungen im Nationalpark Zentrum, die viele Besucher generierten.
GRAUBÜNDEN FERIEN/SCHWEIZERISCHER NATIONAPARK

Nichts Aussergewöhnliches

Grundsätzlich sei der Rückgang des Besucherstroms aber einfach der natürliche Zyklus, sagt Triebs. «Zu Beginn, wenn etwas neu ist, interessieren sich viele Personen dafür. Dann werden es aber immer weniger und weniger.» Daher sei der Nationalpark bemüht, neue Konzepte für Ausstellungen zu erarbeiten. «2023 wollen wir eine ganz neue Dauerausstellung eröffnen. Dass dann die Besucherzahlen wieder ansteigen, hoffen wir sehr.» Es sei nämlich von Bedeutung, aktuelle Themen zu präsentieren und den Nerv der Zeit zu treffen. Wie genau die Ausstellung aufgebaut sei, bleibe bis auf Weiteres aber noch ein Geheimnis. «Es sind viele Ideen in Ausarbeitung, aber die Katze wollen wir noch nicht ganz aus dem Sack lassen», so Triebs.

Corona sei Dank

Zurzeit gibt es aber ein anderes Thema, dass den Nationalpark beschäftigt. Die aktuelle Lage rund um die Coronakrise spielt dem Park nämlich in die Karten. Denn anstelle von Auslandsreisen pilgerten viele Personen ins Engadin. Triebs erzählt: «Seit Wochen kommen sehr viele Besucher vorbei. Das sind Gäste, die noch nie hier waren und den Park neu kennen und schätzen lernen.» Die aktuelle Situation sei eine einmalige Chance für den Schweizerischen Nationalpark, auch wenn die Mitarbeitenden an allen Ecken und Enden gefordert seien. (egt/paa)

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