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Drei Millionen Essenspakete sind das Ziel

Essen verteilen als Hilfe gegen die Lockdown-Folgen: Ein internationaler Verbund von Hilfsorganisationen, darunter auch der Rheintaler Verein Ubuntu, möchte die arme Bevölkerung in Kapstadt unterstützen, indem er für Nahrungsmittel sorgt. Denn in Südafrika herrschen besonders strenge Regeln im Umgang mit Covid-19.

Simone
Zwinggi
Mittwoch, 01. Juli 2020, 04:30 Uhr Rheintaler Hilfsprojekt in Südafrika

«TogetherForCapetown» (gemeinsam für Kapstadt) heisst das Hilfsprojekt, das in den letzten Monaten ins Leben gerufen wurde und von mehreren Organisationen getragen wird. Auch mit dabei: Der Rheintaler Verein Ubuntu. «Wir verteilen Nahrungsmittel an die arme Bevölkerung, denn das hilft den Menschen im Moment am meisten», erklärt Ubuntu-Präsidentin Nadja Perone. Noch immer sei das öffentliche Leben in Südafrika wegen Covid-19 stark eingeschränkt, so Perone. Zur Schule darf erst ein Teil der Kinder, in den Restaurants gibts nur Take-Away-Mahlzeiten und viele Menschen arbeiten noch von zu Hause aus. Auch der Tourismus, einer der grössten Wirtschaftszweige des Landes, liegt noch lahm. «Dieser Stillstand trifft besonders die arme Bevölkerung hart. Die Menschen können ihren Tagelöhner-Jobs nicht mehr nachgehen, verdienen kein Geld mehr und können sich kein Essen mehr kaufen.» Zudem lebten diese Menschen oft auf engem Raum unter schlechten hygienischen Bedingungen. «Wer da geschwächt ist, weil er nichts zu essen hat, der kann erst recht krank werden», sagt Perone.

Und so sammelt Perone mit dem Verein Ubuntu, dem Verein Matchbox aus Deutschland und bald auch einem schwedischen Verein Geld, um Essenspakete zu verteilen. Vernetzt sind die europäischen Vereine mit Personen vor Ort, die die Verteilung der Nahrungsmittel sicherstellen und mit den lokalen Schulen und Nahrungsmittellieferanten  zusammenarbeiten. «Seit Mitte Mai konnten wir rund 100‘000 Mahlzeiten verteilen», erzählt Perone. Dies geschieht über Schulen und Kindertagesstätten. Auch wenn diese ihren vollen Betrieb noch nicht wieder aufgenommen haben, so können die Familien dennoch über sie Essen beziehen, wie Perone erklärt.

«Zmorga»-Muffin

Das Engagement von Perone und ihrem Verein begann 2013. «Wir unterstützen primär Schulen und Kindertagesstätten», erklärt Perone. So finanzierte der Verein an einer Schule den Bau einer Küche, wo für rund 1000 Schüler gekocht werden kann. Anfang dieses Jahres verteilte Perone in Kapstadt zusammen mit anderen Vereinsmitgliedern Kleider und Spielzeug, das sie in der Schweiz gesammelt hatten. Und auf ihren Auftrag hin entwickelte eine Ernährungsexpertin das Rezept für einen Muffin, der speziell reichhaltig ist. «Einen solchen Muffin erhalten Kinder in einer Tuberkulose-Klinik vor der Medikamenteneinnahme. Denn auf leeren Bauch sind diese nicht so gut verträglich», erklärt Perone. Tuberkulose sei eine Krankheit, die stark verbreitet sei. Auch verschiedene Arten von Sehschwäche würden oft vorkommen, aber oft nicht richtig erkannt werden. «Aus diesem Grund haben wir das Projekt ‚ich sehe, ich verstehe‘ ins Leben gerufen. Es soll helfen, Sehschwächen bei Schulkindern frühzeitig zu erkennen und zu beheben. Denn wenn dies zu spät geschieht, können die Kinder nicht richtig lesen lernen. Das wiederum macht es unmöglich, in der Schule mitzuhalten und etwas zu lernen», so Perone.

Zweite Heimat in Südafrika

Dass sich Perone so stark mit Südafrika verbunden fühlt, hat einen einfachen Grund: Ihre Mutter stammt aus Kapstadt. «Südarfika ist meine zweite Heimat», sagt Perone. Aufgewachsen im Vorarlberg, wohnt Perone heute in Widnau. So faszinierend Südafrika für Perone ist, so speziell bleibt dennoch das Verhältnis zu diesem Land. «Der Umgang mit der Armut und mit dem grossen Gegensatz zwischen arm und reich will gelernt sein. Nicht jeder, der zum ersten Mal dort ist, kommt damit klar.» Ein Verhalten, das Perone sich angeeignet hat: Immer etwas Zusätzliches zu essen dabeihaben. «Ich nehme immer noch einen extra Apfel oder sonst etwas mit, das ich einem Bettler an der Strassenecke geben kann. Auch im Restaurant ist es üblich, dass man sich die Essensreste einpacken lässt, um sie auf der Strasse bedürftigen Personen zu geben.» Mit der Verteilung von Nahrungsmitteln sei den Leuten oft am besten geholfen, ist Perone überzeugt. Womit sich der Kreis zum aktuellen Projekt «TogetherForCapetown» schliesst: «Die Abgabe von Lebensmitteln ist im Moment besonders für die Kinder sehr wichtig», sagt Perone. In von Armut betroffenen Familien seien oftmals auch Drogen und Alkohol ein Thema. «Und dann kommt es immer wieder vor, dass es nichts anderes zu trinken hat als Alkohol. Also trinken auch Kinder Alkohol, um ihren Durst zu löschen.»

Nächster Besuch im November?

Das nächste Mal nach Kapstadt reisen möchte Perone im November. Ob das dann möglich sein wird, ist im Moment allerdings noch offen. «Für Südafrika wäre es verheerend, wenn das Reisen im Herbst immer noch nicht möglich wäre. Denn dann beginnt die Hauptsaison.»

Der Vereinsname Ubuntu übrigens bezeichnet eine afrikanische Lebensphilosophie. Ubuntu bezeichne eine Grundhaltung, die sich vor allem auf gegenseitigen Respekt und Anerkennung, Achtung der Menschenwürde und das Bestreben nach einer friedlichen Gesellschaft stütze, aber auch für den Glauben an ein «universelles Band, das alles Menschliche verbindet», schreibt der Verein auf seiner Webseite.

Weitere Information zum Projekt «TogetherForCapetown» gibt es hier.

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